CALEXICO am 27.07.2005 in der Arena (popdeurope-Festival)

Mehr als tausend Menschen über 30 in kollektivem Wohlgefühl. Sowas gibt es ja eigentlich nur bei Annett Louisan. Oder, wenn es noch kultivierter sein darf, bei CALEXICO.


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Doch zunächst bedarf es der richtigen Einheizer. In diesem Falle mussten JAUNE TOUJOURS aus Belgien die Menge vorwärmen. Ihre etwas melodiearme Offbeat-Musik würde wohl am ehesten als Ska durchgehen, wenn sie denn nicht mit Akkordeon, Kontrabass, Drums und allerlei Bläsern etwas untypisch instrumentiert wäre. Das Publikum goutierte den Auftritt auf jeden Fall mit stetigem Wippen und (für eine Vorband erstaunlich) viel Beifall.

Relativ pünktlich, kurz nach halb zehn, betraten dann die Herren Burns, Convertino und Co. die Bühne. Mit ‚Sunken Waltz‘ ging es standesgemäß los, es folgten mit ‚Quattro‘ und ‚Across the Wire‘ und später auch ‚Not Even Stevie Nicks…‘ die großartigen Hits des letzten Albums Feast of Wire. Schnell wurde klar, was diese Band so außergewöhnlich macht: ihre punktgenaue Effektivität und Sparsamkeit in den Arrangements. Das mag erstaunen, denn wo hört man sonst schon Trompeten, Pedal Steel, Vibraphon und Kontrabass in Kombination mit einer (mehr oder weniger) Rockband. Aber alles wird eben nur dort eingesetzt, wo es unbedingt nötig ist.

Eingestreut wurden auch einige neue Stücke. Denen merkt man an, dass der mit Feast of Wire begonnene Weg scheinbar fortgesetzt wird. Weg vom Texmex, hin zu geradlinigeren Rock-Stücken. Natürlich nie ohne den typischen CALEXICO-Sound, aber doch irgendwie beinahe ungewohnt.

„We’re enjoying the beautiful sound of the Arena“ bedankte sich Joey Burns zwischendurch artig. Vielleicht meinte er ja den Bühnensound oder die mitsingende erste Reihe, denn letztlich zeigte auch dieses Konzert leider wieder, dass die Arena einfach viel zu groß ist für klangliche Offenbarungen. Besonders die Bässe kommen nur als Brei im Ohr an. Da hilft auch die vorgenommene Zweiteilung der Halle wenig. Man kann also immer nur auf Adrenalin und Glückshormone hoffen, die das Ergebnis für’s Publikum zum Besseren verfälschen. Später lobte Burns übrigens auch das ausgezeichnete Catering, was man ihm bedenkenloser abkaufen kann.

Etwa zur Hälfte des Sets betrat Francoiz Breut die Bühne. Die kleine Französin bewies erneut ihre Qualitäten als kongeniale stimmliche Ergänzung zu Joey Burns. Höhepunkt dieser Kollaboration war die ‚Ballad of Cable Hogue‘, die ja auf Hot Rail noch von Marianne Dissard intoniert wurde.

Den Abschluss bildeten dann erwartungsgemäß der von CALEXICO endlich aus der Versenkung gehobene LOVE-Klassiker ‚Alone Again Or‘ und ihr (erster und vielleicht einziger) Radiohit ‚Crystal Frontier‘. Mittlerweile war die Menge in der nicht ganz vollen Arena fast schon in kollektives Schunkeln verfallen, vereinzelt wurden Sombreros gesichtet, und eigentlich hätte nur noch eine Runde Tequila für alle gefehlt.

http://www.casadecalexico.com

Autor: [EMAIL=sebastian.frindte@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Sebastian Frindte [/EMAIL]

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