BEACH – Berliner Act des Monats Oktober 2007


Zwischen Filigran und Felsgewalt.



Im Juli veröffentlichten BEACH ihr zweites Album Play It To Death (), haben auf Play It To Death nunmehr vielschichtigere Strukturen mit unverkennbar integrierten Indie- und Postrock-affinen Anleihen Einzug gehalten, die dem Sound insgesamt zu größerer Transparenz verhelfen, ohne natürlich auch nur annähernd von der nach wie vor vorhandenen bandimmanenten Intensität und Kraft einzubüßen, im Gegenteil.
„Gebrochene Rockmanierismen und wohlsortierte Arrangements zwischen Filigran und Felsgewalt“, heißt es da ja auch so schön und richtig in der Label- bzw. Presseinfo.

Nach Record Release im Juli und einem Auftritt im Rahmen des wunderbaren kleinen dreitägigen Klang Klang Klang-Festivals im September zusammen mit Delbo und den Österreichern von Killed By 9V Batteries steht für die leidenschaftlichen Live-Enthusiasten bis Ende des Jahres noch ein reichhaltiges Live-Programm an, das sie bereits im Oktober auch wieder einmal nach Polen führt, bevor es nach einem erneuten Berlin-Heimspiel bei

Viele Stücke auf Play It To Death kommen vielschichtiger, grooviger und auch melodiöser als noch auf 2nd Hand Cannibals daher und weisen ausgefeiltere, längere Instrumentalparts inkl. dezenter Parallelen in Struktur und Sound – zumindest in Ansätzen – bspw. zu Sinnbus- bzw. Sinnbus-befreundeten Bands wie Sdnmt oder Delbo auf. Würdet Ihr dieser Einschätzung zustimmen, und wenn ja, war dies das Resultat eines organisch gewachsenen Prozesses und letztlich einer bewussten, von der Band vor den Aufnahmen klar getroffenen Entscheidung?

Björn: Nach einer Aufnahme hatten wir bis jetzt immer das Gefühl, wir müssten noch viel lernen.
Ein bisschen haben wir dann wohl aus 2nd Hand Cannibals gelernt. Sicher gibt es auch Einflüsse aus dem näheren Umfeld, aber obwohl mich das Delbo-Konzert vor kurzem sehr beeindruckt hat, sind andere schwerwiegender.

Gibt es andere Einflüsse der vergangenen zwei, drei Jahre, die Auswirkung auf Euren aktuellen Sound haben und die Ihr explizit anführen würdet?

Björn: Es wirken so viele verschiedene Kräfte…
Peter: Sicher, da wirken eine ganze Menge Einflüsse, aber letztendlich bestätigen sie uns ja nur in unserem eigenen Weg, den wir weitergegangen sind und auch jetzt konsequent weitergehen werden. Um vielleicht eine Platte zu nennen, die bei mir wirklich alte Geister geweckt hat und einen tiefen Eindruck hinterlassen hat, dann Be There Pulse von Lack.

Wart Ihr Euch untereinander stets über die musikalische Ausrichtung einig, oder kam es vor oder während der Aufnahmen zum neuen Album zu – auch schon mal gravierenden – Kontroversen bzw. auch halbherzig getroffenen Kompromissen?

Björn: Also ehrlich gesagt, dachten wir am Anfang, wir wären uns einig, dann zweifelten wir sehr stark daran, bis wir feststellten, dass wir gar nicht soweit voneinander entfernt sind, und das hört man auch. Eigentlich kann keiner von uns sagen: „Wir wollen so klingen wie …“, deshalb ist es auch nicht schlimm, wenn wir nicht klingen wie… Kompromisse hat dennoch jeder von uns gemacht, aber sicher nicht halbherzig.

Welchen Anteil hatte Thom Kastning als Produzent des Albums, der ja mittlerweile vielen innovativen Berliner Indiebands der neuen Generation (u.a. Sdnmt, Kate Mosh, Ter Haar) unterstützend zur Seite steht, am Resultat?

