The Mary Onettes – dto.

The Mary Onettes - The Mary Onettes

Das Album springt kurz an und schon ist man mitten im schönsten Indiepop. Eine Stimme wie ein alter Bekannter begrüßt den Hörer. Schillernde Arrangements, klare Melodien wachsen aus dem Boden, wie seit eh und je. Doch es sind nicht die SMITHS und auch nicht THE JESUS & MARY CHAIN. Wer vergleicht seinen Sound in der Promotion nicht schon gern mit eben solchen Größen? Aber in diesem Falle trifft es zu.

Im neuen Indie-Paradies Schweden haben sich THE MARY ONETTES im Jahr 2000 gegründet, 2005 stand die erste EP Make Me Last in den Regalen und zwei Jahre später ist es nun also da, das erste, selbstbetitelte Album beim Indielabel Labrador.
PHILIP und HENRIK EKSTRÖM, SIMON FRANSON sowie PETTER AGUREN geben auf ihrer Website Präferenzen für die guten 80er und frühen 90er zu und versprechen damit tatsächlich Zeitreise pur. So steht man bei ‚Void‘ dann auch wieder unvermittelt im DEPECHE MODE-Beat.

Das episch herandräuende ‚The Laugthter‘ dagegen führt zurück in die klangvolle Ruhe und Abgeschiedenheit der 80er Jahre. Dazu passen die fröstelnden Landschaftsfotos aus dem schön gemachten Booklet. Vor Elektro- und Gitarrenkulissen bauen sich Chöre auf, Glöckchen und Streicher klingen und ein Sänger kann sich kaum fassen. Endlich kann er seinen Gedanken freien Lauf lassen. „Slowly goes my heart“, singt PHILIP EKSTRÖM in ‚Slow‘. Gewiss, darauf kann man stolz sein.
Seine Texte bleiben natürlich bei launigen Charakterstudien. ‚Henry‘ beispielsweise wird dazu aufgefordert, alle Hoffnung aufzugeben und (wahrscheinlich nur sinnbildlich) von der Klippe zu springen. Das ist verständnisvoll, aber kein Mutmacher. Sicher, das Leben ist schwer, aber THE MARY ONETTES folgen dem Motto: Mir ist bang. Auf in die Wälder! Selbstsichere Melancholie sozusagen.

Nach all den Vergleichen bleibt nur die Frage, ob sich die Band mit der erstklassigen Kopie alter Größen zufrieden gibt. Fast unreflektiert erscheinen die Songs, die man schon immer gekannt zu haben glaubt. Wunderbar fällt da ‚Explosions‘ auf, um zu zeigen, dass auch neue und eigene Ideen ins Spiel kommen können. Auch lyrisch wird hier gegengesteuert: Vor totaler Überanstrengung im Leben wird gewarnt („It can make your heart stop“), aber „nobody else taking you thru but you“.

Wer also einen stillen Waldlauf oder eine unendliche Landstraßentour vor sich hat, der packe The Mary Onettes ein.

THE MARY ONETTES
The Mary Onettes
(Labrador Records/ Broken Silence)
VÖ: 22.06.2007

THE MARY ONETTES am 01.09.07 live in Berlin/ Roter Salon

www.themaryonettes.net
www.myspace.com/themaryonettes

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