TOCOTRONIC – The Best of Tocotronic

Bestandsaufnahme, Überblick und Kuriositätenkabinett.



Die Vorweihnachtszeit zeichnet sich ja gemeinhin dadurch aus, dass von jeder dritten Band ein ‚Best Of‘ auf den Markt geworfen wird. Und wenn nicht dieses, dann halt nächstes Jahr. Aber hätte man ernsthaft damit gerechnet, dass sich gerade die moralisch so einwandfreien Vorzeigeschluffis von TOCOTRONIC dereinst diesem Mechanismus unterwerfen würden? War nicht die 10th Anniversary-Sammlung schon genug? Und warum gerade jetzt?

Natürlich, TOCOTRONIC haben über die Jahre schon einen unheimlich hohen Output angesammelt, voller Klassiker, die auf keiner Party und an keinem Lagerfeuer fehlen dürfen. Jeder wird da so seine Favoriten haben, und die hier ausgewählten 21 Songs (plus ein Remix von ‚Pure Vernunft darf niemals siegen‘) sind durchaus repräsentativ. Jede Platte, jede Schaffensphase wird abgedeckt, von ‚Meine Freundin und ihr Freund‘ bis ‚Gegen den Strich‘.

Dazu geben die ausführlichen Liner-Notes Auskunft über jeden Titel, so dass man etwa um die fabelhafte Erkenntnis bereichert wird, das Solo in ‚So jung kommen wir nicht mehr zusammen‘ sei an CRAZY HORSE angelehnt. Das schön dicke Booklet enthält weiterhin etliche Fotos, deren Highlights natürlich die frühen Aufnahmen sind: vom ersten Auftritt im eigenen Proberaum, von Konzertplakaten und sogar Autogrammkarten…

Der für die echten Fans wohl einzig wahre Grund, The Best of Tocotronic zu kaufen, dürfte jedoch die zweite CD sein. Die mit den Raritäten. Angefangen mit einer frühen (unheimlich schnellen) Proberaumversion von ‚Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit‘, die jeder noch so schlechten Amateurband vor allem eines vermitteln sollte: mit ein bisschen Übung wird das besser! Obwohl es auch bei TOCOTRONIC eine ganze Weile gedauert hat. Denn die hier versammelten 21 Aufnahmen, darunter Live-Mitschnitte und Demo-Versionen, werden eigentlich erst ab dem Jahrgang 1996 (‚Wir kommen um uns zu beschweren‘) erträglich.

Ob irgend jemand The Best of Tocotronic wirklich braucht? Die Antwort muss natürlich heißen: Kauft lieber alle Alben dieser vielleicht wichtigsten deutschen Band der letzten zwölf Jahre! Für einen kurzen Überblick über ihr Schaffen reicht The Best of Tocotronic allerdings aus, und das Bonusmaterial ist, wenn auch zwangläufig nicht immer hochqualitativ, doch zumindest interessant und spaßig.

TOCOTRONIC
The Best of Tocotronic
(L’Age d’Or)
VÖ: 18.11.2005

www.tocotronic.de
www.lado.de

Autor: [EMAIL=sebastian.frindte@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Sebastian Frindte [/EMAIL]

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