BERLINOVA: Festivalbericht Teil 2 (11.06.05)

Halbzeit auf dem BERLINOVA-Gelände: Buntes Line-Up, mäßige Besucherzahlen und schwankende Festival-Stimmung beim Publikum.

Man möchte meinen, der Veranstalter hat sich ganz schön verkalkuliert. Hatte man gestern noch in einer nicht-enden-wollenden Autoschlange auf Einlass gewartet und war sich dem Massenansturm auf das diesjährige BERLINOVA gewiss, blickte einem Samstags gähnende Leere auf der Zufahrtstraße zum Festival-Gelände entgegen.

Pech für den Veranstalter, gut für die Fans aller Bands auf dem BERLINOVA. So konnte man sich bei jedem Konzert in der ersten Reihe höchstpersönlich vom Frontmann (oder –frau) angesprochen fühlen.

Bei war man da doch eher vorsichtig, hatte man doch jede Sekunde lang die Befürchtung, es wird einem gleich die E-Gitarre über den Kopf gezogen – diese Band rockte à la TRAIL OF DEAD so dermaßen ab, dass am Konzertende die Instrumente dran glauben mussten. Aber nicht nur showtechnisch haben die Jungens aus Aachen ihre Leidenschaft bewiesen, denn ihre Songs, eine Mischung aus alternativem Hardrock und Grunge, haben (bis auf ein paar schlaftrunkene Ausnahmen) alle sofort mitgerissen.

Dank lückenloser Durch-Organisation seitens der Festivalplaner und dem behänden Wirken der Roadies wurde einem nach den einzelnen Konzerten keine Pause gegönnt. Die Bands spielten abwechselnd, man brauchte also nicht zwischen den Bühnen einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufstellen.

Die DONOTS befanden sich an diesem Samstag anscheinend in anderen Sphären: Gewohnt routiniert und professionell rockten sie auf der großen Fritz-Bühne, das Publikum war in bester Stagedive-Stimmung. Dem Gitarristen kribbelte jedoch allzu auffällig die Nase, die es alle 5 Sekunden zu wischen galt, was die Band-Performance melodiös wie spielerisch teilweise sehr ins Schwanken brachte. Letztendlich biss er sich dann in den Arm, da war mir alles klar!

PALE waren der Überraschungserfolg schlechthin. Die äußerst sympathische Band aus Aachen sorgte mit ihrem gitarrenlastigen Fun-Rock, super Satzgesang und endlich mal wieder Keyboardunterstützung (was ja sehr selten bei dem nationalen Nachwuchs geworden ist, klassische Klavierklänge sind ja eher „out“) für super Stimmung, bester Song hier: ‚I’m Sorry‘. Nach einer kurzen Anekdote über den Heiratsantrag der Freundin vom Gitarristen wurde – mit den besten Zukunftswünschen – ein Pärchen-Song gespielt, Romantik pur auf der BERLINOVA;o)!

Die „aktuelle“ Platte von 2002 How To Survive Chance wird bald durch eine neue ersetzt werden, die Jungs hatten sich nämlich dieses Frühjahr im Studio verschanzt und sind daher mal zur Abwechslung auf diversen Indie-Festivals unterwegs.

Trotz dieser beiden Top-Bands merkte man: Es fehlten den Leuten auf dem diesjährigen BERLINOVA bis dato die Highlights. DIE HAPPY war die erste Band, die nahezu euphorisch erwartet wurde und bei der sogar die hartnäckigsten Zelthocker sich bequemten, auf das Festivalgelände zu gehen. Trotz langer Abstinenz vom Musikerleben wurde die Band absolut frenetisch empfangen und vom ersten Song an wurde seitens der Festival-Besucher kräftig mitgerockt.

DIE HAPPY scheinen dabei die aus dem Musikbusiness abgetretenen mehr und mehr ersetzen zu wollen: Ihre Songs sind härter und pog-tauglicher geworden, die Sängerin hat sich einige Gesten von Sandra Nasic abgeschaut und ist auf dem besten Wege, ihren freigewordenen Platz im Crossover-Bereich einzunehmen. Auch hier wurde wieder einer Bandmitglied-Freundin gehuldigt. Gitarristenfreundin Pia (hieß die überhaupt so?) hat nämlich Geburtstag und das Publikum sang ihr nach freundlicher Aufforderung des Angetrauten brav ein Geburtstagsständchen, welches per Pocket-Kamera aufgezeichnet wurde.

Während des ganzen Tages wurde vom Publikum das Angebot zum Luftgitarre spielen und Karaoke singen auf der Karaokebühne dankend angenommen, dort war dann auch teilweise mehr los als vor den eigentlichen BERLINOVA-Zeltbühnen.

Bevor ich jetzt den dritten Teil der BERLINOVA-Berichterstattung an Alexander Eckstein abgebe, hier noch ein paar Festival-Zitate:

Barbie, 18:
„Das Wetter war bisher noch nie so Scheiße! BRAINLESS WANKERS waren gut.“

Jessica, 22:
„Ich finde, dass das Zelten ruhig wieder umsonst sein sollte, wie es die letzten wie Jahre der Fall war. Wenigstens hätten sie es vorher ankündigen können…“

Sandra, 22:
„Die könnten hier mal öfters die sanitären Anlagen erneuern (milde ausgedrückt). Außerdem fand ich den Preis an der Abendkasse (55 Euro!!!) echt unverschämt.“

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www.berlinova.com

Foto Pale: © Oliver Fischer
Foto TTN: © Tribute to Nothing
sonstige Fotos: © Kathleen Jurke

Autor: [EMAIL=kathleen.jurke@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Kathleen Jurke[/EMAIL]

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