ANNE CLARK am 26.11.2006 im K17


Our Clarkness…

Zum dritten Mal in Folge stand ANNE CLARK an diesem Sonntag im gut, aber nicht restlos gefüllten K17 auf der Bühne, um nach längerer Live-Abstinenz im Rahmen ihrer „Wood, Wires & Words Tour“ ein in Alter und Outfit wunderbar buntes Berliner Publikum zu beglücken. Mit dabei hatte sie wiederum ihre in allen Belangen herausragende Liveband, die neben Jeff Aug (Gitarrist), Niko Lai (Drums & Percussion), Murat Parlak (Piano) und Jann Michael Engel (Cello) mit dem Electro-Punk Rainer von Vielen am Heimcomputer und an diversen Soundmaschinen sowie Synthesizern ein neues Bandmitglied aufwies.



ANNE CLARK eröffnete diesen Abend mit einer fantastischen neuen Version ihres Klassikers ‚Killing Time‘ vom 1984er Album Joined Up Writing, gefolgt von einer ebenso umwerfenden Neuinterpretation von ‚The Healing‘ (To Love And Be Loved, 1995). Überhaupt, die Fans gierten förmlich nach „Anne wired“, war sie doch die letzten Jahre fast ausschließlich mit ihrem akustischen Live-Set unterwegs. Dennoch – und der Name der Tour verriet es ja schon – war die Titelfolge ein Querschnitt aus den letzten reichlich 20 Jahren des gleichsam großartigen wie abwechslungsreichen musikalischen Schaffens von ANNE CLARK. Ihre technoiden Wave-Songs rangierten an diesem Abend völlig gleichberechtigt neben späteren elektronischen Stücken aus den 90ern, den Interpretationen der Rilke-Gedichte vom 1998er Longplayer Just After Sunset und völlig neuen Liedern aus dem kommenden Album, welches für 2007 angekündigt ist.

Ob Synthiepop, Electro oder Neofolk – ANNE CLARK und Band bestimmten das Tempo. Das Publikum ging ausnahmslos mit. Murat Parlak ist ein begnadeter Pianist, dessen Fähigkeiten wortwörtlich unbeschreiblich sind. Jeff Aug verschmilzt förmlich mit seiner Gitarre; Jann Michael Engel am Cello ist der Inbegriff von Liebe zur Musik. Niko Lais Fingerfertigkeit und Rhythmusgefühl am Schlagzeug ist fast körperlich spürbar. Dazwischen streut Rainer von Vielen Klanggalaxien aus seinem Laptop ein. Dazu ANNE CLARK mit ihrem unnachahmlichen Sprechgesang, gewohnt introvertiert, dennoch voller Wärme und Gefühl.



Nach einer furiosen Version ihres wohl größten Hits ‚Sleeper In Metropolis‘ (Changing Places, 1983) genehmigte sich ANNE CLARK eine kurze Pause, um Rainer von Vielen, dem Einmannprojekt, welches nach eigener Aussage „Beat und Groove und Aiaiai!“ zum Besten gibt, die Bühne zu überlassen. In der Tat variierte er den Sound minutenlang ausschließlich mit seiner Stimme und einigen Effekten; dann wiederum rappte er großartig zu ‚Die Wahrheit ist ein Virus‘. Ein extrem kurzweiliger Break, musikalisch interessant dazu. Der zweite Teil der Pause gehörte Murat Parlak am Piano und Niko Lai an Drums & Percussion mit einer Improvisation, einer Art Free Jazz, der durch die unglaubliche Schnelligkeit Parlaks, durch seine nahezu mörderischen Tastenanschlägen und aufgrund seiner Entertainerqualitäten dem Publikum die Münder offen stehen ließ und zu spontanen Applausbekundungen führte.

Nach einer reichlichen halben Stunde kehrte ANNE CLARK auf die Bühne zurück, diesmal mit einem neuen Song (‚Psalm‘), und angesichts weiterer bisher unbekannter Stücke ist die Vorfreude auf ihr neues Studioalbum mittlerweile riesengroß. Nach knapp zwei Stunden Spielzeit forderte das Publikum zwei weitere Zugaben ein, die in ein wahrlich großartiges Finale mündeten: drei Musikanten der Mittelalter-Kapelle CULTUS FEROX spielten die Cello-Parts von ‚I Of The Storm‘ (The Law Is An Anagram Of Wealth, 1993) auf ihren Dudelsäcken. Dass es nunmehr (ganz besonders) im K17 kein Halten mehr gab, versteht sich fast von selbst. Mit diesem extravaganten Gastspiel endete dann ein brillantes Konzert einer noch immer einzigartigen Künstlerin mit einer hinreißenden Liveband.



www.anneclark.com
www.jeffaug.com
www.vonvielen.de
www.murat-parlak.de
www.k17.de

Fotos: © Jana Schuricht
Autor: [EMAIL=jana.schuricht@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Jana Schuricht[/EMAIL]

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