BLUES BROTHER CASTRO + THE SHEER u.a. am 15.09.2005 in der Kalkscheune (Popkomm)

[B]BLUES BROTHER CASTRO überzeugten, doch THE SHEER räumten schamlos ab.[/B][img]content/images/Neue_NL_Welle_2005_09_19.jpg[/img]

[BLOCK]“Can you feel it, see it, hear it today?“ schallt es durch die Boxen der noch mager gefüllten Kalkscheune. Faith No Mores ‚Real Thing‘ war es, das einen in Erinnerungen schwelgen ließ. Das zumeist ziemlich junge Publikum, das gekommen war, um die Neue Holländische Welle zu feiern, schien das wenig zu jucken. Als ‚Epic‘ damals die Dancefloors erschütterte, war ich bereits älter, als ein Großteil der heute Anwesenden. Wenig später gegen halb zehn betreten dann vier adrett gekleidete, nicht mehr ganz so junge Menschen die Bühne. Einer von ihnen sagt: „Hi, we are BLUES BROTHER CASTRO from Amsterdam.“ Aha. Das war dann eindeutig der Startschuss des unter holländischer Flagge laufenden Abends der diesjährigen Popkomm.

Die vier BLUES BROTHERs wirkten zunächst recht unterkühlt, was auch am ebenso wirkenden Publikum gelegen haben könnte, welches sich übrigens urplötzlich verfünf- oder versechsfacht hatte. Davon ließen sich die Amsterdamer schon ein wenig aufmuntern. Sänger LEON schien in seiner Musik aufzugehen, spielte den Wahnsinnigen und verdrehte seine Augen so sehr, dass uns lediglich zwei weiße Augäpfel anzuckten. Etwas abgegessen war er noch vom Vorabend, der im Friedrichshainer Rosis gespielt wurde. O-Ton: „There was nobody. Absolutely nobody!“

Von der gestrigen Flaute also noch leicht angefressen, rockten sie ihre Hits des aktuellen Longplayers [I]Money Maker Me[/I]. Abgedrehter Indie-Rock, psychedelisch genug, um selbst die Hippie-Fraktion aufzumuntern und alternativ genug, um einige Teen-Hüften zum Schwingen zu bringen. ‚Im Like A Loaded Gun‘ zum Beispiel, wie die meisten Stücke des Albums, kommen live noch schmutziger und roher daher. Auch Songs wie ‚Dress‘ oder ‚Welcome To My Rock And Roll‘ sind ebenso unberechenbar wie auf der Scheibe. Besonders der Frontmann kann sich darin offensichtlich fallen lassen und heizte sich und dem jungen Volk mit aufgerissenen Augen und wild gewordenen Schreien ein. Recht schade war allerdings die Tatsache, dass sie ihren heimlichen Hit ‚Drunken Boy‘ nicht zum Besten gaben.

Die Bassistin MILA hielt sich leider gänzlich mit auffälliger Stage-Perfomance zurück, und so konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, als ich bemerkte, dass sie über einen Orange-Amp spielte. Zum Thema des Abends natürlich mehr als passend. Bis dahin fand ich BLUES BROTHER CASTRO auf jeden Fall lohnens- und sehenswert, was sich eigentlich auch nicht mehr änderte.

Dann allerdings geschah etwas völlig Unerwartetes. Nach der Umbaupause kam die nächste Band auf die Bühne. Aber nicht dass eine kam, sondern wie sie kam, war das Interessante. THE SHEER waren mir bis dato völlig unbekannt, und sie waren auch nach eigener Aussage das erste Mal in Deutschland. Also live hatten sie wahrscheinlich noch nicht sehr viele im Publikum sehen können. Und trotzdem brachten sie vom ersten Takt an den ganzen Laden mit ihrem Supergrass- und Beatles-infizierten Gute-Laune- Rock förmlich zum Kochen.[/BLOCK]

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[BLOCK]Was die vier für ein good-Vibration-Feuerwerk anzündeten, war schlicht und einfach der Wahnsinn! Ich habe ihre Hymnen heute noch im Ohr: ‚It Only Gets Better‘ und das abschließende ‚Right Now‘ gehören schon jetzt zu meinen Live-Momenten des Jahres. Es ist auch gerade zu unfassbar, mit welchem Songwriting THE SHEER auffahren. Auf der obligatorischen und genauso legendären Suche nach dem perfekten Song sind sie ganz vorne und anscheinend kurz vorm, wenn nicht sogar schon am Ziel.

Als die Lichter angehen und ich mein Dauergrinsen so langsam in den Griff bekomme, kann ich hoch euphorisiert noch folgenden Satz im Taumel meines Glückes artikulieren:
„Ich hab eine neue Lieblingsband!“

Mit diesem herrlichen Gefühl, eine für mich neue Combo entdeckt zu haben, verließ ich die Kalkscheune noch bevor ich die Hälfte der angekündigten holländischen Vertreter gesehen habe mit einem zufriedenen und erleichterten „Vive la Oranje“ im Gedanken.[/BLOCK]

[LEFT]www.bluesbrothercastro.nl
www.thesheer.nl
www.neuehollandischewelle.nl
www.kalkscheune.de

Foto: © The Sheer
Autor: [EMAIL=marceese@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]marceese[/EMAIL][/LEFT]

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