RIVO DREI – Berliner Act des Monats April 2006


„Yeah! Jawohl! Und überhaupt.“ oder „Der zündende Funke bei der BVG“



Im Alter von 6 schrieb OLIVER RIVO (geb. am 26.02.77 in Stuttgart) seine erste Software auf einem kleinen Bausatz-Computer. Dann studierte er – fast logischer Weise – Informatik, zog für zwei Jahre in das kanadische Vancouver und hielt im Silicon Valley Vorträge über Computermedizin. Bis bei einem Bewerbungsgespräch bei Microsoft die Erkenntnis kam: „Das ist wie ein schwarzes Loch. Die Außenwelt hätte mich nicht mehr zu sehen bekommen.“ Er kehrte zurück nach Deutschland und gründete gemeinsam mit Schlagzeuger FELIX M. LEHRMANN (geb. am 21.10.84 in Berlin) und Bassist ARNE NITZSCHE (geboren am 21.10.81 in Erfurt) die Band RIVO DREI… So weit, so skizzenhaft die Geschichte des Trios.

Der zündende Funke dann 2004: RIVO DREI nahmen an einem Talentwettbewerb der Berliner Verkehrsbetriebe teil. „Wir kamen zu spät, traten ohne Soundcheck auf, spielten zehn Minuten und wussten eigentlich nicht mal, dass es sich bei der Veranstaltung um einen Wettbewerb handelte“, erinnerte sich OLIVER. RIVO DREI siegten. Was sie nicht ahnten: in der Jury saßen die Produzenten Brix und Ingo Politz, die Macher des Labels Valicon.

Brix und Politz glauben an RIVO DREI. Zwei Jahre später nun ist es soweit:

BiB: Euer Debutalbum steht in den Startlöchern. Es heißt Yeah! Jawohl! Und überhaupt. Ich empfinde das als eine, sagen wir mal, trotzig-optimistische Ansage. Oder liege ich damit komplett falsch?

RIVO DREI: Nein, das könnte man schon so auffassen. Wir sind eine sehr optimistische Band und das sind zufällig auch noch die drei (beziehungsweise vier) Wörter, die bei uns täglich sehr häufig fallen. Vielleicht ist das aber auch ein Gegenpol zur Musik, die ja ernst gemeint ist und teilweise und auf manche Leute auch melancholisch wirkt. Wir haben jedenfalls sehr viel Spaß dabei, was sicherlich auch bei unseren Konzerten rüberkommt und vielleicht auch in diesem Titel.

BiB: Mit Brix und Ingo Politz (Silbermond, Alexander, X-Perience, Bell Book & Candle etc.) habt Ihr zwei hochkarätige Produzenten, ja man kann unumwunden sagen, zwei „Hitmacher“ im Boot. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

RIVO DREI: Eher zufällig. Wir haben die beiden beim Bandwettbewerb der BVG kennen gelernt, als sie Silbermond gerade in die große weite Welt schickten und es Zeit für ein neues Projekt war. Sie sagten uns, dass wir genau das seien, was sie gesucht hatten und dann ging es los. Natürlich gab es immer wieder Unterbrechungen, weil die beiden zwischendurch auch an Popproduktionen arbeiten mussten. Es gibt da schon eine klare Trennung zwischen Auftragsproduktionen und eigenen Projekten mit völlig unbekannten Newcomern. Ein DSDS-Kandidat kann davon ausgehen, dass sein Album mindestens Goldstatus erreicht, alleine schon durch die extreme Medienpräsenz. Eine Band, die aus eigener Kraft versucht sich einen Namen zu machen, hat es da deutlich schwerer. Was für eine Art Anerkennung man im Erfolgsfall aber möchte – in beiden Szenarien – muss aber schon jeder für sich entscheiden. Jedenfalls haben Ingo Politz und Brix da immer an uns geglaubt, auch wenn der Bandwettbewerb schon fast zwei Jahre her ist.



