CLINIC – Do It


Neues aus der Anstalt.



Es gab Zeiten, da war der Bandname des Liverpooler Quartetts Programm. Man wusste genauer gesagt nicht nur aus welcher Institution, sondern auch aus welcher Abteilung diese spleenigen Klänge stammen mussten. Mittlerweile haben sich CLINIC ihren berühmten Liverpooler Vorfahren etwas angenähert, ihre Marotten gegen eine klarere Linie ausgetauscht, ohne die aber vollständig abzulegen.

Gleich zu Beginn wird die Spielfläche abgesteckt, auf der sich [i]Do It[/i], das bereits fünfte Album der Pop-Exzentriker, bewegt: Der Opener ‚Memories‘ pendelt zwischen einem treibenden Gitarrenmarsch und einem himmlischen Melodieteil der – um den Vergleich wenigstens einmal zu bemühen – nach so etwas wie Magical Mystery Walrus In The Sky With Strawberry Fields klingt. Schnell wird die Bandbreite der Band deutlich: ungezügelte Sixties-Energie (‚The Witch‘), klassischer Pop (‚Free Not Free‘), psychedelisch-poppiges Orgelarrangement (‚High Coin‘) und eine kräftige Portion Rock’n’Roll (‚Shopping Bag‘) reihen sich nahtlos aneinander.

Die Einheit im Heterogenen schafft der CLINIC-typische Sound, der immer auf den Punkt produziert ist, gleichzeitig aber so roh und erdig klingt, als würde die Band im Raum nebenan eine Session veranstalten. Viele etablierte Künstler könnten sich ein Beispiel daran nehmen, wie man nach vier Studioalben und unzähligen Touren noch so erfrischend klingen kann. CLINIC haben es stets vermieden, sich ihrer Karriere zuliebe einem größeren Druck auszusetzen und haben lange vor Radiohead ihre Musik zum freien Download angeboten –bislang ohne großen kommerziellen Erfolg. Auch [i]Do It[/i] wird die Tür zu den Massen nicht aufstoßen, wird die Fangemeinde aber auch nicht enttäuschen. „Die Band klingt wie keine andere“ heißt es über CLINIC. Das hat weiterhin Bestand.

Blackburn und seine Kollegen haben ihren Sinn fürs Abenteuer und Ausprobieren nicht verloren, wissen inzwischen aber genau, wie man ohne lange Umwege ans Ziel kommt. Der Albumtitel wird zum Prinzip: schräge Trompeten, Synthiegebläse, Glockenspiel, Mundharmonika oder Querflöte – irgendetwas Quietschiges, Rauschendes oder Klapperndes wird schon noch untergebracht. Die bizarren Momente fallen aber so beiläufig und nebensächlich aus, dass sich das Geniale im Trivialen erst beim zweiten Hinhören erschließt. Dabei verliert sich nie die Balance zwischen dem Neuen, Unerschlossenen und dem, was schon immer gut, eben CLINIC war. Nur wenn die Platte mit einem majestätischen Glockengeläute ihr eigenes Ende einläutet, wird es noch einmal richtig pathologisch. Aber wie sagt schon das alte Sprichwort: „Die meisten Menschen sterben an ihren Ärzten, nicht an ihren Krankheiten.“ Versuchen wir also nicht, sie zu heilen.

CLINIC
Do It
(Domino/Indigo)
VÖ: 04.04.2008

www.clinicvoot.org
www.myspace.com/clinicvoot
www.dominorecordco.com

Autor: [EMAIL=arne.wellding@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Arne Wellding[/EMAIL]

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