
Wie aufregend es ist und bleibt, einer Künstlerin bei ihrer Entwicklung zuzusehen! Vor zwei Jahren im Album Empathogen suchte WILLOW nach ihren Wurzeln – ethnisch und musikalisch, ohne ihre Individualität aufzugeben. Jazz-Rock und Indie-Folk gingen hier Hand in Hand. Genau hier will sie sich jetzt wohl festlegen.
Als geistiger Mentor spricht der 85jährige GEORGE CLINTON (PARLIAMENT-FUNKADELIC) das Vorwort zum neuen Output ein. Was folgt, sind elf Versuche von meist zwei Minuten, angefangen bei „Vegetation“, eine nujazzige Mischung aus Adlibs, Vocals, Percussions und Klaviergeklimper. Selbst für eine noisige Gitarre ist noch Zeit. Es geht also jazzrockig weiter, wofür in diesem Fall Weltstar-Producer Jon Batiste sorgt.
„Hear Me Out“ steht für den faszinierenden neuen Weg Willows: Chorgesang wie bei DESTINY’S CHILD in einem Progressive Pop, der sich gewaschen hat. Das kann afrikanisch klingen, meist aber eben afroamerikanisch. Es geht um das Gehalten-Werden in der Freundschaft, Familie und Community, wie auch das Albumcover-Artwork verdeutlicht. Für „Play“ singt sie so lange mit sich selbst, bis in einem QUEEN-artigen Opern-Bruch das Saxophon von KAMISI WASHINGTON (WEST COAST GET DOWN) dazukommt. Diese prominente Größe erkennt offenbar Willows Potential, genau wie das World-Beat-Projekt TUNE-YARDS („Omnipotent“). Sie fördern Willow dabei, sich hier auszuprobieren. Geld muss sie damit sicher nicht verdienen.
Aber natürlich schwärmt Willow auch wieder in Lovesongs. „Not A Fantasy“ ist ein relativ konventioneller Jazzpop und „Nothing And Everything“ ein magischer Singer-Songwriter. Das PRINCE-Cover „I Would Die 4 U“ ist dann wieder eine BECK-mäßig verschrobene Form solcher Titel. Cool ist auch, wie Willow in „Holy Mystery“ das weibliche Begehren mit schamanistischer Symbolik auflädt. Der afrikanische Paganismus wird postmodern individualisiert.
Als Rahmen greift Willow in „Ear To The Cocoon“ Clintons Poem vom Anfang wieder auf. Sie antwortet mit Nu-Jazz und Queen-Gesang. Experimentierfreudig war sie schon immer. Doch noch nie so stark dabei!
Willow
Petal Rock Black
(Three Six Zero/Gamma)
VÖ: 17.02.2026