THE DRUMS am 27.02.2010 im Lido


Von Regentagen.



Der beschwerliche Weg in das LIDO ist heute gepflastert mit den Bekundungen eines Ausverkaufs: die günstigen Eintrittspreise gingen Hand in Hand mit der plötzlichen Popularität der New Yorker Band THE DRUMS und resultieren in langen Schlangen und Diskussionen vor dem Eingang.

Die Freude darüber, die Tür letztendlich hinter sich schließen zu können, weicht bei einem Gang auf die Damentoilette jedoch schnell einem anderen Gefühl: zwischen asymmetrischer Glitzerhipness wünscht man sich, zuhause vielleicht doch noch einmal einen Blick in den Spiegel geworfen zu haben. Die Initiierung eines ästhetischen Gesamtkonzeptes, das von THE DRUMS mit betonter Vintagecoolness verkörpert wird, wirkt sich scheinbar auch auf die Gäste ihres Konzertes und deren Glauben aus, dass man der Gruppe alleine durch den Besuch ihres Konzertes schon in nichts mehr nachstehe. Der Lippenstift wird noch einmal aufgetragen, die richtige Hüft-Zigaretten-Pose eingeübt und das Ganze sorgfältig mit Digitalkameras dokumentiert, bevor THE DRUMS schließlich um Mitternacht nach und nach auf der Bühne erscheinen.

Die zwei bis jetzt veröffentlichen EPs (selbstbetitelt und Summertime) zeichnen sich durch das bewusste Überzeichnen einer jugendlichen Strandsommersonne-Sorglosigkeit aus, die in ihrer Vertonung spielerisch-naiver Teenagerträume durch einen eingängigen Powerpop-Retro-Sound besser klingt als manche Bands, die dafür als Vorbild dienten. Verwunderlich ist deswegen, dass die akzentuierte Leichtigkeit, die diese Musik eigentlich auszeichnet, heute einer betonten Schwere weichen muss. Die Stimmübungen, denen Sänger Jonathan Pierce sich ganz offensichtlich ausgesetzt hat, führen zu einer markanten Dekonstruktion des einstigen musikalischen Ausdrucks: stellte man sich die Traurigkeit des Sänger-Ichs bis dato als kurzlebige Intensität bis zum nächsten Strandgang vor, verleiht der neue, Morrissey-artige Gesang ihr einen weitaus stärkeren Nachdruck. Intensiviert wird dieser Eindruck noch von Pierces einstudierter Tanzchoreographie in epileptischer Ian Curtis-Manier: abgehackte Zuckungen zu starrem, ausdruckslosen Blick.

THE DRUMS konstatierten einst, von lediglich zwei Gefühlen zu singen: das des ersten Sommertages, wenn man sich in Gemeinschaft aller Freunde auf der Klippe in Angesicht des Abendrotes mit all seinen Träumen konfrontiert sieht, und das der Einsamkeit, das einen danach im Gang durch den Regen überkommt. Im grieseligen Nebelgrau des Horizonts scheint sich ein kalter Sommer abzuzeichnen.

http://wearethedrums.com
www.myspace.com/thedrumsforever

Autor: [EMAIL=lisa.forster@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Lisa Forster[/EMAIL]

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