DOCKVILLE Festival // 14. – 16. August // Hamburg Hafen (Elbinsel Wilhelmsburg)


Ein Potpourri der guten Laune.



Liebe Daheimgebliebene oder anderweitig Verreiste,

da waren wir nun also beim DOCKVILLE gelandet, das vom 14. bis 16. August nach Wilhelmsburg einlud. Mitten in den Hamburger Docks gelegen, hieß es erstmal einen Parkplatz zu erkämpfen, was mit viel Glück sogar funktioniert hat und zwar – entgegen der Vorankündigungen, Parken am Gelände wäre „eher schlecht“ – sogar quasi direkt vor dem Tor. Ebenfalls vor diesem Tor hatte sich bereits eine kleine Menschentraube gebildet, die am Freitag gespannt auf die Öffnung wartete und Einlass begehrte. Der allerdings verschob sich um eine knappe Stunde auf 13 Uhr, ging dafür dann aber umso schneller vonstatten. Sehr löblich. Und hatte man erstmal die lange Straße mit all dem Gepäck bewältigt, konnte die Entspannung auch schon fast beginnen.

Der Campingplatz lag eingebettet zwischen Bäumen und Büschen auf einer saftig grünen Wiese, flugs waren die Zelte aufgeschlagen und die Klappstühle positioniert. Schließlich mussten erstmal noch die müden Glieder entspannt und einige Stunden bis zum Programmbeginn rumgebracht werden. Beinahe hätten wir uns ob der Idylle sogar festgesessen, es aber doch gerade noch rechtzeitig auf das eigentliche Festivalgelände geschafft. Dieses bestand zum einen aus einer leicht hügeligen Sand- und Graslandschaft mit Haupt-, Dorf- und Zeltbühne, zum anderen aus der Hallenbühne, die nach einem kurzen Fußmarsch in die andere Richtung zu erreichen war. Dazwischen, quasi direkt vor der Zelttür, lagen das sogenannte Duschcamp sowie andere Erfrischungs- und die üblichen Erleichterungsmöglichkeiten. Wasser von oben übrigens für 2 Euro, je nach Uhrzeit plus Wartezeit oder ohne. Macht nichts, dafür waren sie überaus sauber und die netten Angestellten stets mehr als bemüht, ob es nun um das Anreichen von flauschigen Klopapierrollen ging oder einfach nur ein kurzes Gespräch.



Doch zurück zum Gelände, denn dort spielten ja bereits die ersten Bands. BLACK BOX REVELATION zum Beispiel oder TURBOSTAAT auf der Hauptbühne. Beide mussten sich zwar noch mit einer verhältnismäßig dünn besetzten Zuschauerwiese begnügen, gaben aber nichtsdestotrotz ihr Bestes. Und dann war es auch schon Zeit für Herrn Wolf, PATRICK WOLF. Der junge „Multiinstrumentalist“ aus England hatte ja am Tag zuvor beim C/O POP wohl einen nicht ganz so guten Auftritt (hust), beziehungsweise eine geringfügige Meinungsverschiedenheit mit den Veranstaltern. Hat ihn aber bei uns auf dem DOCKVILLE nicht im geringsten davon abgehalten, ordentlich und in altbekannterweise Weise, sowie fein herausgeputzt wie immer, über die Bühne zu fegen und das inzwischen doch verdichtete Publikum mit seiner Mischung aus Folk, Electro und… äh, Wolfmusik zu begeistern. Nicht zu vergessen natürlich das tierische Entblättern im Zuge des Sets, vom Union Jack-Einteiler in grau hin zum flotten.. ja, was war’s denn eigentlich? Naja, man muss nicht alles ergründen – und es ging schließlich auch um die Musik.

Die haben wir danach auch bei den inzwischen alten Tour- und Festivalhasen von SUPER 700 genossen. Hübsch ausgeleuchtet, wenn auch teilweise in ziemlich dichten Nebelschwaden verschwindend, konnte die gut gefüllte Hallenbühne zu den Klängen von ‚Lovebites‘ schunkeln oder wahlweise auch mit dem Fuß wippen. Dies tat man sogar so ausgiebig, dass sich die Band um die überaus charmante Sängerin Ibadet Ramadani nicht lumpen ließ und auch noch eine Zugabe anhängte, bevor sie sich unters Publikum mischte, um ihren Merchandise an Mann und Frau zu bringen.



Super 700

Wir allerdings machten uns auf den Weg zum nächsten Termin, und der hatte es in sich. TURBONEGRO riefen zum Gefecht auf der Hauptbühne, und holla – da flogen die Fetzen! Zwar sah man, im Vergleich zu beispielsweise anderen Festivals, verhältnismäßig wenige Vertreter der sagenumwobenen Turbojugend, die Anwesenden allerdings sprühten so vor Elan, dass es bei weitem genügte, um einen wild hin- und herwogenden Pulk vor der Bühne zu erzeugen. Das war uns dann doch etwas zu heiß, und so beobachteten wir das Spektakel um Hank von Helvete („Hank aus der Hölle“) und seine irren Mannen aus verletzungssicherer Entfernung und lauschten Weisheiten wie „Die Realität ist kein Spaß“. Ach nein? ..Hm. Realität war dann jedenfalls auch, dass mit den norwegischen Jungs Schluss war auf der Hauptbühne. Zwar bot sich auf den anderen noch reichlich Nachtprogramm, dies fiel letztlich aber doch der Erschöpfung des ersten Tages zum Opfer.

