APPARATSCHIK – Aurora

APPARATSCHIK spielen russische VolXmusik …

… oder dann doch nur Volksmusik. Wie ein X ein Wort doch aufwerten kann und dann doch zur Enttäuschung führt. Wie habe ich mich nach BUCOVINA und der neuen FIREWATER gefreut, als meine geschätzte Kollegin meinte, es wäre da was Russisches rein gekommen, und dass das doch was für mich wäre. Gesagt getan, und nach einigen dispositionellen Ungereimtheiten lief dann auch das Zweitwerk der (Deutsch?) Russen alsbald bei mir im Silberling-Laser-Abtast-Rotations-Gerät (kommunistische Bezeichnung für CD-Player). Und wie es nun mal ist, wenn man die Erwartungen ganz hoch ansetzt, folgt der freie Fall der Enttäuschung, der meist auf dem Boden der Tatsachen endet.

Hier die Tatsachen: Drei Jahre nach Ende der Sowjetunion brachten APPARATSCHIK ihr selbstbetiteltes Erstwerk heraus und es hat nur 10 Jahre gedauert, bis die eingebürgerten Berliner ihr Zweitwerk auf alle Austauschrussen in der Großstadt losließen. Ich habe mir sagen lassen, dass dies im sozialistischen Fabrikationsablauf gar keine so schlechte Spanne ist. Die Zielgruppe von APPARATSCHIK dürfte sich auch auf diese Bevölkerungsgruppe und diejenigen Hippen beschränken, die die RUSSENDISKO im Kaffee Burger regelmäßig besuchen. Denn die Herren von APPARATSCHIK haben es auf Aurora eindeutig verpasst, ihrer Definition von VolXmusik einen eigenen Stempel aufzudrücken, denn das, was dort stattfindet, hört sich für das ungeübte Westblockohr in den meisten Fällen ein ganzes Stück zuviel nach klassischer Folklore an. Auch wenn Oljég Matrosov (Vocals, Balalaika, E-Gitarre) Reiner Sabaschkin (Bass, backvocals) Jurij Bajan (Akkordeon) Desto Trozki (Drums) Zobel Matrosov (Violine, backvocals) mit ihren gar wunderbar klingenden Namen diverse elektronisch verstärkte Instrumente bemühen, knallt Aurora zu keiner Zeit richtig aus den Boxen, und viele kleine Hoffnungen dümpeln sich schnell zu Tode. Mehr als ein Schmunzeln, eine leichte Lust auf Wodka und die Hoffnung, mir ein paar Freunde bei einer potenziellen russischen Besatzung zu machen, kann dieses Album bei mir leider nicht hervorrufen.
Wenn man wenigstens mitsingen könnte … aber da ich im Westen meine Schulpflicht pflegte, kann ich das auch nicht … Es liegt wohl an mir. Schade.


APPARATSCHIK
Aurora
(apparatschik/samaljot berlin)
veröffentlicht

http://www.apparatschik.com

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