BiB: Es werden immer wieder musikalische Vergleiche von RIVO DREI herangezogen. Die reichen von Xavier Naidoo bis Herbert Grönemeyer. Mich erinnert das Album (hin und wieder) – und das ist als Liebhaberin vieler (ehemaliger) ostdeutscher Bands positiv gemeint – stimmlich und musikalisch eher an Bands wie beispielsweise den fabulösen Neumis Rock Circus. Das kann kein Zufall sein. Politz selber spielte ja Schlagzeug in eben jener Band (und anderen), diverse Klavierpassagen habt Ihr bei Rainer Oleak, ebenfalls ein „Urgestein“ im ostdeutschen Rock- und Popbusiness, aufgenommen. Uwe Hassbecker (ehemals Stern Meißen, später Silly) hat Euch bei den Gitarrenaufnahmen unterstützt. Das liest sich fast wie ein ‚Who-is-who‘ des Ostrocks!?

RIVO DREI: Das ist schon interessant, da Oliver als Songwriter und ehemaliger Wessi diese Einflüsse nicht hatte – und im Übrigen erst jetzt langsam entdeckt. Möglicherweise sind Arne und Felix daran schuld. Oder, was wahrscheinlicher ist, Ingo Politz und Brix haben sich in Rivo Dreis Musik auch ein Stück weit selbst wieder erkannt. Dass Rainer Oleak oder Uwe Hassbecker eine Rolle gespielt haben – die im Übrigen weniger musikalisch war, sondern eher Equipment-technisch – ist nicht ungewöhnlich, weil es unter den Musikern aus dem ehemaligen Osten ja noch einen großen Zusammenhalt gibt. Man muss aber dazu sagen, dass die ehemalige DDR im Vergleich zu Westdeutschland ein relativ vielfältiges Erbe an deutschsprachiger Musik hinterlassen hat, so dass es hier wahrscheinlich leichter ist, Parallelen zu finden.

BiB: Euer Debutalbum erscheint bei Valicon Music (Brix, Politz et al.) und wird durch SonyBMG vertrieben. Das klingt nach „Riesenmaschine“! Bekommt Ihr bereits eine größere Medienaufmerksamkeit zu spüren? Wie geht Ihr damit um? Seid Ihr darauf vorbereitet, wenn Ihr u.U. einen großen Hit landet?

RIVI DREI: Wie schon erwähnt, ist es immer und auch für ein Major Label schwierig, einen Newcomer zu etablieren. Die Medienaufmerksamkeit wird langsam mehr, aber noch nicht schlagartig. Das ist ganz gut so. Für uns ist das alles ganz spannend, weil wir das bisher noch nicht so hatten. Wirklich vorbereitet sind wir nicht. Es gibt auch keinen, der uns genau sagen kann, was auf uns zukommt. (Das wäre übrigens schön, wenn das jemand wüsste.) Spontan würden wir sagen, dass es auf die innere Ausgeglichenheit sowie das unmittelbare äußere Umfeld ankommt, dass man nicht den Boden unter Füßen verliert.



BiB: Lebt Ihr schon heute hauptberuflich von der Musik?

RIVO DREI: Wir machen jedenfalls inzwischen alle nichts anderes als Musik.

BiB: Mal abgesehen vom Talentwettbewerb der BVG, habt Ihr schon an anderen Band-Wettbewerben in der Vergangenheit teilgenommen? Und wenn ja, mit welchem Erfolg? Kennt Ihr beispielsweise das „emergenza“ und wie beurteilt Ihr diesen Contest?

RIVO DREI: Wir haben als Rivo Drei nur an diesen zwei teilgenommen, aber auch nur aus Gründen, die weniger mit dem Gewinnen eines Wettbewerbs zu tun hatten. Zum BVG-Wettbewerb wurden wir halb überredet und mit der Aussicht auf eine CD-Produktion angelockt, denn wir wussten erst einmal gar nicht, dass es sich um einen Wettbewerb handelte und da hörten sich 10 Minuten spielen ohne Soundcheck erst einmal seltsam an. Emergenza war unser allererstes Konzert als Band, eine sichere Methode, vor einem Publikum zu spielen. Um das Weiterkommen ging es uns nicht wirklich, das wäre auch keine Aussicht gewesen, da wir als erstes spielten (unser Schlagzeuger ist Linkshänder) und keine eigene Fantruppe dabei hatten. Wir würden auch nicht noch einmal da spielen. Entschieden wird vom Publikum per Handzeichen. Wer mehr Fans mobilisieren kann (von denen jeder rund 10 EUR Eintritt zahlen muss), gewinnt. Und warum jede Band dann noch 70 EUR bezahlen muss, um überhaupt teilnehmen zu dürfen, ist uns schleierhaft. Das legt die Vermutung nahe, dass es hier eigentlich um etwas anderes geht als um die Musik oder die Bands.

