DIE KRUPPS + LLUTHER + UNDERGOD am 29.01.2006 im Kato


Gruppensaunieren im Restschnee oder ein Sonntagsspaß für die ganze Familie.


Im hoffnungslos überfüllten Kato drängten sich EBM-, Industrial- und Gitarrenfanatiker aller Altersschichten, um die musikalischen Helden mehrerer Generationen in Aktion zu sehen. Nach über 25 Jahren DIE KRUPPS ist so ein Ausspruch wohl mehr als angebracht, denn kaum eine Band hat in diesem Genre so spürbare Fußabdrücke hinterlassen wie die gestandenen Herren um JÜRGEN ENGLER.

Dem fleißigen Konzertbesucher stellten sich jedoch nach Einlassbeginn zunächst andere Herausforderungen:
Erste Aufgabe des Abends war es, sich mit Mühe und Not ein Getränk und einen Standplatz in der bis zur Garderobe reichenden ersten Reihe zu sichern.
Nach etwa 30 Minuten war dieses Unterfangen beendet und die volle Konzentration galt dem mit UNDERGOD beginnendem Vorprogramm.

UNDERGOD sind eine im Industrial- / Alternativerock angesiedelte Formation aus der Schweiz. Hierzulande gehören sie noch nicht wirklich zu den Bekanntesten und werden wohl noch ein bisschen brauchen, um an die Verkaufszahlen von DIE KRUPPS heranzukommen. Dennoch muss man klar sagen: Das Zeug dazu haben sie allemal.

Natürlich hatten UNDERGOD, dem Anlass angemessen, neues Material dabei. Killove heißt der Ende Februar veröffentlichte neue Ohrenschmaus der Schweizer. Mit ‚buy love / sell hate‘ gelang der Formation um Frontmann THOMMY BAUMGARTNER der Einstieg von 0 auf 100: Kräftig dröhnende elektronische Bässe, kreischende Gitarren und Vocals. Im Ganzen ergab sich ein energetischer und mehr als überzeugender Sound. Was will man mehr.
Einzig irritierendes Moment an der Geschichte waren ein paar Kreuzberger Urgesteine am Bühnenrand, die leicht angeheitert mit Winkelementen schwenkten.

Weitere in Erinnerung gebliebene Highlights waren ‚Devil in me‘ und (um den Ortsbezug wieder herzustellen) ‚Berlin‘. Schade nur, dass auch schöne Momente irgendwann vorüber gehen.

Zusammenfassung: Nur zu empfehlen … lange nicht mehr so positiv überrascht gewesen.

Nach einer recht kurzen Umbaupause ging es weiter mit LLUTHER, also gedanklich ab über den kleinen Teich nach Irland, wo die Formation um Frontmann und Allesmacher GERRY OWENS beheimatet ist. Da sich das eh schon verstopfte Kato noch weiter füllte, hatten es die Winkelementesträger in den ersten Reihen zunehmend schwerer. Was auch immer ich damit sagen will.

Will man LLUTHER stilistisch mit anderen Bands vergleichen, wird dabei wohl so was rauskommen wie „genailte Pumpkins“, also irgendwas zwischen krank, aggressiv und melancholisch.

Von meinem Standort in der ersten Reihe aus hatte ich den Eindruck, dass GERRY OWENS kurz vor dem Ableben war, so wie sich seine Stimme gerade beim Titel ‚fixer‘ überschlug. Aber das war nicht der Fall. Stattdessen gab es präzise rockige Klänge in einer schon etwas getrageneren Atmosphäre als bei UNDERGOD.

Leider beschränkten sich LLUTHER bei ihrer Songauswahl im Wesentlichen auf Songs des Albums Agents of Empires. Das ist nicht unbedingt negativ gemeint, aber mit ‚people is ugly‘, ‚Agents of Empires‘, ‚fixer‘ und ‚Father of lies‘, waren es dann schon fast 50 Prozent des aktuellen Albums.
Einen Positivrekord stellten LLUTHER durch die wohl jüngsten Groupies des Abends.

Zusammenfassung: Schickes Konzert, aber nicht ganz so dynamisch wie UNDERGOD.

Für einen etwas längeren Moment kehrte Ruhe ein, und die Menge erkämpfte sich frei nach dem Motto „Wahre Arbeit, Wahrer Lohn“ Erfrischungen an der Bar.
Voller Spannung fieberten die Anwesenden darauf den KRUPPS entgegen.

Der Beifall war groß, als DIE KRUPPS endlich die Bühne erklommen. Klar sieht man ENGLER, DÖRPER und ESCH ihr zunehmendes Alter inzwischen an, aber das heißt nicht, dass ein musikalisches Schonprogramm gefahren wurde. Im Gegenteil: Verstärkt durch ZÜRCHER und RÖHL wurde ein Ausflug quer durch die 25-jährige Bandgeschichte unternommen. Das Resultat konnte sich mehr als hören lassen. Von ‚Alive‘ über ‚Germaniac‘ zu ‚Crossfire‘ und ‚Black Beauty White Heat‘ war es einfach unglaublich, wie die Fans mitgerissen wurden. Nur selten sieht man so altersgemischte Tanzkessel entlang des Bühnenrandes.

Die geniale Stimmung sah man RÜDIGER ESCH an der Nasenspitze an. Mit einem fetten Grinsen im Gesicht stand er am Bühnenrand und genoss die Atmosphäre. JÜRGEN ENGLER hingegen bewies auf ein Neues seine Showmasterqualitäten. Eben hangelte er noch auf den Bühnenaufbauten umher, plötzlich hämmerte er zu Songs wie ‚Machineries of Joy‘ auf Metallrohren herum. Seine Kommunikation mit dem Publikum war einfach unglaublich.

In diesem Feuerwerk der Erinnerungen und Gefühle durften natürlich auch Songs wie ‚To The Hilt‘ und ‚Fatherland‘ nicht fehlen. Im inzwischen zur Sauna mutierten Kato präsentierten DIE KRUPPS zum Erstaunen vieler auch neueres Material, wie ‚Der Amboss‘, das in Zusammenarbeit mit CLIENT entstand, und ‚5 Millionen‘.

Ziemlich erschöpft, aber überglücklich verließen wir, wie die Mehrheit der Gäste, am Ende des Konzertes das Kato.

Im Gesamtbild ein unglaublich guter, gern zu wiederholender Konzertabend.

Mehr Fotos gibt’s in der Rubrik „Live Fotoshow“ …

[URL“>http://www.dkay.de
[URL“>http://www.lluther.com
[URL“>http://www.undergod.net

Foto: © Alexander Lorenz
Autor: [EMAIL=christoph.albrecht@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Christoph Albrecht[/EMAIL]

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