Björn: Du hast vorher von dezenten Parallelen gesprochen. Es könnte sein, daß Thom da seinen Anteil dran hat. Er hört die Dinge eben aus seiner Richtung und seine Meinung und sein Handwerk sind natürlich mit eingeflossen. Da er selbst ein erfahrener Musiker ist, konnten wir auch viel lernen. Vor allem aber konnte er uns motivieren, das war manchmal wirklich nötig.

Euer Debütalbum erschien ja noch auf dem von Peter (der ja schon lange bzw. von Anfang an maßgeblich am Aufbau von Sinnbus beteiligt war) betriebenen Label mad cell records. Handelte es sich damals um eine bewusste Entscheidung, auch, um eine „gesunde“ Distanz zwischen Label- und künstlerischer Arbeit herzustellen? Warum dann jetzt doch die Veröffentlichung auf Sinnbusrecords?

Peter: Ich denke Play It To Death ist ein sehr individuelles, gut produziertes und konsequentes Album, das gut zu anderen Sinnbus-Alben passt. Die Entscheidung mad cell records einzufrieren und dafür Sinnbus als Plattform für besondere und eigenständige Musik größer zu machen mit Beach, ist da ein konsequenter Schritt. Ich habe außerdem lange überlegt, bei welchem Label Beach musikalisch am besten aufgehoben wären und mir ist tatsächlich nur Sinnbus eingefallen. ;-)

Also gibt es mad cell records nicht mehr?

Peter: Ich würde sagen, es ist auf Eis gelegt…

Seid Ihr mit der Entscheidung für Sinnbus 100%ig zufrieden, also seht Ihr da jetzt nur Vorteile oder kollidieren auch schon mal Label- und Bandinteressen, bspw. auch hinsichtlich des Zeitfaktors?

Björn: Wir sind sehr glücklich mit Sinnbus zu arbeiten, in erster Linie sind das nämlich echt nette Leute, die viel Zeit für uns opfern. Dass unser Bass-Mann Peter einer von ihnen ist, hat dennoch nicht nur positive Nebenwirkungen. Wie Du schon sagst, ist die Zeit knapp. Mit dem Label fanden wir aber bis jetzt keinen Grund zum Streiten.



Sind Gunar und Björn auch in irgendeiner Form in die Labelarbeit bei Sinnbus involviert, gibt es noch andere musikalische (Neben-) Projekte der einzelnen Bandmitglieder?

Björn: Nein, direkt mit der Labelarbeit haben Gunar und ich nichts zu tun, und bis auf vereinzelte, elektronische Experimente existieren auch keine weiteren musikalischen Projekte.

In den nächsten Monaten stehen ja auch wieder zahlreiche Gigs im In- und Ausland an, im Oktober seid Ihr u.a. auch wieder einmal in Polen mit der polnischen Band 3Moonboys unterwegs, die Ihr schon länger kennt und schätzt und die ja im Juni auf dem von Sinnbus mitveranstalteten Seefa V-Festival gespielt haben.
Wie kam es zu dieser „Freundschaft“ (würdet Ihr das Verhältnis als solche bezeichen?), was erwartet Ihr Euch von den Konzerten, wie ist generell die Resonanz in Polen?

Björn: Der Gedanke war, mit einer polnischen Band zu touren, um in vollen Clubs zu spielen und sich die dafür notwendige Organisationsarbeit zu teilen.Wir lernten uns erst im und um den Bus herum kennen, mit dem wir teils Deutschland, teils Polen bereisten und stellten fest, dass wir eine wirklich gute Zeit hatten. Polen kann eisig sein, hat aber einen heißen Kern.
Peter: Ja, ich denke, wir sind über die Zeit gute Freunde geworden. Ich mag die Jungs sehr und man hilft sich gegenseitig. Die Konzerte in Polen werden immer besser, da wir genau die Clubs kennen, in denen es sich zu spielen lohnt. Es kommen immer viele Leute zu den Konzerten und es ist echte Begeisterung da, genau dafür machen wir Musik.

