
Ganze dreiundreißig Jahre ist es jetzt her, dass der PC-Adventureklassiker Myst das Licht der Welt erblickte. Das Game von Brøderbund zeigte den damaligen Käufern nicht nur, was die noch relativ neue CD-ROM vermochte, sondern auch als eines der ersten Spiele, wie verschiedene 3D-Welten aussehen können. Echte Schauspieler wurden in einer für die damalige Zeit fotorealistische Render-Grafik gemorpht. Die Fantasie wurde auch nachhaltig von dem dazugehörigen Soundtrack angeregt, der wie der des Nachfolgers Riven (1997) vom Mitentwickler Robyn Miller komponiert wurde. Der Producer RICH DOUGLAS, der sich auf Retro-Scores spezialisiert hat, nimmt sich nun des Kult-Soundtracks an, um ihn instrumental zu erweitern.
Myst war von dem Jules Verne-Roman Die geheimnisvolle Insel (1874/5) inspiriert und verkaufte sich seinerzeit sechs Millionen mal. Erst 2021 kam ein VR-Remake heraus. Der Spieler wird hier über eine Art Zauberbuch auf die Insel Myst teleportiert, von der er zu anderen Welten, sogenannten Zeitaltern weiterreisen kann. Die notwendigen Verbindungsbücher stellen sich als Teil von mächtiger Technologie einer Alienrasse namens D’ni heraus. Je mehr der Spieler die vielen fremdartigen Maschinen ausprobiert, desto mehr erkennt er, dass er in einen Familienkonflikt geraten ist: Ein Weltenerschaffer namens Atrus wollte die Zeitalter erforschen, während seine Söhne sie sich untertan machten. Diese spielten Götter und vernichteten ihre Populationen. Durch diesen Kniff mussten die Myst-Entwickler nur sehr wenig Schauspieler einsetzen.
Was also ist zu hören? Douglas bleibt dem Spiel so treu, dass er sogar den Werbe-Jingle der Firma Cyan zu Anfang mit Percussions nachstellt („Cyan-Logo“). Es folgt das berühmte „Myst Theme“, das episch mit Streichern aufgeladen wird, während Miller noch rein auf digitale Musik setzen musste. Spieler erinnern sich beim Zuhören sofort an Atrus‘ Prolog, der zugleich der Epilog zu Riven war: „In dem Moment, als ich in die Spalte stürzte, …“
Es folgen zum einen Stücke, die die vier an Myst angeschlossenen Welten repräsentieren. So führt „Treegate“ zum Kanalwald mit Dschungel-Trommeln, um an die dortigen Indigenen zu erinnern. Majestätisch und tragisch klingt dagegen „Shipgate“ zum Steinschiff, wo die Familiengeschichte deutlich wird.
Zum anderen bilden weitere Stücke die Atmosphäre bestimmter Orte wieder. Da ist das schöne Stück „The Last Message“, in dem sich Atrus von seiner Frau Katharina verabschiedet. Oder das einsame und doch orchestrale „Compass Rose“ samt Chor. Selbst „Fireplace“, das während des Spiels eigentlich nicht auftaucht, wird dramatisch neu aufgelegt.
Douglas bleibt eng an den Original-Melodien und wird hier und da vom Musiker ANDREW DUNN gefeatured. Gemeinsam hauchen sie der alten Faszination neues Leben ein.
Rich Douglas
Echoes of the Ages: A Tribute to MYST
(Materia Collective)
VÖ: 23.01.26