BIMM Berlin | Gordon Raphael

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GORDON RAPHAEL hatte sie alle: THE STROKES, REGINA SPEKTOR, IAN BROWN, THE LIBERTINES und THE PLASTICS. Als Produzent ist der Amerikaner also ein echter big player. Nicht nur das: Schon in jüngsten Jahren beginnt er Musik zu machen und startet in den 90ern als Keyboarder verschiedener Grunge-Gruppen durch. Seither kennt er beide Seiten des Business: die Wünsche der Musiker wie die der Produzenten.

Seine Erfahrungen und Geschichten teilt der gebürtige Seattler nun mit den Berliner Studenten des BRITISH AND IRISH MODERN MUSIC INSTITUTE (BIMM). Die deutsche Außenstelle der Hochschule, die in England schon GEORGE EZRA, JAMES BAY und THE KOOKS zu Ruhm verhalf, konnte GORDON RAPHAEL als Dozent für den Bachelor Music Production gewinnen. Im Interview in den Berliner TRIXX Studios spricht er über Lernziele, musikalische Eskapaden, DAMON ALBARN und seine Freundschaft zu Produzent MOSES SCHNEIDER…

Kannst du dich noch erinnern, wann und wie du Produzent werden wolltest?

Als ich mit 18 in eine Band kam, war da ein Typ mit einem vierspurigen Tonbandgerät, der eigene Musik gemacht hat. Ich dachte mir: Wenn ich mit diesem Recorder umgehen kann, kann ich auch eigene Songs schrieben und produzieren. Ich wollte nicht, dass irgendjemand dabei ist, wenn ich singe, spiele oder schreibe. So hat alles angefangen.

Was ist dir seither bei deiner Arbeit am Wichtigsten?

Ich habe gemerkt, wie einschüchternd es ist, wenn der Produzenten mit der falschen Attitüde ins Studio kommt. Manche tun so, als seien sie die Experten und alle Musiker unwissend. Wenn ein Musiker eine Idee hat, hört er meistens Sprüche wie „Auf keinen Fall! Ich zeige dir jetzt mal, wie man das technisch macht!“. Das ist absolut einschüchternd!

Mit anderen Worten: Produzenten-Narzissmus hat im Studio nichts verloren?

Genau! Man sollte seine Kontrollgelüste nicht an den Projekten anderer ausleben. Ich möchte ein Produzent sein, der Musikern zuhört, ihre Ideen schätzt und sie glücklich macht. Wer alles kontrollieren will, muss seine eigene Musik machen.

Wie muss eine Pädagogik gestaltet sein, die das vermittelt?

Mir ist kreative, ermutigende Pädagogik wichtig! Man muss herausfinden, was jeder individuell lernen möchte und welche meiner Erfahrungen ihnen wirklich weiterhelfen. Dazu braucht man Einfühlungsvermögen. Lieber gebe ich das Gefühl, Ziele erreichen zu können,  anstatt mit Statistiken, Einschränkungen und einem Plan B abzuschrecken. So werde ich auch an den Unterricht gehen. Alles andere verspannt nur.

Warum BIMM?

Ich lebe seit elf Jahren in Berlin und habe schnell gemerkt, dass die Stadt meine skills nicht wirklich braucht. Es gibt hier nicht viele Rock’n’Roll-Bands, die das Geld für ein Studio und einen Produzenten haben. Deshalb habe ich auch noch kein eigenes Studio. Als BIMM mich gefragt hat, ob ich unterrichten und Bands produzieren möchte, war ich sofort begeistert. Ich kann jetzt in Berlin bleiben und professionell arbeiten ! (lacht)

Warum bist du überhaupt von London nach Berlin gekommen?

Moses Schneider hat mich geholt. Wir sind sehr gute Freunde! Als ich nach London kam, waren alle begeistert. Das erste Strokes-Album war gerade draußen – und plötzlich waren nur noch  fette Produktionen angesagt. Ich war vorher öfter in Berlin und habe mit ihm am Beatsteaks-Album Schmack Smash gearbeitet.

Besteht die Möglichkeiten, dass deine Studenten Moses Schneider kennenlernen?

Ja! Er hat ein ganz tolles Recording-Handbuch geschrieben. Auf jeden Fall empfehle ich dieses Buch und ich werde mir Beispiele herauspicken. Wenn ich ihm von meiner Arbeit erzähle, wird er vielleicht in die Klasse kommen und die Leute kennen lernen. Moses ist ein cooler Typ!

Wenn du zurückblickst: An welche Zusammenarbeit erinnerst du dich am liebsten?

Meine Highlights sind natürlich The Strokes und Regina Spektor. Klar habe ich schon Jahrzehnte vorher in dem Business gearbeitet, aber die Arbeit mit den Jungs hat mein Leben verändert.

Inwiefern?

Bevor ich sie getroffen habe, musste ich mich abquälen: Ich war ziemlich unbekannt in New York und musste hart arbeiten. Wenn mich jemand auf die Strokes anspricht, kommen also nur die wärmsten Gefühle hoch. Für mich war das ein magischer Moment, der meinen Lifestyle und mein Ansehen in der Welt verändert hat.

Fast wäre Damon Albarn mit Backing-Vocals auf Room On Fire gelandet. Wie gesagt: fast. Was ist da schiefgelaufen?

Das war nicht gerade eine spaßige Erfahrung. (lacht) Es war spät in der Nacht und alle außer mir waren betrunken. Normalerweise sind die Strokes-Songs nach einer Nacht fertig – aber nicht mit Damon! Er wollte Harmonien singen, die wir noch nie benutzt hatten. Drei Stunden hat er rumgesungen. Der Band hat er gesagt, dass das Album gar nicht gut wird. Er kam in den Raum, und schlagartig war die Stimmung schlecht. Komplizierter Typ – eine kleine Katastrophe!

Wie war vergleichsweise die Zusammenarbeit mit Ian Brown?

Ian war ganz anders! Das war Freude pur. Wir hatten eine super Zeit. Lustig war, dass Ian mir nicht gesagt hat, wer er ist. Ich dachte, er sei irgendein Typ, und habe es einfach nicht gecheckt. Dann hat er gesungen und ich sagte: „Hey, die Stimme kennst du doch! Bist du Ian von den Stone Roses?“.

Gibt es eine musikalische Eskapade, die du nie vergessen wirst?

Oh mein Gott –  einige! (lacht) Ich erinnere mich an einen Kerl, mit dem ich in New York gearbeitet habe. Er hatte ein richtiges Drogen-Problem und konnte dadurch keinen Ton treffen. Ich musste ihn mir trotzdem sieben Stunden anhören, denn ich brauchte das Geld. (lacht) Irgendwann bin ich eingeschlafen. Mein Trick: Das weiter entfernt liegende Auge schließen, das andere offen halten – so sieht es aus, als sei man noch wach!

Was ist dein Anspruch an zeitgenössische Musik?

Ich bin kein Fan von Software-Musik. Für mich muss Musik handgemacht sein – mit echten Instrumenten! Zum Glück gibt es ein paar Orte auf der Welt, in denen Gitarren-Musik noch nicht out of fashion ist. Und ich liebe Synthesizer. Klar, die sind elektronisch, aber analog, nicht digital. Digital mag ich gar nicht!

Welches Credo hast du für alle angehenden Produzenten parat?

Ich nehme den Rocky Horror-Spruch: Don’t dream it, be it! Oder nein, warte – den von den US-Marines: Be the best you can be. (lacht)

www.bimm-institute.de

Trixx Studios
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