AMEN – Death Before Musick

Halleluja – gelobt sei der Herr!

Nach und während des Genusses der neuen AMEN-Scheibe bekommt man unweigerlich das Verlangen, die alte Spitzhacke aus dem Keller zu holen, den Potsdamer Platz heim zu suchen und ihn wie ein wild gewordener Jesus Christus im Großtempel des Kapitalismus zu schänden und dem Erdboden gleich zu machen. Und ihn wieder sichtbar in das zu verwandeln, was er vor 15 Jahren war. Und eigentlich heute noch ist – ein Haufen staubiges/aufgeblasenes Nichts. …aber das würden wir nie tun! Warum? Weil es Bands wie AMEN gibt, die uns in unseren gemütlichen Wohnzimmern die Chance geben, unseren gesellschaftlichen Frust akustisch zu absorbieren – ohne gleich straffällig zu werden (was Herr Beckstein (bayr. Innenminister – Anm d. Red.) nie kapieren wird).

Nachdem sich AMEN schon auf ihrem 99er Debutalbum als Propheten des 11.09.01 mit dem Opener ‚Coma America‘ und der Textzeile „this is for america – burning at the seas“ hervortaten, um auf der „Clear channel list of songs with questionable lyrics“ der americanischen Radiostationen zu landen, hat sich anno 2004 und Album 3 an ihrer Kritik einer Gesellschaft voller machtgeiler Egomanen (die sie am liebsten mit ihren eigenen „Mont Blanc“ – Füllfederhaltern erstechen würden, um mit deren Blut die Texte für Album 4 zu schreiben) mit zu kleinem Genital aber dafür zu großem Sportwagen wenig bis gar nichts geändert.

Geändert hat sich allerdings ihr Label. Und mehr Zuhause als beim neu gegründeten Ableger von SYSTEM OF A DOWNs-Vordenker Daron Malakian dürften sie sich wohl nie gefühlt haben – was man auf Death Before Musick eindrucksvoll um die Ohren gehauen bekommt.
AMEN schließen endlich die Lücke, die die DEAD KENNEDYS und BLAG FLAG schon vor Dekaden hinterlassen haben und trösten sogar über den Verlust von RAGE AGAINST THE MACHINE hinweg.

Chasey Chaos (der sich bei Livegigs gerne mal selbst ausknockt, um diese dann aber trotzdem pflichtbewusst zu Ende zu bringen) und sein christlicher Verein junger Männer führen mit ihren drei Minuten Hardcore/Punk-Krachern aggressive Musik wieder dorthin zurück, wo sie hingehört: in die Hinterhöfe der politisch interessierten, heimatlosen Extrovertierten mit komplexen Musikgeschmack und gut sortiertem Werkzeugkasten.
Deren Wort in Gottes Ohr! … Amen

AMEN
Death Before Musick
(Columia / Sony)
veröffentlicht

AMEN spielen am 27.04 im Magnet.

http://www.comaamerica.com
http://www.verstaerker.com

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