
Leicht irre lacht der Herr, der es sich mitten auf dem Schrottplatz gemütlich gemacht hat. Er ziert das Cover des Albumdebüts der Band DEKADENZA. Diese hatte bisher eine selbstbetitelte EP (2022) sowie die Snake Eyes EP (2023) veröffentlicht. Ihr Frontmann und Cellist RAPHY hat sich nebenbei noch an den letzten beiden ARCH ENEMY-Alben Deceivers (2022) und Blood Dynasty (2025) beteiligt. Das Ziel von ihm und seinen fünf Mitstreitern ist offenbar, ihren Epic Groove Metal weiterzuentwickeln.
Das Titelstück startet mit ordentlich Speed durch. Raphy brüllt sich den Weg frei in einem postapokalyptischen Setting. Die Cello- und Saxophon-Parts fügen sich dynamisch und ausgefeilt in den Track ein, während die E-Gitarre auf einem Heavy Metal-Niveau verharrt.
„Deadman“ hat dann eher Hard Rock-Anleihen, bevor in der Mitte ein kurzer Metal-Part eingefügt wird. Thematisch geht es um die Apathie in der heutigen Welt. Die autistische Haltung im digitalen Strom, ohne noch wirklich einzugreifen, hat Konsequenzen für Herausforderungen wie der Umweltzerstörung. Als Rezept dagegen empfielt die Band, mal wieder ordentlich abzushaken. Tracks wie „Old School Mad“ (zusammen mit JOHANNA KARI von JO BELOW) laden heftig dazu ein. Zum hässlichen Alltagszustand in Deutschland gehört freilich auch noch rassistisches und sexistische Selbstmitleid. Dem schleudert die Band ihren „Teutonic Dance“ entgegen.
Die Streicher-Anteile (bis hin zum Streicher-Stück „My Enemy“) lassen teilweise an Mittelalter-Formationen wie SUBWAY TO SALLY oder Folk-Metal-Bands wie ALESOTRM denken. Die Saxophon-Soli von Raphys Bruder ADRY wie in „Decadent Night“ klingen mitunter nach Darc Circus oder Freejazz und könnten ungeübte Zuhörer auch überfordern.
Als Abschluss-Extras werden ein Cover vom MOTÖRHEAD-Klassiker „Ace Of Spades“, das französische „J’l’aime Beaucoup“ und der Akustiksong „Monday Evening“ verabreicht. Wohl bekomm’s.
Dekadenza
Wasteland
(Timezone)
VÖ: 18.09.2026
Live
18.09.26, Berlin, Rockcity Berlin Festival
10.10.26, Waren, Müritz Metal Attack
05.12.26, Trebsen/Mulde, Lost in Seelsch