
Producer WYS bleibt umtriebig. Im vergangenen Jahr probierte er sich im Indiepop aus und produzierte einen Soundtrack. Auch die 50 unveröffentlichten B-Seiten aus seiner Lofi-Zeit warf er im Februar auf den Markt (Bedroom). Offensichtlich wollte er den Kopf freikriegen. Das vorliegende rein instrumentale Album ist nach seiner Aussage von japanischen und koreanischen Krimis inspiriert. Tatsächlich schließt er sich hier dem Vaporwave-Trend an.
„Moon Reflection“ beginnt mit klopfenden Beats, die an asiatischen Lofi-HipHop erinnern. Dann bauen sich Synthieflächen auf, die in den Vaporwave führen. Nach Gestöhne kommt etwa vier Minuten später die 80s-E-Gitarre zum Solo-Einsatz. Auch in „Midnight Fog“ wird auf verlorener Lounge-Musik an der Gitarre gejammt. Eine richtige Gitarrenmelodie wird in „Serpentine“ hart angeschlagen.
Dass Wys Stücke durchkomponieren kann, zeigt er auf dem pianogetragenen „Central Tokyo“. Wirklich bedrohlich oder düster wie etwa beim Kollegen JCHAN – passend zu Detektivgeschichten – wird es jedoch nie. „Picture Of A Faceless Man“ wirkt da eher traurig.
Nur mit „The Kid In The Cornfield“ kehrt die leicht jazzy und sonnendurchflutete Atmosphäre früherer Alben zurück. Diese steht im harten Kontrast zu solchem Citypop wie bei „Bad Bad City“. Der Gute bietet sich hier wohl als Producer für Hotellounges an.
WYS
A World Gone Wrong
(Selbstvertrieb)
VÖ: 06.04.25