SLUT + STARS PLAY MUSIC am 24.01.2008 im Lido


Die Ingolstädter sind „StillNo1“: Album-Pre-Listening als Triumphzug.



Schon Wochen im Voraus war es ausverkauft, das Konzert, mit dem SLUT nach Berlin zurückkamen. Es war eine Rückkehr in die Stadt, in der ihr neues Album StillNo1 entstanden ist. Aus dem Studio konnten sie praktisch zum Lido rüberschauen, und man habe sich immer darauf gefreut, endlich hier zu spielen, sollte Sänger CHRISTIAN NEUBURGER im Laufe des Abends noch erzählen. Dass die Ingolstädter allerdings einen derartigen Triumphzug feiern könnten, war ihnen in jenen Tagen sicher noch nicht klar.

Den Auftakt machten jedoch die Münsteraner STARS PLAY MUSIC. Ihr Ende Februar erscheinendes Debüt Distance Is Necessary präsentierten sie grundsolide und sympathisch, wirkten in ihren Fähigkeiten aber doch arg limitiert. Und große Songs waren einfach nicht auszumachen. Nicht mehr als ein beiläufiges Aufwärmprogramm.

Dem Feuerwerk, welches SLUT anschließend abliefern sollten, hatte man ohnehin nichts entgegen zu setzen. Unter den flirrenden Sounds, die auch StillNo1 eröffnen, betrat die Band die Bühne, das Licht heruntergefahren, ein paar LED-Lämpchen, die man sich an Gitarren und Kleidung montiert hatte, sorgten für eine Stimmung, als wären Außerirdische gelandet. Ein Vergleich, der durchaus passt, denn außerirdisch gut sind auch die Stücke des neuen Albums geworden, die fast komplett zur Aufführung kamen. Große Hymnen bietet StillNo1, opulent arrangiert, nicht die rohe Vehemenz, die noch die beiden Vorgängerplatten ausmachte. Das Publikum nahm die neuen Titel zwar durchaus euphorisch auf – und das, obwohl die Platte ja erst am folgenden Tag in den Handel kommen sollte, also kaum jemand das komplette Album kennen konnte -, übte sich während der Songs aber eher in Staunen und Genießen.

Für richtig Bewegung sorgten hingegen die älteren Nummern, angefangen bei ‚Time Is Not A Remedy‘, das schon recht früh ins Rennen geworfen wurde. Aber insbesondere das 2004er Album All We Need Is Silence war mit etwa einem halben Dutzend Songs sehr prominent vertreten. Kein Wunder, bieten sich wuchtige Ohrwürmer wie ‚Neverendig‘ oder ‚Why Pourquoi (I Think I Like You)‘ doch geradezu an, um sprungwütige Massen in kürzester Zeit in ekstatische Wallung zu bringen. Auch das ’96er Debütalbum war mit ‚Rocket‘ und dem traditionell kurz vor Schluss platzierten ‚Cloudy Day‘ würdig vertreten, und selbst ‚Die Morität von Mackie Messer‘ wurde angestimmt, sodass nun wirklich keine Wünsche offen blieben. Das Publikum feierte die Band entsprechend, als wären es lang verschollene Lokalmatadoren.

Ein Schuss aus der Konfettikanone beendete das reguläre Set. Eine knappe halbe Stunde später, nach zwei Zugabenblöcken und insgesamt fast 120 Minuten, war dann tatsächlich Schluss, doch niemand im Saal wollte es wahr haben. SLUT bieten wahrlich nicht wenig fürs Geld, aber sie machen halt auch süchtig. Die Lichter gingen an, Hildegard Knef sang von einem Koffer in Berlin (womöglich haben SLUT den ja mittlerweile auch) und von der Decke rieselten noch immer vereinzelte Konfettischnipsel.

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www.myspace.com/slutmusic
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Foto: (c) Gerald von Foris

Autor: [EMAIL=sebastian.frindte@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Sebastian Frindte[/EMAIL]

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