The Drums – Portamento

The Drums - Portamento

Etwas müde und abgekämpft sehen die New Yorker Helden auf den Pressefotos aus nach diesem „saddest summer ever“. Die Teufelsmühlen der Musikindustrie zermahlen den Elan jeder jungen Band, die nicht genug auf sich achtet. Gitarrist ADAM KESSLER hielt dem nicht stand, weshalb der dreiteilige Rest nun umdisponieren muss: Sänger JOHNNY PIERCE übernimmt die Drums, JACOB GRAHAM die Synthies und CONNOR HANWICK die Gitarren.

Gleichwohl ist es den Umständen entsprechend noch immer prächtig, was hier entsteht. Sicher ist der Hype verzogen und hat die Chart-Hörer mitgenommen, was verschmerzbar ist. Auf dem unnötig schnell nachgezogenen zweiten Album Portamento ist nämlich einiges zu hören, was nicht mehr auf drei in die Ohren geht. Scheinbar unsicher stellte das Trio das neue Material zur Begutachtung auf seine Homepage.

Das Cover ziert ein interessantes Kindheitsfoto von PIERCE. Der Bub steht unter einem Kruzifix. Der fotografische Rotaugeneffekt gibt ihm etwas Dämonisches, während er sich einen Cookie wie zur Selbstkommunion in den Mund steckt. Vielleicht ein Hinweis auf die Emanzipation von seinem streng religiösen Elternhaus? In Track 1 ‚The Book Of Revelation‘ bekennt er: „I’ve seen the world. And there’s no heaven and there’s no hell.“

Ein dagegen so strahlender Popsong wie ‚Skippin‘ Town‘ ist hier geschrumpft zu ‚What You Were‘, das zwar noch immer jene JOY DIVISION-Gitarren samt Saxophon auf Tempo dreht, aber verhaltener daherkommt. Die jubilierenden Melodien springen einen nicht mehr an, sind vorsichtiger geworden.

Neben nun schon typischen DRUMS-Stücken wie ‚I Don’t Know How To Love‘ sticht der elektronische Dreampopsong ‚Searching For Heaven‘ hervor. PIERCE klingt erschöpft in seiner selbstgefälligen Melancholia. Seine Texte sind konkreter formuliert als zuvor: „What I was searching for cannot be found. We were searching for heaven.“

Dass nicht jede Beziehung in himmlische Ewigkeit führt, ist jetzt erkannt. Deshalb kann die ‚Submarine‘ von der Sommer-EP auch wieder auftauchen. ‚How It Ended‘ spricht von altem Schmerz, der aber überwunden ist: „I don’t know where you run to. I’ll always be right here.“ Mit diesem schönen Gedanken entlassen die drei erwachsener gewordenen Jungs den Hörer nach einer guten Platte.

THE DRUMS
Portamento
(Moshi Moshi Records/Islands Records)
VÖ: 09.09.2011

www.wearethedrums.com

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