BiB: Welche Berliner Bands mögt Ihr persönlich und musikalisch gern? Mit wem habt Ihr schon zusammen gespielt? Habt Ihr ein Netzwerk?

RIVO DREI: Als Rivo Drei haben wir mit Ich+Ich, Silbermond und diversen anderen Bands (u.a. Ohrbooten, Rico Loop, Jenna + Ron) gespielt. Viele andere Bands sieht man vielleicht nur kurz, viele gibt es auch schon nicht mehr. Da trifft man die Musiker manchmal wieder in anderen Konstellationen. Felix hat durch seine anderen Projekte mehr Kontakt zu Berliner Musikern. Die Live Demo Truppe zum Beispiel treffen wir öfter auf verschiedenen Veranstaltungen (einer von ihnen hat auch einen Gastauftritt auf unserem Album). Deren Musik entspricht natürlich auch unserem Geschmack. Ansonsten schauen wir uns immer gerne Konzerte noch unbekannter Bands an, das kann öfter mal inspirierender sein als Radio hören.

BiB: Oliver, Du schreibst alle Songs (Text + Musik) für RIVO DREI alleine? Wird das immer so bleiben? Und birgt das nicht ein gewisses Konfliktpotenzial innerhalb der Band?

Oliver: Bisher war das für keinen von uns ein Problem, sondern das hat sich eher so ergeben, weil ich damit einerseits versucht habe, die Band voranzutreiben – ich habe viele Bands gesehen, die daran scheiterten, dass sich keiner verantwortlich fühlte – andererseits aber auch, weil ich die teilweise sehr persönlichen Texte selbst auch am besten vertreten konnte. Außerdem haben, wenn auch die Grobkompositionen von mir sind, unsere Stücke sehr viel von Arnes und Felix’ musikalischer Persönlichkeit. Bei einem Trio kommt es selten vor, dass sich jemand darüber beklagt, dass er zu kurz kommt. Jetzt da der Rivo Drei-Zug aber ein wenig rollt, ändert sich das auch. Könnte sein, dass auf dem nächsten Album zum Beispiel schon Stücke von Arne dabei sind.

BiB: Gibt es konkrete Pläne, wie es nach dem Release von Yeah! Jawohl! Und überhaupt. weitergeht? Was wäre Eure Wunschvorstellung?

RIVO DREI: Unsere Wunschvorstellung wäre natürlich die, dass wir viel spielen können und dabei ein größeres Publikum anziehen. Auch wenn die Arbeit am Album Spaß gemacht hat, waren und sind wir doch eine Live-Band. Da kommt zur Musik noch das ganze Drumherum, die Show, die Spontaneität, wir können da direkt mit dem Publikum kommunizieren. Wenn es gut läuft, wird irgendwann auch das Thema „zweites Album“ auf uns zukommen. An Ideen mangelt es uns nicht. Und wer weiß, vielleicht können wir dadurch beweisen, dass man auch in Deutschland intelligente Musik machen kann.

Das Debutalbum von RIVO DREI Yeah! Jawohl! Und überhaupt. erscheint am 05.05.2006 (Valicon Music/SonyBMG). Die Single ‚Wie Flugzeuge‘ steht ab dem 28.04.2006 in den Plattenläden.

www.rivodrei.de

Fotos: © RIVO DREI
Autor: [EMAIL=jana.schuricht@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Jana Schuricht[/EMAIL]

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