TELE – Wir brauchen nichts

[b]
Die schönste Seite der Popmusik – ein rundum perfektes Album.



Zum zweiten Mal veröffentlichen TELE bei Universal ein Album. Der Vorgänger [i]Wovon sollen wir leben[/i] wies die bei Majors recht häufige Diskrepanz zwischen Qualität und Erfolg auf, allerdings ausnahmsweise nicht zu Gunsten des Geldes. Ob [i]Wir brauchen nichts[/i] finanziell erfolgreicher wird, sei mal dahin gestellt, qualitativ haben die Wahlberliner aber nochmal eine Schippe drauf gelegt. Die aufgesogenen Einflüsse sind noch breiter gestreut und auch textlich geht es – man hielt es nach Songs wie ‚Wunder in Briefen‘ und ‚Falschrum‘ kaum für möglich – noch runder zu.

So ist beispielsweise die erste Single ‚Mario‘ die große Kunst des reimenden Srechgesangs. Zusätzlich hämmert sich das markante Pianospiel schon beim ersten Hören im Gedächtnis fest – und fertig ist der Ohrwurm. Für ‚Rio de Janeiro‘ scheinen TELE eine ganze Swing-Band um sich gescharrt, die schicken weißen Anzüge über gestülpt und in einem mit Kronleuchtern behangenen Saal musiziert zu haben. Dabei gibt’s allerlei Ausflüchte zu hören, warum eine Fernbeziehung Berlin-Rio nicht funktionieren kann („Ich wollte Dir schreiben/ Ich hab kein Papier gefunden/ Ich wollte Dich anrufen/ Aber es war falsch verbunden/ Heute morgen bin ich sogar schon nach Tegel gefahren/ Es gab eine Bombendrohung dort und außer mir war niemand da“).

‚Bye bye Berlin‘, eine verkaterte Bestandsaufnahme über das Leben in Berlin – und im speziell im Prenzlauer Berg – ist mit Zeilen wie „Vor zehn Jahren haben hier nur Omis gewohnt – die sind verjagt worden, nur wohin ist nie gesagt worden. Die Möbel hat man behalten, weil sie so schön alt sind…“ der bisher treffendste Song über Berlin, der mir je untergekommen ist. Das Gegenstück dazu ist das eher ruppige ‚F.R.E.I.‘, das die Untiefen der Gutmenschen-Dogmen ihrer Heimat Freiburg zu beschreiben scheint und zum Ausklang auch gleich noch Tiergeräusche zu Kaffeewerbungsentspannungsklängen präsentiert.

[i]Wir brauchen nichts[/i] ist ein Meisterwerk der Popmusik – insbesondere der deutschsprachigen.

TELE
[i]Wir brauchen nichts[/i]
(Vertigo/ Universal)
VÖ: 23.02.2006

www.telemusic.de
www.vertigo.fm
www.universal-music.de
www.add-on-music.de

Autor: [EMAIL=alexander.eckstein@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Alexander Eckstein [/EMAIL]

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