Sounds And Visions Festival 2018 | Max Richter im Interview

Am heutigen Freitag startet die erste Ausgabe von SOUNDS AND VISIONS. Kuratiert von Star-Komponist MAX RICHTER und Regisseurin YULIA MAHR, bietet das neue Festival drei Tage lang im Londoner Kulturmultiplex The Barbican einigen der spannendsten Acts der Stunde eine Bühne. Im Vorfeld der Proben zu Three Worlds (2017), das am zweiten Festivaltag seine Aufführung finden wird, haben wir Richter in den legendären BBC Studios in Maida Vale zum Interview getroffen…

Welche Idee steht hinter dem Festival?

Yulia hat ja einen Hintergrund in den visuellen Künsten und im Film, während ich aus der Musik komme. Diese zwei Welten führen wir zusammen. Wie so viele Festivals haben wir Künstler*innen eingeladen, die wir sehen wollten – die wir lieben. In gewisser Weise ist das Festival eine große Ausgabe der Unterhaltungen, die wir über dem Kaffee am Morgen führen.

Wann ist der Gedanke entstanden, diesen Austausch als Festival auszugestalten?

Wir haben etwa ein Jahr daran gearbeitet – also nicht so sehr lang. Wir haben natürlich schon ordentlich Arbeit hineingesteckt, aber die Leute im Barbican sind fantastisch. Wir haben ihnen unsere Wünsche mitgeteilt und sie haben dafür gesorgt, dass die Kiste läuft.

Haben Sie das Booking persönlich übernommen?

Ja, zu großen Teilen schon. Ich meine, die meisten habe ich auf dem einen oder anderen Weg schon gekannt. Entweder es gab schon ein Verhältnis oder ich wollte eines etablieren, einfach weil ich Fan der Musik bin.

Das Musikprogramm ist augesprochen vielfältig – keineswegs nur Klassik / Neoklassik, wie man vielleicht hätte denken können. Mit JLIN taucht direkt zum Auftakt ein sehr überraschender Name auf…

Eines der Ziele, die wir für das Festival formuliert haben, war, die Musiker*innen einem neuen Publikum näher zu bringen. Als wir vor anderthalb Jahren zum allerersten Mal an all dies hier gedacht haben, war Jlin noch nicht wirklich bekannt. Das hat sich mittlerweile ein klein wenig geändert, könnte man sagen. (lacht) Ihre Musik ist ja verwandt mit frühem Drum’n’Bass, dieses Element der zerstückelten Beats – wahnsinnig spannend.

Die Komponistin KAITLYN AURELIA SMITH führt tiefer in den ersten Abend, ehe Sie ihn mit einer voll orchestrierten Neuinterpretation Ihrer Komposition Infra von 2010 abschließen. Sind Momente der Kooperation und Interaktion zwischen den Sets geplant?

Also nicht, dass ich bislang davon wüsste! (lacht)

Werden alle Performances von neuen Visuals begleitet?

Einige zumindest. Infra hat Visuals von Julian Opie, die bereits im Rahmen der ursprünglichen Ballett-Aufführungen eingesetzt wurden. Sie entstehen in Echtzeit während der Performance. Dafür wird eine kleine Software eingesetzt, die auf bestimmte Passagen reagiert. In gewisser Weise sind die Visuals so dem Score bereits eingeschrieben. Ziemlich cool.

Welche weiteren Highlights erwarten das Publikum?

Caterina Barbieri ist noch so eine Künstlerin, die zwar schon eine ganze Weile an ihrer Musik arbeitet, aber noch nicht großartig bekannt ist. Ihr Sound ist sehr pattern-orientiert, trancy, in gewisser Weise auch tough. Ein weiteres Highlight ist das Syrian Orchestra aus Damaskus, das traditionelle Musik spielen wird. Das war uns wichtig, denn wir hören immer nur schreckliche Dinge aus Syrien, und natürlich ist es schrecklich, was dort passiert. Aber es gibt auch diese fantastisch reiche Kultur dort, die wie durch ein Wunder immer noch lebendig ist. Es wird auch zwei Bach-Konzerte geben, von denen eines mit einer ganzen Armada von Synthesizern gespielt wird. Will Gregory ist daran beteiligt, eine Hälfte von Goldfrapp – darauf freue ich mich ungemein. Und wir haben einen Score in Auftrag gegeben: Clarke hat für den Film Dog Star Man von Stan Brakhage aus den Sechzigern einen komplett neuen Soundtrack geschrieben.

Zum kompletten Programm von SOUNDS AND VISIONS

Soeben ist zudem eine erweiterte Neuausgabe von Richters Album The Blue Notebooks erschienen – einem der Klassiker der Neoklassik. Ha! Richter zum Re-Release:

Wir sind noch einmal in eine Art Hinterland des Albums eingetaucht; diese Stücke bilden den Kontext, sie sind wie ein Reservoir, das in die Produktion der Aufnahme einfloss, aber schließlich nicht im Endprodukt erschien.

Auf dem Album ist auch das Stück „On The Nature Of Daylight“ enthalten – für diesen Autor eine der schönsten Kompositionen aller Zeiten. Neu hinzugekommen sind Remixes von JLIN bzw. dem schottischen Producer KONX-OM-PAX, der bisher unveröffentlichte Track „Cypher“ sowie Neuarrangements von Kompositionen, die zur selben Zeit wie das Album geschrieben, aber erst Anfang diesen Jahres erstmals aufgenommen wurden.

MAX RICHTER
The Blue Notebooks
(Deutsche Grammophon / Universal)
VÖ. 11.05.2018

www.maxrichtermusic.com

Ab dem 29. Juni ist die Neuauflage auch als Limited Super Deluxe Edition im Buchformat erhältlich – wir verlosen ein Exemplar! Zur Teilnahme am Gewinnspiel liket unsere Facebook-Page und schickt uns dort eine Nachricht! Es gelten die allgemeinen Teilnahmebedingungen.

 

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