SMOKE BLOW + BUBONIX am 15.05.2008 im Lido


Ein großartiger Konzertabend – Ohrenpfeifen inklusive.



Smoke Blow

Zahlreiche Freunde lauter, kompromissloser Musik tummelten sich am 15. Mai zu Hauf vor dem Lido in Kreuzberg. Der laue Sommerabend lud dazu ein, sich vor der Location noch in aller Ruhe ein Bierchen einzuverleiben und die Vorfreude wirken zu lassen. Ein kleines Mädchen hat sich mit seinem Cello vor dem Eingang postiert und entlockte dem Instrument leicht melancholische und mitunter ziemlich schräge Töne. Ein interessanter Kontrast zu dem, was gleich über das Publikum hereinbrechen wird.

Die ersten machten sich auf ins Lido, gefolgt von der Autorin, die auf keinen Fall den Supportact BUBONIX verpassen wollte – in erster Linie war sie nämlich wegen der Limburger Band gekommen. Der Großteil des Publikums wohl eher nicht – vor der Bühne stand gerade mal eine Handvoll Leute, der Rest tummelte sich an der Bar oder am Merchandising-Stand im Vorraum. Völliges Unverständnis meinerseits. Dann erklommen die sechs Limburger auch schon die Bühne und rockten los – die drei energischen Gitarren und das innig geprügelte Schlagzeug waren körperlich spürbar, herrlich. Der Gesang von Thorsten Polomski und Sarah de Castro diente als beeindruckendes Stilmittel und changierte zwischen melodieselig, aggressiv und eindringlich. Unglaublich, was die zarte Dame alles mit ihren Stimmbändern anstellen kann!

BUBONIX’ Spielfreude war sicht- und hörbar, solides Gitarrenfingerpicking wurde von meterdicken Gitarrenwänden unterbrochen, dazwischen schlichen sich immer wieder kleine, feine Synthie-Melodien ein, die dem Hörer einzigartige Klangcollagen um die Ohren bratzten. Spätestens jetzt war jeder Widerstand zwecklos, das Publikum taute sichtlich auf, dem experimentellen Clash aus Hardcore mit melodischen Rockelementen und elektronischen Sounds konnte man sich einfach nicht entziehen. Ich bin mir sicher – wer diese Band einmal live gesehen hat, möchte mehr davon! Meine Begleitung, die eigentlich SMOKE BLOW favorisierte, teilte übrigens diese Ansicht. Schade eigentlich, dass die Bühne nun für die Hardcore-Punk-Formation SMOKE BLOW geräumt werden musste.

Eine beträchtliche Fangemeinde hat sich nach dem kurzen Umbau-Päuschen vor der Bühne eingefunden, um dem schmutzig-rauen, aber dennoch melodiösen Getöse der sechs Kieler zu frönen. Frontsau Jack Letten stellte die Band kurz vor – aber es schien sie ja sowieso jeder schon zu kennen – und verwies dann gleich mal auf die „beschissene Berliner Luft“. So gesehen hatte er damit auch vollkommen recht, das Lido glich mittlerweile einer Sauna. Dann ging es auch gleich in die Vollen, die „Collossus-Tour“ war eröffnet. Das Publikum bekam schnellen, lauten, kompromisslosen punkig anmutenden Hardcore vor den Latz geknallt, Jack Letten, MC Straßenköter, Kentucky, Gerrard the J.R., Greif Hellhammer und Fabrizio lieferten einen souveränen Gig, die Jungs wissen zweifelsohne, wie man die Menge zum Pogen bringt.

Die wogende Menge weitete sich zunehmend aus, meine Begleitung fand’s toll, doch nach einer gefühlten Stunde war irgendwie die Luft raus. Bis auf ein paar Ausnahmen klangen die Songs doch relativ einförmig, der Stimmung tat das dennoch keinen Abbruch – dank der charmant-rüpelhaften und mitteilungsfreudigen Art der Band, die den Großteil der Anwesenden restlos zu begeistern schien.
Alles in allem ein großartiger Konzertabend, der ein sachtes aber hartnäckiges Pfeifen in unseren Gehörgängen hinterließ. Meine Begleitung teilt jetzt übrigens meine Begeisterung für BUBONIX und wir fragten uns auf dem Nachhauseweg ernsthaft, warum BUBONIX „nur“ der Support-Act war…

www.smokeblow.de
www.myspace.com/smokeblow
www.bubonix.de
www.myspace.com/bubonix
www.noisolution.de

Autor: [EMAIL=susanne.lang@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Susanne Lang[/EMAIL]

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