ASTRA KID + DELBO am 22.10.04 im Waschhaus Potsdam

Ein Abend in der Indie-Diskothek: ASTRA KID und DELBO deutschpoprockten das Waschhaus.

Das Waschhaus ist mit ca. 120 Leuten zwar nicht voll, aber doch ganz gut besucht – zumal Astra Kid später erzählen werden, dass sie vor etwas mehr als einem Jahr an gleicher Stelle vor lediglich 8 Leuten gespielt haben. Das Publikum dürfte im Schnitt Anfang Zwanzig sein und sieht stark nach Immergut und Populario aus.
Mit etwas Verspätung beginnt der deutschsprachig poprockige Abend um 21:45 Uhr mit dem Auftritt von DELBO. Die 3 Berliner, DANIEL SPINDLER, FLORIAN LÜNING und TOBIAS SIEBERT beginnen ihr 45-minütiges Set mit ‚pinkie ponkie‘, das auch ihr aktuelles Album innen/außen eröffnet. Das live etwas verlängerte Intro zum Song baut gleich zu Beginn die Spannung auf, die das gesamte Konzert über präsent bleibt.

Die ersten Reihen lassen sich von der Energie der Band recht schnell zu Leibesübungen bewegen, wobei die Füße den Bodenkontakt nicht verlieren. In den hinteren Reihen begnügt man sich eher mit rhythmischem Kopfnicken. Als nächstes folgen ’sniffty‘ und das großartige ’19er bitte‘. In den Pausen zwischen den Liedern wird nicht allzu viel geredet, DELBO lassen lieber ihre Musik sprechen – eine kraftvolle und sehr kreative Sprache ist das. Während sich andere deutschsprachige Bands meist vor komplizierten Songstrukturen scheuen, spielen DELBO mit der Dramaturgie ihrer Songs. Mal laut, mal leise; mal schnell, mal langsam – aber nie langweilig.
Die mal gesprochenen, mal gesungenen Texte werden von Bass, Gitarre und Schlagzeug, sowie einem ebenfalls vom Schlagzeuger bedienten Keyboard, begleitet. Die Stimmung im Publikum ist auch in der Folge gut, aber nicht euphorisch.
Als vorletzter Song ihres Sets spielen sie mit ‚rakete‘ einen Song, der in Indie-Kreisen in diesem Jahr zu einem regelrechten Hit wurde. Auf den meisten kleineren deutschen Festivals wurden die Pausen mit diesem Song verkürzt und der Refrain („Ja wer lacht denn dort vor dem Fenster? Und wer lacht denn dort hinter dem Fenster?“) wurde – ich hab’s genau gesehen – häufig auch mitgesungen.
Nach dem letzten Song ’sei bewegt‘ will das Publikum aber doch noch nicht genug gehört haben und bittet um Zugabe. DELBO tun ihnen diesen gefallen und spielen zum Abschied noch ‚werkzeugin‘, einen der ersten Songs der DELBO-Geschichte vom Album holt boerge!.

Nach 15-minütiger Umbaupause betreten ASTRA KID die Bühne. In den ersten Reihen versammeln sich recht schnell die weiblichen Besucher, die auch sofort ganz passabel abgehen. Die allein gelassenen Männer stehen jetzt kopfnickend einige Reihen weiter hinten. Ein schönes Bild.
Die vier Herren von ASTRA KID tragen einheitlich helle Oberteile, was im Zusammenspiel mit dem eben erwähnten Geschlechterphänomen ein wenig an Boygroups erinnert. Ganz so ist es dann aber doch nicht. ASTRA KID spielen ihre Instrumente – Bass, Schlagzeug und 2 x Gitarre – selber, und zwar gut.
In punkto Lautstärke und Kreativität reichen sie zwar nicht an DELBO heran, können das aber, zumindest für das Publikum, mit Humor wettmachen. Keine Ansage und kaum ein Text wird ohne Gag dargeboten – ein Konzept, mit dem auch die SPORTFREUNDE STILLER recht erfolgreich sind.

ASTRA KID spielen Lieder von ihren beiden bisherigen Alben Planet der Affen und Müde, Ratlos, Ungekämmt. Natürlich fehlen auch die Publikumshits ‚Parken in Münster‘, ‚Schwarzfahren‘ und ‚Rhythmuskäfer‘, die Hymne der Fans, nicht. Selbige springen, tanzen und singen auch während des gesamten Konzertes mit. Der Rest schaut es sich an, applaudiert brav, wirkt dabei aber nicht sonderlich beeindruckt. Nach knapp eineinhalb Stunden, inkl. Zugabe, ist das Konzert vorbei. Die Zuschauer sehen sich noch kurz am Merchandising-Stand um und entern dann die Tanzfläche der Aftershow-Party. Insgesamt kein atemberaubender, aber doch ein gelungener Abend.

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