Archive – Glass Minds

ARCHIVE – das ist die Überband des TripHops mit epischen Alben voller seltsamer Soundlandschaften mit Tiefgang. Das letzte Album Call To Arms And Angels ist schon wieder vier Jahre alt und es ist soweit, mal wieder die Fans zum Ausrasten zu bringen.

Schon allein der Introtrack „Broken Bits“ hat mit knapp sieben Minuten Überlänge und ist von fünf Komponisten geschrieben. Gruselig steigen Sirenen und Bläser von der Ferne in die Höhe, bevor ein Synthiebeat einsetzt. Dieser wird mit Noise und Schreien gesteigert und pumpt so ausladend, dass die Erwartungen hoch sind. Das Titelstück beginnt dann mit harten Pianotasten und Drums, die auf einer Glasfläche einzuhämmern scheinen. LISA MOTTRAM beginnt einen tragischen, kratzigen Gesang mit weirdem Inhalt: „You lose yourself in a place like this. There’s blood on the floor, the walls, the TV.“ Erwartung erfüllt.

Im gemächlichen Piano-getragenen „Patterns“ formuliert Sänger DAVE PEN das resignierende Credo Salomos: „There’s nothing new under the sun. Everything already been lost or won.“ und die „Nichts ist für immer“-Ideologie. Die Auflösung von Piano in Elektronik und Chöre erinnert sehr an RADIOHEAD, erst recht wenn Pen zwischendurch auch die E-Gitarre rausholt. Für den Elektropop „When You’re This Down“ darf übrigens auch mal Kollege POLLARD BERRIER ans Mikro. Sein Pianotrack „City Walls“ ist besonders betrübt.

„Look At Us“ ist ein Art-Rock-Song, der eine recht unangenehme Stimmung hervorruft. Ist es die stoische Gitarre oder Mottrams bittere Stimme? Dazu gehört das erste von mehreren hyper- und surrealistischen Musikvideos, bei denen unklar bleibt, was hier die KI und was ein Filmteam produziert hat oder inwiefern hier tatsächlich eine geschlossene Bildgeschichte erzählt wird.

In „So Far From Losing You“ singen Mottram und Berrier zusammen. Der Track nimmt genau wie die Musikvideos den Trend des Liminalcore aus dem Netz auf. Um die Songs auf fünf bis acht Minuten zu strecken, baut die Band zu Ende, wie gehabt, ausgedehnte Wall of Sounds auf. „Wake Up Strange“ hat durchaus auch Eingängigkeit zu bieten.

Inhaltlich wird die um sich greifende Vereinzelung, Verrohung und Verzweiflung der Bevölkerung als Warnung immer wieder neu vorgetragen. In dieser Situation greift die religiöse Erlösung im Krieg („Shine Out Power“). Rapper JIMMY COLLINS buchstabiert dieses Leben im Falschen dann in „Heads Are Gonna Roll“ aus. Glass Minds ist vielleicht eines der ruhigeren Archive-Alben. Druck und tiefe Traurigkeit sind dennoch zur Genüge vorhanden. Das ist beunruhigend gut.

 

ARCHIVE
Glass Minds
(Dangervisit)
VÖ: 27.02.2026

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09.04.26, Hamburg, Docks

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