Gibt es ähnliche Kooperationen mit anderen ausländischen oder auch deutschen Bands, welche möchtet Ihr da noch empfehlen, bspw. vom Line-up des Seefa-Festivals oder auch Bands und Künstler des zur Popkomm veranstalteten Klang Klang Klang-Festivals mit u.a. österreichischen und schwedischen Bands und Künstlern?

Björn: Ja, solche Kooperationen gab es und wird es hoffentlich noch oft geben, weil man was lernen kann, direkteren Zugang zum Land, auch zum eigenen, und mehr Spaß im Bus hat, man nicht alleine trinkt und ständig von guter Musik begleitet wird. Es sei denn, der Fahrer
besteht auf Punkrock.

Gibt es Pläne, auch in anderen Ländern des benachbarten Auslands demnächst auf Tour zu gehen?

Peter: Ja auf jeden Fall, da ist noch einiges geplant.

Seid Ihr generell zufrieden mit Eurem derzeitigen Status als Band und dem bislang Erreichten, betrachtet Ihr das Band-Wachstum als eine Art natürlichen, unbeeinflussbaren Prozess?

Björn: Zufrieden sind wir immer nur sehr kurz, wenn wir einen Abschnitt hinter uns gebracht haben, z.B. die Aufnahmen abgeschlossen sind. Kurz darauf nörgeln wir wieder rum.
Das bezieht sich aber eher auf unsere persönlichen Leistungen. Wir wollen uns weiterentwickeln und das geht uns manchmal zu langsam, aber wir sind stolz auf das, was wir bis jetzt gemacht haben.
Nein, das „Wachstum“ einer Band hängt von vielen Faktoren ab und ist durchaus beeinflussbar, vielmehr stellt sich die Frage, inwieweit und zu welchem Preis sie Einflüsse zulässt. Wonach richtet sie sich aus? Die Prioritäten variieren von Band zu Band stark.

Habt Ihr die Absicht, „größer“ zu werden, oder steht nach wie vor der idealistische Aspekt unverrückbar an erster Stelle (was sich ja nicht unbedingt ausschließen muss)? Gibt es schon Pläne fürs nächste Jahr bzw. die Zukunft, wie sehen diese aus?

Björn: Klar wollen wir „größer“ werden, in vollen Clubs spielen und möglichst viele Platten an die Leute bringen und dabei für uns wichtige Werte vermitteln, aber nicht um jeden Preis, denn das wäre in unserem Fall paradox. Bestimmte Dinge würden wir dafür sicher nicht tun.
Was wir aber auf jeden Fall machen werden, sind neue Songs und ein neues Album, alles Weitere sind wilde Spekulationen.

Vielen Dank für das Interview & alles Gute für die Zukunft!

Peter & Björn: Gern geschehen & gleichfalls! Bis bald!

Tourdaten:

16.10.07 Warszawa (PL), Jadlodajnia filozoficzna w/ 3Moonboys
17.10.07 Krakau (PL), Kawiarna Naukawa w/ 3Moonboys
18.10.07 Poznan (PL), Kisielice w/ 3Moonboys
19.10.07 Wolow (PL), Baraque Festival w/ 3Moonboys
21.10.07 Berlin (D), Bassy w/ Elyjah, Citizen Fever
14.11.07 Greifswald (D), Klex w/ Killed by 9V Batteries
21.11.07 München (D), Sunny Red
23.11.07 Freiburg (D), Kamikaze-Klub
24.11.07 Frankfurt (D), Elfer
25.11.07 Utrecht (NL), dB’s
29.11.07 Hamburg (D), Fundbureau w/ Exits to Freeways. S. S. Test
30.11.07 Schleusingen (D), Schulclub w/ Exits to Feeways
01.12.07 Bernau (D), Dosto w/ Elyjah, Exits to Freeways
02.12.07 Berlin (D), Café Zapata w/ Kam:as, ETF
14.12.07 Schwerin (D), Dr. K w/ Die Art
15.12.07 Halle (D), Objekt 5 w/ Papier Tigre

www.ourbeach.de
www.myspace.com/ourbeach
www.sinnbus.de

Fotos © Beach, Sinnbus

Autor: [EMAIL=thomas.stern@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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