THE RAIN – Berliner Act des Monats Juli 2008


Von London nach Berlin…



Anlässlich der 2007er Veröffentlichung ihres Albums Involver auf dem britischen Label Manta Ray machten die ursprünglich aus Köln stammenden, inzwischen in Berlin beheimateten THE RAIN Nägel mit Köpfen und verlegten ihr Domizil kurzerhand für ein Jahr nach London. Das vom namhaften Produzenten Teo Miller (Blur, Placebo) betreute, jüngst auch hierzulande endlich erschienene Album sorgte mit seiner von Bands wie Muse oder Placebo beeinflussten, internationalen Standards locker gerecht werdenden dynamischen Melange aus gefühlvoll-melancholischem Indiepop und energischem Britrock bereits ebenso für Aufsehen wie das zur fabelhaften Single ‚Big Lie‘ gedrehte Video mit Topmodel Eva Herzigova.
Kurz vor ihrem Berlin-Gig am 04.07. im NBI bei popmonitor.berlin.live sprachen wir mit Gitarrist/Sänger Lorenz Theuer und Bassist Carlos Bruck u.a. über den Deutschland-Release von Involver, ihre in Großbritannien gemachten Erfahrungen sowie ihre derzeitige Positionierung in der Berliner Musikszene.

popmonitor.berlin: Euer Album Involver erschien bereits im vergangenen Jahr in England und wurde 2006 aufgenommen, wie ist das Gefühl, dass es jetzt in Deutschland in der öffentlichen Wahrnehmung quasi als neues Album erscheint? Gibt es so etwas wie eine neue Euphorie anlässlich der Veröffentlichung oder langweilt es Euch schon ein wenig?

Lorenz Theuer: Wir freuen uns sehr, dass es auch endlich in Deutschland in den Läden steht. Als deutsche Band ist das natürlich von Bedeutung. Allerdings ist es komisch, sich anhand dieses Albums „bewerten“ zu lassen, da wir uns in den letzten zwei Jahren mehr entwickelt haben als in den sechs Jahren davor.

Wie kam es im vergangenen Jahr überhaupt zu der Veröffentlichung auf dem englischen Label Manta Ray?

Lorenz: Unterschrieben haben wir bei Manta Ray ja schon im November 2005. Die hatten uns im April 2005 auf einem Gig in Berlin gesehen, und wir waren seitdem in Kontakt und besprachen, wie man zusammen arbeiten könnte. Unterschrieben haben wir übrigens auf dem Kölner Dom. Dazu gibt’s auch ein Video auf YouTube.

Die Songs auf Involver klingen sehr frisch und druckvoll und sind zudem von hoher Aufnahme-/Produktionsqualität. Welchen Anteil hatte Produzent Teo Miller (Placebo, Blur) am Ergebnis, und wie kam es zur Zusammenarbeit mit einem solch doch recht namhaften Produzenten? Seid ihr selbst mit dem Ergebnis restlos zufrieden?

Lorenz: Beim Sound haben wir Teo freie Bahn gelassen und uns kaum eingemischt, so dass der Sound – wie zu erwarten war – sehr britisch ausgefallen ist, die Songs dagegen sind eigentlich alle so geblieben wie vorher. Die Aufnahmen haben sechs Wochen gedauert, aufgenommen wurde in Brixton (London). Natürlich würden wir jetzt viele Dinge anders machen, aber wir sind mit der Platte schon sehr zufrieden.

Vermutlich habt Ihr in der Zwischenzeit ja auch schon an neuen Songs gearbeitet. Wo würdet Ihr diese in eurem bisherigen Werk einordnen, würdet Ihr von einer bewusst verfolgten Weiterentwicklung sprechen? Handelt es sich bei den jetzt erhältlichen Bonustracks auf Downloadplattformen wie iTunes bereits um neue Songs?

Lorenz: Der Song auf iTunes ist tatsächlich ein neuer. Wir haben ihn ausgewählt, weil er noch sehr gut zum Rest des Albums passte. Nach dem Jahr in London hat es textlich auf alle Fälle eine Weiterentwicklung gegeben, da sich mein Englisch natürlich auch verändert hat. Wir sind gerade dabei, die neue Platte zu schreiben und sind selber sehr gespannt, wie es am Ende klingen wird.



