Mando Diao – Give Me Fire

Mando Diao - Give Me Fire

Die geneigte deutsche Fanschar kann frohlocken. Es ist wieder mal Zeit für was Neues. Die Borlange-Boys hatten sich ein Jahr Pause redlich verdient und dann daran gemacht, Give Me Fire aufzunehmen. War der Vorgänger der deutliche Versuch aus dem Schweden-Pop auszubrechen, ist es nun vollbracht: MANDO DIAO haben die 60’s-Garage verlassen und sich in Stockholm ein eigenes 70’s-Studio eingerichtet.

Nach drei mitreißenden Gitarren-Alben hatten die Herren anscheinend das Gefühl, was anderes ausprobieren zu wollen. BJÖRN DIXGARD (Vocals, Gitarre), GUSTAF NOREN (Vocals, Gitarre), CARL JOHAN FOGELKLOU (Bass), SAMUEL GIERS (Drums) und MATS BJÖRKE (Keyboard) schwammen Anfang der 2000er ganz oben auf der Indiewelle, waren Treiber und Getriebene.

Never Seen The Light Of Day (2007) war da eine Art Bremse aus Folk und Folkloren. Was der BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB kann (Howl), muss aber noch lange nicht jeder können. Nach der Schlappe suchte man sich einen neuen Produzenten, den HipHopper SALLA. Er sorgte dafür, dass Give Me Fire! bisweilen sehr amerikanisch klingt, und vielleicht verschafft er der Band endlich auch Gehör in den USA.

Zunächst alles wie gehabt: Der Artstyle im Booklet erinnert verdächtig an das vom ersten FRANZ FERDINAND-Album. Alles hübsch Retro.
Der Opener ‚Blue Lining White Trenchcoat‘ baut dann den Anschluss zu den ersten drei Alben auf, nach dem Motto: Die Gitarre ist wieder ausgepackt. DIXGARD und NOREN dürfen ihre live ramponierten Stimmen ölen.

Nach tiefen Atemzügen setzen dann Disko-Beats ein, und ein beabsichtigt massentauglicher Refrain setzt sich im Kopf fest: ‚Dance With Somebody‘, die schlichte Vorabsingle überzeugt alle, denen bei Songs mit dem Thema Tanzen normalerweise übel wird. Selbstbewusst wird hier das Statement zur eigenen Musik gegeben: „Dance, dance, dance!“

Eine Liveaufnahme ist die Bridge zum harmonischen ‚Gloria‘, komplett mit Chor und Geigen. Es ist das erste von mehreren wohl Motown-inspirierten Stücken. Da kommen Damen im Background und auch wieder Bläser zum Einsatz. ‚Mean Street‘ versucht sich in Ragtime.
Auf all das muss man sich als Hörer einstellen, und da stellt sich kurz die bange Frage: Muss man das jetzt mögen, nur weil es MANDO DIAO sind?

Sie kann fast immer bejaht werden. Man spürt, dass die Band sich müht, mehr als eine Modeerscheinung zu sein. Die beiden Frontsänger suchen sich ihre Genres. Zwar ist purer Pop von NOREN keine Neuigkeit, aber ‚Crystal‘ ist konsequenter, wenn auch schwächer als das verschmitzte ‚The New Boy‘ von Ode To Ochrasy. ‚You Got Nothing On Me‘ ist dagegen ein typischer DIXGARD-Song – genauso trotzig wie das großartige ‚You Don‘t Understand Me‘, aber diesmal mit Riff und fast politisch.

Fakt ist, die Jungs beweisen erneut ihr Gespür für tolle Songs, wenn auch auf neuem Terrain. Das ist eine Leistung, auch wenn man sich zunächst reinhören muss.

MANDO DIAO am 09.04.09 live in Berlin/ Columbiahalle (mit THE VIEW)

MANDO DIAO
Give Me Fire!
(Vertigo/ Universal)
VÖ: 13.02.2009

www.mandodiao.com
www.myspace.com/mandodiao

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