Am nächsten Tag stand zunächst VOLTAIRE auf unserem Programmzettel, die sich trotz sengender Mittagshitze adrett gekleidet in Hemd und Jeans auf der Dorfbühne einfanden und allen Beteiligten Schweißperlchen auf die Stirn spielten. Auf der verzweifelten Suche nach einem kühleren Plätzchen und weil es bisher auch eindeutig zu kurz gekommen war, begannen wir anschließend endlich das Gelände zu erkunden – und da gab es nun wirklich reichlich zu entdecken!

Von einer überdimensionalen Holzkugelkonstruktion, die einfach mal mehr oder weniger zusammenhanglos über die Straße gerollt werden konnte (der Sinn hat sich nicht ganz erschlossen… moderne Kunst eben?), über ein Häuschen im rustikalen Stil, das in diversen Zimmern zu Klangexperimenten einlud, bis hin zu Schaukeln und Wippen (ebenfalls natürlich stets tonerzeugend, sodenn Knarzen bei der Schaukel gilt) – Langeweile kam definitiv nicht auf. Wer sich beschäftigen wollte, der hatte alle Hände und Füße voll zu tun. Und für all jene, denen das mehr als fantastische Wetter doch so sehr zusetzte, dass Bewegung zur Qual wurde, fanden sich Ess-, Trink- und Kaufbuden, sowie ein Biergarten und Chill-Out-Zelt, die für die nötige Erholung sorgten und zusammen mit dem – später auch wunderschön ausgeleuchteten Dockpanorama – ein verzaubertes Lächeln auf so manches Gesicht zauberten.



Wir landeten schließlich rechtzeitig zu den hierzulande leider noch relativ unbekannten GLINT, die bereits auf der Hauptbühne Position bezogen hatten, unter einem Baum und genossen den bunten Mix aus Electronic, Experimental, New Wave und Rock. Ein weiteres „leider“ reihte sich aber umgehend ein, nämlich in Form von – auch später stetig wiederkehrenden – Soundproblemen, die schließlich nach einem kompletten Ausfall der Lautsprecher zu einem vorzeitigen Aus für das Gespann aus New York führte. Wirklich schade, da das, was noch gespielt wurde, mehr als vielversprechend klang.

Die nächsten Bands standen aber bereits im Anschlag, es folgten unter anderem I-FIRE, WINTERSLEEP, GOOD SHOES und die gestandenen Herren von ELEMENT OF CRIME, bevor WHITEST BOY ALIVE das große Samstagsfinale auf der Mainstage einläuteten: MGMT gaben sich und den in den Docks anwesenden Musikfreunden die Ehre und spielten als Headliner gewohnt souverän ein fantastisches Set. Dass spätestens zu diesem Zeitpunkt die Wiese bebte und die Veranstalter des DOCKVILLE ein „ausverkauft!“ vermelden konnten, dürfte da nicht überraschen. Mit glühenden Bäckchen, ob wegen der Sonne oder den Konzerten lässt sich nicht mehr sagen, fand unser Tag letztlich noch seinen krönenden Abschluss mit FRITTENBUDE in der Hallenbühne, wo zu wirrem Elektropunk der Mob tobte und das inzwischen gut gebräunte Tanzbein schwang.



MGMT

Auch am letzten Tag ließ sich die Sonne nicht lange bitten (wer hat eigentlich das Gerücht in die Welt gesetzt, in Hamburg gäbe es nur Schietwetter?) und lud die versammelte Restgemeinschaft – Schwund im Vergleich zu Samstag lässt sich nicht leugnen, Tageskartenverkauf sei Dank – ein, noch einmal die letzte Energie aus den müden Knochen zu quetschen. Ob nun zu MIKROBOY, die bezaubernderweise ihren Merchandise vorne an die Bühne gepinnt hatten, aber unglücklicherweise wie ihre Kollegen von GLINT mit Soundproblemen zu kämpfen hatten (dies aber mehr als charmant überbrückten). Oder I AM AUSTIN, dem walisischen Duett, dessen Bassist Adam „Stumpy“ Hughes so herzerweichend jung aussieht, dass man ihn am liebsten erstmal in den Arm nehmen und drücken möchte, und der später noch am Merchandisestand gesichtet wurde, wo er ein Festivalshirt erworben und gleich mit Stolz getragen hat. Oder VINCENT VAN GO GO, oder PANTÉON ROCOCÓ, oder zu den BLACK LIPS, oder oder oder.



I Am Austin
Über mangelnde Auswahl konnte man sich jedenfalls das ganze Festival über nicht beschweren, und wer dann noch nicht an einem schattigen Plätzchen eingeschlafen war, durfte sich schließlich über das Sonntagsbonbon freuen: KETTCAR hatten Heimspiel. Vor einem atemberaubenden Sonnenuntergang neigte sich das DOCKVILLE seinem wohlverdienten Ende zu, während Marcus und Lars Wiebusch, Reimer Bustorff, Erik Langer und Frank Tirado Rosales, unterstützt von kleinen Anekdoten zu ihrer Heimat Wilhelmsburg, aus den „besten Hits, die wir jemals geschrieben haben“ schöpften und mit nur fünf Worten unsere drei Tage Urlaub mit Musik und Kunst perfekt zusammen fassten: „ein Potpourri der guten Laune“.



Kettcar

Das war es, in der Tat! Und wenn die Veranstalter verkünden, dass nächstes Jahr alles noch schöner und noch besser werden soll, da merkt man sich das DOCKVILLE 2010 doch schon mal mit einem roten Herzchen in seinem Kalender vor. Wir sind jedenfalls mit einer Abschieds- und einer Freudenträne im Knopfloch erstmal wieder nach Hause gefahren und sind glücklich, dass wir dieses Kleinod entdeckt haben.

Fotoshow folgt!

www.dockville.de

Autor: [EMAIL=verena.gistl@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Verena Gistl[/EMAIL]

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmailFacebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmail