BLACK FRANCIS am 18.02.2008 im Postbahnhof


„An opera in honour of Herman Brood…“



Unter dem Künstlernamen „Black Francis“ war Charles Michael Kittridge Thompson IV (so der bürgerliche Name) zu Zeiten einer der einflussreichsten amerikanischen Indiebands der 80er und 90er maßgeblich an Pixies-Klassikeralben wie Surfer Rosa oder Doolittle beteiligt, ehe er sich im Zuge des Abnabelungsprozesses nach der Auflösung der Band nunmehr als Frank Black teils solo, teils mit The Catholics intensiv seiner Solokarriere widmete.
Nach der vorübergehenden und etwas halbgaren (Live-) Reunion der Pixies im Jahr 2004 behielt er sein wieder liebgewonnenes altes Pseudonym BLACK FRANCIS – auch aus Trotz infolge gescheiterter Bemühungen um ein neues Pixies-Studioalbum – einfach bei und veröffentlichte im vergangenen Jahr mit Bluefinger ein Album, das in jedem Song vom Geist des von FRANCIS auf youtube entdeckten, einen Großteil seines Lebens drogenabhängigen niederländischen Künstlers und Musikers Herman Brood durchweht ist, der insbesondere in den 70ern mit seiner Band Herman Brood And His Wild Romance auch international größere Erfolge feierte.

Von FRANCIS nach weitgehend kommunikationslosem Beginn und einigen Songs zum Warmwerden des Öfteren völlig ernst (und genau deswegen natürlich auch mit ironischem Unterton) als „opera“ bezeichnet, sollte auch der Gig im (kleinen) Berliner Postbahnhof ganz im Zeichen von Bluefinger und somit der Hommage an eben jenen Herman Brood stehen, was nicht alle Besucher so auf dem Schirm zu haben schienen und dies schon mal mit explizit geäußertem Unverständnis quittierten.
In seiner unnachahmlich leidenden, leicht mürrisch-kauzigen Art taute BLACK FRANCIS spätestens nach schweißbedingtem Verlust seiner überdimensional großen, coolen Sonnenbrille dann aber doch mehr und mehr auf und setzte in klassischer Trio-Bandbesetzung mit Gitarre, Bass und Schlagzeug auch einige in die zwischen gemäßigtem, blueslastigem Songwriterrock und euphorischen Rock’n’Roll-Ausflügen pendelnde „Herman Brood-Oper“ eingeschobene ältere Highlights, von denen ‚She Took All The Money‘ („…shamalanga-ding-dong…“) sicher noch zu den bekanntesten gehörte, auf Pixies-Klassiker wartete man halt auch diesmal wieder vergeblich.

Nachdem die Opern-Terminologie mit kurzen Abstechern zu Begriffen wie „Interlude“ oder „Libretto“ insbesondere gegen Ende verbal gerne schelmisch auf die Spitze getrieben wurde und die Bluefinger-Aufführung schließlich ein endgültiges Ende fand („This is the end of the opera“), beschloss die Band den Auftritt neben einigen anderen Stücken quasi standesgemäß für diesen Abend mit einem weiteren Song (neben ‚You Can’t Break A Heart And Have It‘ von Bluefinger) von Herman Brood And His Wild Romance.
Zu Zugaben ließ sich der charismatische Indie-Kugelblitz dann erwartungsgemäß nicht mehr herab, was einer insgesamt ungewöhnlichen, aber absolut unterhaltsamen knapp 90-minütigen Performance dennoch keinerlei Abbruch tat.

www.blackfrancis.net
www.myspace.com/officialblackfrancis

Autor: [EMAIL=thomas.stern@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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