Die Ärzte – Hell

Mannomann. Da gibt es ja Menschen, die seit Geräusch (2003) lieber kein ÄRZTE-Album mehr hören, aus Angst, enttäuscht zu werden und die Helden von früher zu verlieren. Und dann gibt es jene, die immer wieder auf neue Perlen hoffen. Das diesjährige Hell hätte die beste Ablenkung von Corona sein können, die im Oktober überhaupt möglich ist. Allerdings mussten Die Ärzte ihre “In The Ä Tonight Tour” für den Dezember 2020 komplett in den Spätherbst 2021 verlegen und dann traten sie auch noch in den Tagesthemen auf, um auf die Existenzprobleme von Musikern in der Pandemie hinzuweisen. Was also haben sie uns mitgebracht?

Einerseits zeigt das Cover eine Band, die als Zombies durchaus in der Postmoderne angekommen zu sein scheint. Waren doch im Video zu „Junge“ (2007) noch die Fans die Untoten und FARIN sang damals von seinem Leben als „Living Hell“. Im neuen Clip zu „Morgens Pauken“, in dem die Band ihr Dauerthema (Punk ist halt kommerzialisiert) zu noch mehr Selbstreflexivität treibt. Schon hier und erst recht im aktuellen Video „True Romance“ gehen sie auf die schöne neue digitale Welt ein. Außerdem kriegt der Trap-Einheitsbrei der heutigen Jugend sein Fett weg („E.V.J.M.F.“).

Andererseits hatte das politisch korrekte Twitter-Publikum auch mit der neuen Platte so seine Bauchschmerzen. Da wird ganz altmodisch Nationalismus mit Liebe („Liebe Gegen Rechts“) bzw. mit Analverkehr bekämpft („Woodburger“). Sowas dürften sogenannte Cis-Männer heutzutage doch nicht mehr singen. Die Ärzte pfeifen drauf und Bela haut noch zusätzlich einen durchdachten Diss gegen Verschwörungsideologen raus („Fexxo Cigol“), die ebenfalls auf Twitter ihren Unsinn verbreiten.

Musikalisch ist Hell ein gar typisch‘ Ärzte-Ding: Trotzdem Farin heutige Gitarristen für langweilig erklärt („Warum spricht niemand über Gitarristen?“), gibt er einiges auf Soli. Er räkelt sich mal wieder geistig und poppunkig auf dem „Westerland“-Strand („Das letzte Lied des Sommers“), während Bela dem Oi! nicht ganz so seinen Respekt zollt („Alle Auf Brille“). Das poppige „Ich am Strand“ ist dagegen eine der Solo-Farin Urlaub-Selbstumkreisungen und mit „Polyester“ hat auch Rod nochmal einen ordentlichen Auftritt.

Insgesamt ist Hell deutlich unterhaltsamer als das langweilige auch (2012), kommt aber noch nicht an das detailverliebte Geräusch heran. Ein bisschen so wie Jazz Ist Anders (2007).

 

Die Ärzte
Hell
(Hot Action/Universal)
VÖ: 23.10.20

www.bademeister.com

Live

30.10.2021, BERLIN, Max-Schmeling-Halle
31.10.2021, BERLIN, Max-Schmeling-Halle
02.11.2021, FRANKFURT/M., Festhalle
03.11.2021, FRANKFURT/M., Festhalle
09.11.2021, HANNOVER, TUI Arena
10.11.2021, HANNOVER, TUI Arena
11.11.2021, BREMEN, ÖVB Arena
15.11.2021, LEIPZIG, Arena
16.11.2021, LEIPZIG, Arena
18.11.2021, KÖLN, Lanxess Arena
26.11.2021, CHEMNITZ, Messe Chemnitz
28.11.2021, ERFURT, Messe
30.11.2021, DORTMUND, Westfalenhalle 1
01.12.2021, DORTMUND, Westfalenhalle 1
02.12.2021, DORTMUND, Westfalenhalle 1
05.12.2021, HAMBURG, Barclaycard Arena
06.12.2021, HAMBURG, Barclaycard Arena
08.12.2021, STUTTGART, Schleyer-Halle
09.12.2021, STUTTGART, Schleyer-Halle

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