AZURE RAY am 09.02. 2004 im Magnet

Auch live meistens magisch: Der gefühlvoll-abgründige Folkpop der beiden Songwriterinnen aus dem Umfeld von BRIGHT EYES-Mastermind CONOR OBERST.

Den Abend im Magnet Club eröffnete die noch ziemlich unbekannte PAUL DIMMER BAND aus Hamburg mit einem zwar sympathischen, allerdings auch etwas gediegenen und auf die Dauer gar ermüdenden Songwriter-Pop, der lediglich bei der im Zeitlupentempo vorgetragenen Coverversion von NIRVANAs ‚In Bloom‘ („Scheinbar seid ihr mit unserer früheren englischen Phase besser vertraut…“) auch mal überraschende Momente hatte.

Mittlerweile hat sich vermutlich herumgesprochen, dass MARIA TAYLOR und ORENDA FINK von AZURE RAY zum Umfeld des Saddle Creek-Labels um BRIGHT EYES-Mastermind CONOR OBERST und deren Tourbesetzung sowie zum festen Line-up der ebenfalls zum Label gehörenden NOW IT’S OVERHEAD gehören.

Die beiden Multiinstrumentalistinnen setzten im Anschluss an die Supportband bei ihrem Auftritt im sehr gut besuchten Magnet Club stimmungs- und tempomäßig zwar auch nicht unbedingt einen drauf , doch beziehen sie ihre Qualitäten ja bekanntermaßen gerade aus dem auch von ihren Alben bekannten gefühlvoll-verträumten Folkpop zwischen MAZZY STAR, LIZ PHAIR und den früheren 4 AD-Bands THIS MORTAL COIL oder HIS NAME IS ALIVE mit den abgründigen Texten über Einsamkeit, Verzweiflung und Verlust, der an diesem Abend erstaunlicherweise sogar noch reduzierter und ruhiger als auf ihren Alben daherkam.
Vor ihrem Gig hielten sie sich lässig und entspannt zwischen den zahlreichen Besuchern im Lounge-Bereich auf und wirkten dabei so unglaublich mädchenhaft und unscheinbar, dass man sich ob der anschließend offensichtlich vollzogenen Metamorphose auf der Bühne der Bedeutung des Begriffs ‚Charisma’ mal wieder so richtig bewusst wurde (und das lag beileibe nicht nur am sehr ansprechenden Äußeren).

Von ihren Mitstreitern bei einigen Songs an Keyboard, Bass und Drums unterstützt, setzten die beiden mit ihren Akustikgitarren ganz auf ihre überwiegend ruhigen und melancholischen, gelegentlich von dezenter Elektronik untermalten Songs sowie auf die Ausdruckskraft ihrer sich bestens ergänzenden Stimmen, die die Spanne von kratzig-cool bis glockenhell eindrucksvoll ausfüllten.
Vielleicht lag es ja daran, dass der Auftritt im Magnet den vorletzten Gig ihrer Deutschland-Tour darstellte, dass man sich des Eindrucks einer gelegentlich etwas müden und lustlosen Vorstellung nicht erwehren konnte.

Insgesamt gab es bei vielen Songs wie u.a. ‚Look To Me‘ oder ‚The Drinks We Drank Last Night‘ vom aktuellen Album Hold On Love aber natürlich auch die immer gerne beschworenen magischen Momente, und nach einer einzigen, natürlich akustisch vorgetragenen Zugabe war dann auch schon Schluss mit dem gut einstündigen Gig dieser zurückhaltend-schüchternen, gleichwohl charmanten Feen des bezaubernd abgründigen Folk.

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