PETERLICHT – Melancholie und Gesellschaft

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Nachdem er auf seinem letzten Album unseren Paradigmentrennungsschmerz zu lindern verstand, beschäftigt sich der Kölner nun mit dem Zusammenwirken von Individuum, „Melancholie und Gesellschaft“.



Eine Menge ist für PETERLICHT seit 2006 passiert. Er hielt als Autor wie als Musiker Einzug in die etablierten Feuilletons und wagte sich mit seiner Musik auch endlich auf die Bühne. So ist sein Gesicht zumindest für Konzertbesucher mittlerweile kein Mysterium mehr; professionell genutzten Kameras ist das Anvisieren aber weiterhin verboten, was skurrile TV-Momente, wie etwa seinen Auftritt bei Harald Schmidt, bei dem ihm die Kamera wunschgemäß den Kopf abschnitt, hervorbringt.

PETERLICHTs musikalische Entwickung, die schon bei Lieder vom Ende des Kapitalismus weg vom minimalistischen Computer-Pling-Pling hin zu Bandinstrumentierung ging, setzt sich auf seinem neuen Album fort. Neu entdeckt hat er dabei seine Liebe zum Klavier, das auf Melancholie und Gesellschaft fast durchweg zu hören und eine Art Verteidigung der programmatischen Melancholie ist.

Doch bei aller aus der Klaviatur gezogener und auch in den Texten thematisierter Schwermut, PETERLICHT bleibt PETERLICHT. Und das heißt auch auf Melancholie und Gesellschaft viel Wortwitz, absurde Bilder und catchy Refrains. Da kann die Perspektive etwa bei ‚Räume räumen‘ noch so trist sein („Der Raum ist voll/ doch keiner ist da“), zwischen all dem „nein nein nein“ und „ja ja ja“ summt man eher mit als von Trauer übermannt zu werden.

Und ganz so streng nimmt es PETERLICHT mit der Programmatik ja sowieso nicht. Der sarkastische Umgang mit – vor allen Dingen modernen – Gesellschaftsphänomenen, der ihm von Anfang an eigen war (man denke nur an Zeilen wie „Ich war mal Cowboy, jetzt bin ich Buddhist“ auf seinem Debütalbum Vierzehn Lieder) ist natürlich erhalten geblieben.

So zeichnet ‚Marketing‘ den ganz normalen Alltagswahnsinn der Selbstdarstellerwelt – übrigens nicht zwingend nur innerhalb der Marketingbranche, in der gerüchteweise auch PETERLICHTs Vergangenheit spielte. Auch die erste Single ‚Trennungslied‘ geht hart mit den Banalitäten des Trennens und, im übertragenen Sinne, auch des Abgrenzens ins Gericht, um im Refrain zu konstatieren „Hauptsache wir sitzen am Ende alle im selben Heim/ Denn ohne all die anderen Getrennten möchten wir nicht alleine sein“.

Und ähnlich ergeht es uns mit PETERLICHT, der genau wie wir stets Ziel des eigenen Unverständnisses ist. Der uns spielerisch das Absurde des Spiels aufzeigt, und bei dem wir gewissermaßen mitsingen dürfen, dass man nicht mitsingen darf.

PETERLICHT am 03.10.08 live in Berlin/ Maxim Gorki Theater

PETERLICHT
Melancholie und Gesellschaft
(Motor/ Edel)
VÖ: 05.09.2008

www.peterlicht.de
www.motor.de
www.add-on-music.de

Autor: [EMAIL=alexander.eckstein@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Alexander Eckstein [/EMAIL]

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