THE FRAY am 12.10.2009 im Astra Kulturhaus


„And my own two hands will comfort you tonight, tonight.“



Es wird Winter. Das merkt man daran, dass einem, während man zum Veranstaltungsort tappst, die Finger fast am Ticket festfrieren und sich kleine, weiße Wölkchen vorm Gesicht bauschen. Und das kann man auch daran erkennen, dass die Menschen wieder enger zusammenrücken, sowohl mit als auch ohne dicke Jacken.

Am Montag im Astra boten sich sämtliche, aufgezählten Varianten. Während alle noch geduldig auf den Beginn des Konzerts warteten, gruppierten sich bereits die ersten Pärchen zusammen, und das, obwohl es doch in der Halle selbst eigentlich allein ob der guten Füllung ganz lauschig war. Was ebenfalls auffiel, war der verhältnismäßig hohe Anteil englisch sprechender Besucher, was wohl unter anderem dadurch zu erklären ist, dass THE FRAY in Amerika bei weitem keine unbekannten Gesichter mehr sind und hierher verschlagene Landsmänner und -frauen möglicherweise ein Stückchen Heimat genießen wollten. Dabei schwankt ihr Ansehen selbst dort zwischen hochgelobten Musikern und „Serien-Hintergrundmusik-Beisteuerer“, worin sich aber vermutlich Kritiker, wie auch Liebhaber einig sind, ist die Tatsache, dass die vier aus Denver unverhüllte Schmuselieder produzieren.

Passend dazu, wie auch zum Frost draußen vor der Türe, hatte man als Verstärkung SONDRE LERCHE eingeladen, einen charmanten Norweger, der ganz allein auf der großen Bühne stand und lächelnd, mit einer verblüffenden Mischung aus Schüchtern- und Selbstsicherheit, wahlweise leise Lieder sang oder von sich erzählte.

Als schließlich gegen 22 Uhr Isaac Slade, Joe King, Ben Wysocki und Dave Welsh inklusive Liveverstärkung die Bühne betraten, sah man im Publikum bereits überwiegend glückliche Gesichter, die sich noch weiter erhellten, als die ersten Klänge von ‚Say When‘ ertönten. Vergessen war der graue Alltag, vergessen die Kälte und alles andere – von der Bühne strahlte alles um die Wette. Ausgeleuchtet von einer bombastischen Lichtshow, ergossen sich zarte und kräftige Töne über den Köpfen, sanfte Stücke am Klavier wechselten sich ab mit energiegeladenen am Bühnenrand, Schmerz, Leid und Freude – all das weiß Sänger Slade sowohl mit Stimm- als auch Körpereinsatz zu repräsentieren. So sehr, dass man als nicht-schmusender Beobachter in manchen Momenten fast nicht mehr sicher war, ob es vielleicht schon zu viel des Guten ist, die Dramatik des Sets möglicherweise so einstudiert und vorgeschrieben, wie die Reihenfolge von Titeln und Lichtorgel.

Mit geschlossenen Augen allerdings war man zurück in dieser kleinen Welt, in der THE FRAY einfach nur schöne, herzanrührende – ja, vielleicht auch manchmal schmalzige Lieder schreiben. Und wenn der Kopf der Band zwischendurch schließlich noch mit von seinem freien Tag in Berlin und dem (wohl gescheiterten) Versuch erzählt, den Zoo zu finden, dann verzeiht man ihm letztlich doch die große Show. So tappst man also nach diesem Abend auch wieder nach Hause, die Wölkchen vor dem Gesicht haben sich verdichtet – doch das warme Gefühl ums Herz entschädigt.

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http://www.myspace.com/thefray
www.myspace.com/sondrelerche

Autor: [EMAIL=verena.gistl@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Verena Gistl[/EMAIL]

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