Alice Cooper – Paranormal

Gut ein halbes Jahr vor seinem 70. Geburtstag bringt der selbsternannte Prince of Darkness nun sein mittlerweile 27. Album heraus. Für alle Fans von ALICE COPPER müssen die sechs Jahre, die seit der letzten Veröffentlichung des Gruselrockers vergangen sind, eine harte und entbehrungsreiche Zeit gewesen sein. Dafür bekommen sie jetzt mit Paranormal ein Doppelalbum präsentiert, das einmal mehr beweist, warum sich Cooper seit nunmehr 48 (!) Jahren im Rockgeschäft zu behaupten weiß.

Auf der ersten CD befinden sich zehn neue Songs, die Cooper, wie in alten Zeiten, mit einer Mischung aus hervorragenden Studiomusikern und illusteren Gaststars eingespielt hat. Im titelgebenden „Paranormal“, das zwischen gezupften Akustikparts und hymnischen Glam-Metal Hooks changiert, sorgt beispielsweise ROGER GLOVER (DEEP PURPLE) am Bass für den nötigen Druck, während ZZ-TOPs BILLIE GIBBONS seinen unverwechselbaren Shuffle zum Song „Fallen In Love“ beisteuert. Für alle Songs des ersten Albums saß außerdem LARRY MULLEN JR. Von U2 an den Drums.

ALICE COPPER bietet auf Paranormal erstklassige Hardrock-Unterhaltung, die sowohl seinem abwechslungsreichen Gesang als auch dem ein oder anderen Gitarrensolo Raum bietet. Dabei setzt er auf altbewährte Sound-Zutaten von AC/DC („Private Public Breakdown“) bis Jimi Hendrix („Dead Flies“). Bisweilen sind die Songs garniert mit Bläsern („Holy Water“) oder Orgel (in der obligatorischen Power-Rock-Ballade „The Sound of A“). Die erste Single „Paranoiac Personality“ wartet außerdem mit einer Hommage an Pink Floyd auf, um sich wenig später in einen astreinen Rock-Stampfer zu verwandeln. Zu alledem trägt Cooper seine schrägen Texte zwischen Depression und Horror-Fantasie mit Rock-Attitüde und Augenzwinkern vor, wie man es seit jeher von ihm gewohnt ist.

CD 2 beinhaltet zwei weitere Erstveröffentlichungen, die Cooper mit der Originalbesetzung seiner ALICE COOPER BAND eingespielt hat und die gegenüber den Songs der ersten Hälfte des Doppelalbums deutlich klassischer klingen – wäre Alice Cooper nicht schon in den Siebzigern aktiv gewesen, müsste man den Sound wohl „retro“ nennen. Insbesondere der Song „Genuine American Girl“ ist Alice Cooper at his best! Dieser spielt zum einen mit der Thematik der Travestie (Rocky Horror Show, anyone?), indem er komplett aus einer weiblichen Perspektive geschrieben ist, und verbindet zum anderen wunderschöne mehrstimmige Gesangsarrangements mit dreckigen Garage-Rock-Riffs. Die sechs restlichen Songs sind Live-Aufnahmen bedeutender Cooper-Hits wie „No more Mr. Nice Guy“, „Feed My Frankenstein“ oder „School’s Out“, die durchweg frisch klingen.

Alles in allem bietet Paranormal etwas für jeden, der je etwas für ALICE COOPER übrig hatte, ohne dafür Kompromisse eingehen zu müssen. Auf erfrischende Weise zielen dabei weder Songwriting noch Präsentation auf aktuelle Trends, sondern besinnen sich auf Coopers bekannte Stärken: Rock ’n‘ Roll und Entertainment. Wenn doch nur alle Rockstars so gut in Würde altern würden!

ALICE COOPER
Paranormal
(Earmusic / Edel)
VÖ: 28.07.2017

www.alicecooper.com

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