THE NATIONAL am 06.12.2007 im Postbahnhof


Mr. November im Dezember.



Ihr drittes Album Alligator zählte ja vor zwei Jahren bereits zu den ganz großen Würfen im Indielager, und auch mit ihrem im Mai dieses Jahres veröffentlichten Nachfolger Boxer legte das New Yorker Quintett ein kleines Meisterwerk nach, das die Band, die in diesem Jahr das legendäre Bowery’s Ballroom in ihrer Heimatstadt an fünf Abenden in Folge ausverkaufte, auch hierzulande endlich über den Geheimtippstatus hinaus katapultiert hat.
Über die Jahre stetig eine Spur zugänglicher und dynamischer geworden, überzeugt die Band auch auf dem von Interpol-Produzent Peter Katis betreuten aktuellen Album mit zahlreichen vor großem Songwriting und ebensolchem Gefühl strotzenden Stücken, in denen THE NATIONAL auf faszinierende Weise den brüchigen Indiefolk von Bands wie Wilco oder Modest Mouse mit dem straighteren, postpunkig-dunklen Pop von Interpol kombinieren.

Vor einem guten halben Jahr noch im Magnet Club auf der Bühne zu bewundern, verkauften die New Yorker bei ihrem zweiten 2007er Berlin-Gastspiel nun also den (großen) Postbahnhof mehr oder weniger aus und luden den NATIONAL-Livedebütanten zur Überprüfung all der im Vorfeld zu vernehmenden Vorschusslorbeeren hinsichtlich der überragenden Live-Qualitäten des Quintetts, das natürlich mit seinen Songs insbesondere von Boxer und dem nicht minder brillanten Vorgänger Alligator von vornherein nicht allzu viel falsch machen konnte.
Zunächst noch gefühlvoll-getragen, schließlich aber vehement noisig anschwellend, verwies bereits der mit Unterstützung des sie auf der Tour begleitenden Keyboarders und Violinisten PADMA NEWSOME (der sich an diesem Abend noch so manches Mal als fiebrig fidelnder Teufelsgeiger entpuppen sollte)performte Opener die auch von ihren Alben bekannten zwei Seiten der Band, die sich im Übrigen im weiteren Verlauf hervorragend auf ein gemäßigtes, dennoch stets wuseliges Instrumenten-Hopping zwischen den Songs verstehen sollte und die mit dem im Anschluss an zweiter Position fast ein wenig zu frühzeitig platzierten, noch am ehesten Vergleiche zu Interpol assoziierenden ‚Mistaken For Strangers‘ ein erstes heftiges Ausrufezeichen inkl. freudig integrierten Ausflugs in betont schrill übereinander geschichtete Gitarrengefilde setzte.

Vielleicht ja tatsächlich dem nikolausigen 6. Dezember und überhaupt der Adventszeit Rechnung tragend, legte die überwiegend recht konzentriert agierende Band aber definitiv auch großen Wert auf das andächtige Zelebrieren der ruhigeren, von der tollen Stimme BERNINGERs auch live eindrucksvoll getragenen Stücke wie ‚Fake Empire‘, ‚Secret Meeting‘ oder ‚Start A War‘ und erzeugte so eine stets wunderbar stimmungsvoll austarierte Atmosphäre zwischen Lärm und Wohlklang, was durch die einem riesigen Vorhang ähnelnde lametterartige, mal gleißend hell oder violet angestrahlte Deko im Bühnenhintergrund auch visuell untermalt wurde.

Natürlich beherrschte Frontmann MATT BERNINGER den Gestus des sympathisch- zurückhaltenden, immer etwas versunken wirkenden Frontmanns perfekt, punktete dabei im Vorbeigehen durch Charisma und Authentizität und bedankte sich immer wieder erfrischend verhalten und glaubwürdig für den begeisterten Publikumszuspruch (beispielsweise auch mit einem speziell einer kleinen Fangruppe gewidmeten Song im Zugabenblock, die der Band vorm Konzert offensichtlich ein Geschenk überreicht hatte), um sich anschließend gerne mal mit einem kräftigen Schluck Wein zu stärken.
Von besonders ekstatischen Songs wie dem erwähnten ‚Mistaken For Strangers‘, ‚Apartment Story‘ oder den an Intensität schwerlich zu überbietenden ‚Abel‘ und natürlich ‚Mr. November‘ von Alligator emotional scheinbar besonders aufgerüttelt, zeigte BERNINGER aber auch eine eher selten zutage tretende Seite seiner (Bühnen-) Persönlichkeit, die sich in zu diesen Songs bestens passender zappeliger und vocaltechnisch überschlagender Theatralik äußerte und seiner ohnehin eindringlichen Bühnenpräsenz eine weitere Facette hinzufügte.

Im Zugabenblock wurden THE NATIONAL schließlich bei einem Song von ihrem Buddy HAYDEN unterstützt, der an diesem Abend letztmalig auf der laufenden Tour als Support eröffnet hatte, und den sie schließlich herzlich, aber auch ein wenig wehmütig verabschiedeten.
Insgesamt ein gleichermaßen lautes wie lauschiges Konzert, dem viel Gefühl und gar ein dezent weihnachtlicher Touch innewohnte. Schön!

www.americanmary.com
www.myspace.com/thenational

Foto © Loft Concerts
Autor: [EMAIL=thomas.stern@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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