ARCHITECTURE IN HELSINKI – Places Like This


„Like It Or Not“…


… so heißt der sechste Song des Albums und genau das trifft auch auf selbiges zu. Wer an ausgefallener Musik, experimentellen Klängen und musikalischer Ausgelassenheit, die schon fast an Wahnsinn grenzt, Spaß hat – der wird mit Places Like This von ARCHITECTURE IN HELSINKI bestens bedient.

Places Like This ist das mittlerweile dritte Album der sympathisch-durchgeknallten Twee-Pop Band aus Down Under. 1990 gründete sich AIH aus einer Schülerband namens The Pixel Mittens in einer australischen Kleinstadt. Nach der Provinzflucht nach Melbourne wurden aus drei Musikern acht, AIH war geboren. Mittlerweile musiziert der bunt zusammen gewürfelte Trupp nur mehr zu sechst, was der musikalischen Vielfalt aber keinerlei Abbruch tut. Da wird alles aufgefahren, was ein normal Sterblicher sich in Bezug auf Musik und Instrumente nur vorstellen kann. In ‚Red Turned Whit‘ bimmelt eine Kuhglocke, eine Steeldrum sorgt in ‚Heart It Races‘ für den Beat, das Ganze wird mit exotischen Calypso-Rhythmen vermischt, sphärische Klänge, Chor- und Sprechgesänge runden das Ganze ab. ‚Hold Music‘ gehört zu den Highlights, Bläser und Synthie-Effekte wechseln sich ab, währenddessen liefern sich Kellie Sutherland und Cameron ein regelrechtes Gesangsduell. Musikalische Grenzen? Für AIH kein Thema.

Im Gegensatz zu der Vorgängerscheibe In Case We Die tummeln sich auf dem aktuellen Album mehr elektronische Einspieler, was der poppigen Grundstimmung allerdings nur zugute kommt. Rhythmus wird auf Places Like This auch ganz groß geschrieben, das kommt wiederum der Tanztauglichkeit zugute. Der karibische Flair lässt sich mit der neuen Heimat von Songschreiber und Sänger Cameron Bird erklären. Den verschlug es vor gar nicht allzu langer Zeit nach New York, nach Williamsburg, um genau zu sein. Ein Meltingpot par excellence, in dem viele Einwanderer aus Puerto Rico und der Dominikanischen Republik leben. Da ist Dauerrhythmus und Beschallung an jeder Straßenecke angesagt – klar, das beschleunigt natürlich auch den Herzschlag dementsprechend.
Der Rest der Band ist jedoch in Melbourne geblieben, und so ist Places Like This über eine Entfernung von Tausenden von Kilometern entstanden. Die Stücke entstanden in regem E-Mail-Austausch und wurden, im Anschluss an eine ausgedehnte Amerika-Tour, in nur zwölf Tagen im Studio eingespielt. Eine reife Leistung, keine Frage.

Leider verliert das Album nach und nach an Schwung, die Songs wirken ab der Hälfte der Spieldauer irgendwie angestrengt, die Ausgelassenheit und anfängliche Frische bleibt auf der Strecke. Dafür haut das letzte Stück ‚Same Old Innocence‘ noch mal richtig rein und rüttelt den möglicherweise in Lethargie gefallenen Hörer wieder ordentlich wach. Der ist am Ende erleichtert, das Album überstanden zu haben – ein derartiger Musik-Flash ist eben doch ziemlich anstrengend.

Fazit: Die Experimentierfreude, mit der die australische Combo ans Werk geht, könnte man durchaus als schamlos bezeichnen. Die Scheibe verlangt dem geneigten Hörer doch so einiges ab: Von grenzenloser Toleranz über Durchhaltevermögen bis hin zur Sprachlosigkeit. Eines ist dabei garantiert: Die Neugierde auf das nächste Stück stellt sich von ganz alleine ein.

ARCHITECTURE IN HELSINKI
Places Like This
(V2 Records/ Universal)
VÖ: 10.08.2007

ARCHITECTURE IN HELSINKI am 20.09. live beim Popkomm-Abend von City Slang und Cooperative Music im Postbahnhof (mit STARS, MENOMENA, MALAJUBE, CARIBOU + GENTLEMAN REG)

www.architectureinhelsinki.com
www.myspace.com/aihmusic
www.v2records.de

Autor: [EMAIL=susanne.lang@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Susanne Lang[/EMAIL]

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