Neben dem festen THE RAIN-Nukleus Lorenz Theuer (Vocals, Gitarre) und Carlos Bruck (Bass) mangelte es in den vergangenen Jahren bzw. in der bisherigen Bandhistorie an den Drums ja an einer gewissen personellen Beständigkeit. Seit wann ist euer derzeitiger Drummer Daniel Schröteler mit an Bord, und betrachtet Ihr ihn jetzt als dauerhafte Lösung, ist er beispielsweise auch beim Songwriting involviert, entstehen Eure Songs generell gemeinschaftlich bzw. wie entstehen sie?

Lorenz: Wir sind im Juli 2007 nach Berlin gekommen und haben Daniel im August kennen gelernt. Bei der ersten Probe hat es sofort gefunkt, und er ist jetzt ein festes Bandmitglied. Das nächste Album werden wir alle zusammen schreiben. Soweit das möglich ist.
Carlos Bruck: Mit Daniel haben wir zum ersten Mal das Gefühl, eine Einheit als Band darzustellen. Und wir haben auch früher schon zusammen an Songs gebastelt, nur haben wir jetzt alle mehr Erfahrung und können viel besser zu dritt Sachen entwickeln, an Songs arbeiten.

Wie kam es zu dem Entschluss, für ein Jahr nach London zu gehen? Welche Erfahrungen habt Ihr in London generell und speziell bei euren Konzerten in England, Schottland und Wales gemacht? Habt Ihr bekanntere britische Acts supportet, vor wie vielen Leuten habt Ihr gespielt, wie war das Feedback auf eine deutsche Band mit betont britischem Sound?

Lorenz: Nach London hat uns unser Label geholt, Anfang 2006. Die sind nun mal dort und der Plan war ja, die Platte in England aufzunehmen und herauszubringen.
Carlos: …und sie wollten, dass wir dort leben, was uns ja auch viel gebracht hat. Nicht nur für die Produktion der CD, sondern generell als Band.
Lorenz: Was die deutsche Band in England angeht: Die meisten haben das gar nicht gemerkt. Natürlich war bei den Ansagen ein Akzent zu vernehmen, den sie aber oft nicht einzuordnen wussten. Wir haben eigentlich nur gute Erfahrungen mit dem englischen Publikum gemacht. Die können schneller mal mitfeiern, auch ohne deine Band gut zu kennen, sehr begeisterungsfähig sind die Briten. Natürlich umgekehrt auch, wenn’s ihnen nicht gefällt. Dann fliegen auch schon mal Plastikbecher auf die Bühne.

Seid ihr – ursprünglich ja aus Köln stammend – direkt nach der Rückkehr aus London nach Berlin gezogen, und wenn ja, aus welchen Gründen? Würdet Ihr euch bereits als Berliner Band bezeichnen, besteht schon Kontakt zu Berliner Bands und Künstlern und wie nehmt Ihr die Berliner Musikszene derzeit wahr?

Lorenz: Wenn man innerhalb von drei Jahren dreimal die Stadt wechselt, fängt man an, das nicht mehr so ernst zu nehmen. Wenn man uns fragt, dann sind wir eine Berliner Band, denn dort sind unser Wohnort und Proberaum. Aber im Grunde sind wir eine Kölner Band, denn da sind wir aufgewachsen. Oder wir sind eine deutsche Band, denn wir sind ja alle Deutsche, aber wir singen halt auf Englisch. Die Frage ist eigentlich nicht richtig zu beantworten. Nach Berlin sind wir gekommen, da wir das Album in Deutschland veröffentlichen wollten und Berlin die Hauptstadt ist und unser Team hier ist. Und die Stadt eigentlich immer gut zu uns war.

Kennt/mögt Ihr beispielsweise einige unserer bisherigen Acts des Monats wie Popular Damage, Bodi Bill, Die Türen, Ter Haar, Leash, Siva, The Aim Of Design Is To Define Space, um nur einige zu nennen?

Carlos: Von diesen Bands kenne ich bislang nur The Aim Of Design Is To Define Space, und die schätze ich. Vor allem das Lied ‚Geboren im Winter‘ finde ich super, auch das Video dazu.



Neben offensichtlichen Britpop/rock-Referenzen zu Bands wie Muse oder Placebo kommen mir bzgl. eures Sounds, Songstruktur und Instrumentierung gelegentlich auch Assoziationen zu den Manic Street Preachers, den Mitte der 90er kurzzeitig gehypten britischen Marion oder gar The Cult zu ihrer Love-Phase Mitte der 80er. Was sagt Ihr dazu, könnt Ihr mit diesen Vergleichen etwas anfangen? Welche Einflüsse würdet Ihr an erster Stelle nennen?

