Chris Whitley – Soft Dangerous Shores

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Ende November verstarb der amerikanische Singer/Songwriter CHRIS WHITLEY mit nur 45 Jahren. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir nun noch einmal unsere Kritik zum im Juli erschienenen großartigen Album des eigenbrötlerischen amerikanischen Folk-Bluesers…

Zugegeben, bislang habe ich den amerikanischen Folk-Blueser CHRIS WHITLEY eher am Rande wahrgenommen, obwohl er mit dem nun vorliegenden Soft Dangerous Shores immerhin schon sein zwölftes (!) Album veröffentlicht. Zweifellos gibt es da einiges auf- und nachzuholen, was einem angesichts der ersten absolut grandiosen Songs schnell klar wird. WHITLEY, Vater der ebenfalls erfolgreichen Sängerin TRIXIE WHITLEY versteht sich ja weniger als Songwriter und Geschichtenerzähler im herkömmlichen Sinn und setzt in Lyrics und Sound eher auf einen abstrakten, eklektizistischen Surrealismus als auf geordnete Songstrukturen und konkrete Aussagen, auch wenn laut eigenem Bekunden vieles auf dem Album von Liebe und Tod handelt („Davon handelt Kunst doch immer, oder zumindest sollte sie es“) und der Albumtitel einem Werk des großen Surrealisten Andre Breton entnommen ist.

Aufgenommen in New York mit dem befreundeten Produzenten Malcolm Burns, der ihn bereits bei seinem Debütalbum 1991 unterstützte und schon mit Größen wie Emmylou Harris, Daniel Lanois und U2 zusammenarbeitete, sowie wie bei den letzten Alben mit den deutschen Musikern HEIKO SCHRAMM (Bass) und MATTHIAS MACHT (Drums), die er vor einigen Jahren während eines längeren Aufenthalts in Dresden kennen gelernt hatte, beginnt Soft Dangerous Shores zunächst erstaunlich schwungvoll und eingängig.

So gemahnt der fantastische Opener ‚Fireroad (For Two)‘ mit seinen atmosphärischen Gitarrensprengseln und der relativ poppigen Melodie glatt ein wenig an U2, und auch der nachfolgende Titeltrack setzt noch auf einen wunderbar behenden Beat und überraschende Eingängigkeit. Hier vermengen sich zunächst unaufdringliche Elektronik mit ziemlich zurückgenommenen Gitarren und WHITLEYS rauchigen Vocals, bevor es dann mit ‚As Day Is Long‘ mehr und mehr in Richtung eines ungemein intensiven, in der zweiten Hälfte des Albums vermehrt verzweifelt und auch schon mal bedrohlich anmutenden – dabei stets mit wunderbar knarzigen und angeschrägten Blues- und Slidegitarren aufwartenden – introspektiven Mix aus Songwriter-Folk, schwerem Blues und dezenter Elektronik geht.

Weiterhin finden sich zwischendurch auch weitere aus dem stilistischen Gesamtkontext fallende Klänge wie in den leicht funky und soulig daherkommenden ‚Her Furious Angels‘ und ‚Last Million Miles‘ sowie ansatzweise durchschimmernde krude Jazz-Harmonien auf diesem insgesamt wirklich großartigen Album, dem man sich einfach mal in aller Ruhe vorbehaltlos nähern sollte.

CHRIS WHITLEY
Soft Dangerous Shores
(Cooking Vinyl / Indigo)
VÖ: 25.07.2005

www.chriswhitley.com

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