20 Jahre New Rock Revolution

Vor genau 20 Jahren erschien durch den britischen New Musical Express eine Compilation, deren großspuriger Titel The New Rock Revolution lautete. Der Titel war schlecht gewählt, denn das Phänomen, das er beschrieb, war keineswegs revolutionär neu. Das „Post-Punk Revival“, „Garage Rock Revival“ oder auch „die zweite Indiewelle“ war eben eine Bewegung, die lediglich bekannte Sounds der 60er und 70er aktualisierte. Es war somit eine Retro-Reaktion auf das Auslaufen des Nu Metal und die schleichende Machtübernahme durch den HipHop.

Die neue Welle von Post-Punk-, Garage- und Indierockbands der Jahrtausendwende lässt sich im Nachhinein also als ein Beharren der Boomer und Millenials auf alternativen Rock beschreiben. Oder war dies die Aneignung des einstigen Unterschichtsrocks durch die Mittelschicht? Schlanke Jungs in 50s- und 60s-Outfits mit schrägen, halblangen Haaren sowie punkige Rockladies waren ihre Akteure. Ende der 90er formierte sich dieses Feld, das dann 2001 ausbrach, mit legendären Alben wie Is This It von THE STROKES, White Blood Cells von THE WHITE STRIPES und dem Debüt des BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB. Die Bewegung schwappte von Großbritannien und USA über Europa herein und riss auch die hiesige Rockszene mit. In ihrer Hochphase gründete sich 2005 unser Magazin Bands in Berlin bzw. ab 2007 Popmonitor, um sie abzubilden.

Doch was war 2002 auf der richtungsgebenden Compilation zu hören? Den Auftakt bildete der archetypischer Indierocker „Boys In The Band“ von THE LIBERTINES. Er stammte von ihrem Debüt Up The Bracket, das übrigens am 21. Oktober zu seinem 20. Jubiläum neu verlegt wurde.

Es folgte „Miles Away“ vom Mini Album (2003) der YEAH YEAH YEAHS. Auch „Baby’s cryin'“ von THE VON BONDIES zeigt, dass hier durchaus auch rockende Damen dazugehörten.

Das krachige, 60s-geschwängerte Garagenformat von Bands wie THE BEATINGS („What You Say“), THE DATSUNS („Little Bruise“), THE D4 („Get Loose“), RADIO4 („New Disco“) und THE MUSIC („Jag Tune“) ebnete den Weg für Gewinner wie MANDO DIAO und dem besagten BRMC, der jedoch mit „Waiting Here“ bereits auf seinem Americana-Trip war. Man wollte weg von hiphopisierter Eintönigkeit, zurück zu wild-punkigen Rhythmen, natürlichen Drums und schroffen Stimmen.

Und dann tauchen natürlich auch Post-Punk-Bands mit E-Drums auf wie IKARA COLT („At The Lodge“) und INTERPOL („Specialist“), deren Tradition nach dem abrupten Ende von JOY DIVISION 1980 weitgehend gebrochen war.

Einen vielleicht langfristigeren Einfluss könnte man mit dem Indiepop von THE THRILLS („Santa Cruz (You’re Not That Far)“ feststellen. Was sich weniger durchsetzte, waren psychodelische Einflüsse wie bei THE COOPER TEMPLE CLAUSE („Amber“) oder BURNING BRIDES („See You Empty“).

Zu hören ist übrigens auch „Time Travel“ vom Debüt von THE CORAL (ebenfalls 2002). Diese stellten fest: „Time travel will be the death of man“, was von heute betrachtet, wie ein Warnung klingt. Angeblich verfing sich doch damals die Popmusik in der Retromanie. In den 2000ern waren es vor allem die 60s, in den 2010ern bis heute sind es die 80s, die Musiker und Fans nicht ablegen können. Entsprechend wird es Zeit für eine wirkliche Revolution eines neuen Rocks.

 

Various
The New Rock Revolution. 15 Tracks of fuzzed-up Mayhem
(New Musical Express)
VÖ: 23.11.2002

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