Lorenz: Toll, da sind mal wieder Bands dabei, die ich noch gar nicht kenne. Das find ich immer gut. Da kann man dann immer so genau schauen, was die Leute da wiederfinden. Unsere stärksten Einflüsse sind wohl Radiohead, Nirvana, Police, Placebo und Blur. In letzter Zeit aber kaum mehr Rockbands. Man will ja keinen „Inzest“ betreiben…

Im Video zu ‚Big Lie‘ ist gar Topmodel Eva Herzigova mit von der Partie, wie kam es zu der Idee und wie wurde der Kontakt hergestellt?

Lorenz: Die Idee kam zu uns, und zwar hatten wir das selbe Produktionsteam, eine Firma aus Mailand. Eva hatte ein Video ohne Song und wir ein Song ohne Video. Ihr hat unser Song gefallen und uns die Tatsache an sich, Eva Herzigova im Video zu haben. Das Video ist dann doch auch ganz schön geworden.
Carlos: Eva hat auch Regie geführt, und wir hatten bei dem Dreh, der einen Tag dauerte, sehr viel Spaß. Wie man sich ja vorstellen kann…

Es scheint, dass Ihr generell sehr internetaffin seid und über Eure beiden sehr schönen, umfangreich gestalteten Homepage/myspace-Seiten www.therain.de und www.myspace.com/therainrock einen sehr intensiven Kontakt zu euren Fans sucht und pflegt, d.h. die Möglichkeiten des Internets für Euch als aufstrebende und ambitionierte Band ausschöpfen und nutzen möchtet. Stimmt dieser Eindruck?

Carlos: Danke fürs Kompliment. Meiner Meinung nach braucht man als Band nur noch Myspace. Die eigene Seite haben viele noch (wir ja auch), aber sie hat immer weniger Nutzen. Mit Facebook, Youtube und Myspace hat man als Band alles, was man braucht. Myspace ist ja eine Art Visitenkarte für Bands.
Lorenz: Myspace ist nun mal das beste Promotool, was es je für Bands gab. Du kannst da umsonst so viele Leute ansprechen. Wer das nicht nutzt, ist selber schuld.

Am Freitag, den 04.07. spielt Ihr bei popmonitor.berlin.live in Berlin im NBI (Kulturbrauerei), was können wir da erwarten, werdet Ihr neben Songs von Involver auch einige neue, unbekannte Stücke spielen? Welchen Ansatz verfolgt Ihr generell hinsichtlich der Live-Performance bzw. der Umsetzung der Songs auf der Bühne?

Carlos: Wir spielen auch Tracks, die nicht auf dem Album sind, doch wollen wir natürlich gerade jetzt das Album promoten.
Lorenz: Wir versuchen live, die Direktheit und Ehrlichkeit rüberzubringen, die auf der Platte zu finden ist.

Wie sehen ansonsten die weiteren Pläne für 2008 aus, was erwartet Ihr euch insbesondere von den jetzt anstehenden Auftritten auch auf relativ kleinen Festivals?

Lorenz: Wir werden im Oktober unsere erste eigene Tour spielen und am Ende des Jahres die neue Platte aufnehmen.
Carlos: Die Festivals sind für uns eine Herausforderung. Wir sind eher noch an die Clubs gewöhnt, und dort klingt alles anders: direkter, trockener, intimer… Aber wir haben das Ziel, unsere Energie auch auf großen Bühnen zu transportieren.

Das Album:

THE RAIN
Involver
(Manta Ray / Groove Attack)
VÖ: 20.06.2008

Die Termine:

Freitag, 04.Jul.2008 22:00 //
popmonitor.berlin.live @ NBI (Kulturbrauerei) // Berlin

12.Jul.2008 17:00 //
Fatzo Fagatzo Festival // Nortrup, Niedersachsen
02.Aug.2008 20:00 //
Krach Am Bach // Beelen, Nordrhein-Westfalen
08.Aug.2008 20:00 //
KOMMZ Festival // Aschaffenburg, Bayern
09.Aug.2008 15:00 //
Rüt’N’Rock // Haren-Ems

www.therain.de
www.myspace.com/therainrock

Fotos © The Rain
Autor: [EMAIL=thomas.stern@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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