BOSSE – Taxi


Der BOSSE ist zurück, auf ne ruhige Art und Weise…



Der neue und dritte Langspieler ist nicht so rockig wie sein Vorgänger, lässt AXEL BOSSE seine Myspace- Freunde via Bulletin wissen. Taxi sei vielleicht sein erstes Indiepop-Album, mutmaßt der Hamburger Songwriter weiter. Schon die erste Single-Auskopplung ‚3 Millionen‘, gleichzeitig der erste Titel der CD, veranschaulicht, was BOSSE meint. Die Single ist ein gut produzierter Indiepophit, leicht melancholisch eingefärbte Gesangslinien an elektronischen Gitarrenwänden auf poppigen Drumcomputer- Fundament, das unauffällig nach vorne treibt. Das Album ist dabei in Stimmung, Sound und Tempo recht homogen, eine in sich stimmige Reise, der zunächst etwas merkwürdig anmutende Titel somit, etwas um die Ecke gedacht, Programm.

Für den Sound zeichnen Jochen Naaf (Polarkreis 18) und sein Wohnzimmer verantwortlich. Hier wurde Taxi eingespielt. Haben einem frühere Titel wie ‚Kraft‘ und ‚Explodiert‘ noch den Soundtrack für energetischen Aktionismus geliefert, scheinen die neuen Stücke eher für die reflektierenden Momente geschaffen. Zwar finden sich hier mit ‚All die Dinge‘, ‚Alter Strand‘ und ‚3 Millionen‘ auch Uptempo- Nummern, dominiert wird der Taxi-Sound im Vergleich zu früheren BOSSE-Alben aber von ruhigeren Tönen. War eine musikalische Kategorisierung bisher nicht wirklich möglich, nähert sich BOSSE nun mit dem neuesten Werk Bands wie KETTCAR und MADSEN, Letztere hat er gerade auch als Support auf Tour begleitet.

Taxi klingt mehr nach dem nie ganz ausformulierten Phänomen „Hamburger Schule“, was vielleicht auch den Umzug an die Elbe vor einigen Jahren widerspiegelt. AXEL BOSSE ist umgezogen, scheint angekommen und wirkt gereift. Ein Höhepunkt auf dem Album und Ausdruck des neuen Sounds ist sicherlich das Duett ‚Vereinfachen‘ mit Sebastian Madsen. Einfühlsam wird hier minimalistisch nur mit Piano deutsche Sprache intoniert und eine Stimmung kraftvoller Tristesse und trotziger Resignation transportiert. Zweieinhalb Jahre nach seinem letzten Album kehrt BOSSE mit Taxi zurück, nur eben auf diese ruhige Art und Weise.

So sehr sich die drei Alben von BOSSE auch musikalischen unterscheiden, haben sie doch alle die durchweg intelligenten und ehrlichen Texte gemein. Erfrischender und unaufdringlicher Tiefgang statt in Reimkorsette gepresste Banalitäten. Dies ist und bleibt ein Punkt, in dem sich AXEL ‚Aki‘ BOSSE in eine eigene Liga geschrieben hat, auch wenn sich musikalisch nun vielleicht doch eine passende Schublade gefunden hat. Wer um die Livequalitäten der Band weiß, dem wird nicht Bange werden ob der kraftvollen Umsetzung des neuen Materials. Insbesondere Titel wie ‚Liebe Ist Leise’, ‚Alter Strand‘ und ‚Matrose‘ lassen trotz der etwas ausgebremsten, fast schon artifiziellen Naafschen Wohnzimmerproduktion eine großartig episch verrockte Live-Darbietung erwarten.

BOSSE (special guest: Frida) am 12.03.09 live in Berlin/ Postbahnhof

BOSSE
Taxi
(Fuego/ Rough Trade)
VÖ: 06.02.2009

www.axelbosse.de
www.myspace.com/axelbosse
www.roughtrade.de

Autor: [EMAIL=alexander.knoke@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Alexander Knoke[/EMAIL]

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