Mew – No More Stories

Mew - No More Stories

Das Trio von MEW mag es ausladend. Das gilt nicht nur für den vollständigen aktuellen Albumtitel No More Stories are told today I’m sorry they washed away No More Stories the world is grey I’m tired let’s wash away. Bereits zum fünften Male wird so viel Großes und Kleines in eine CD gestopft, dass man als Hörer lange braucht, um das alles zu entdecken und zu entschlüsseln – rätselhafte Musik für die Rätsel des Lebens.

MEW gründeten sich 1995 im dänischen Hellerup und zeigten schon zwei Jahre später mit dem Erstling A Triumph For Man, welches Potenzial in ihnen steckt, beziehungsweise in ihren Indie-Rock-Songs. Bis auf Bassist JOHAN WOHLERT, der die Band 2006 verließ, blieb das Line-Up bis heute unverändert: JONAS BJERRE (Vocals, Gitarre), BO MADSEN (Gitarre) und SILAS GRAAE (Drums). Für die Arbeit an ihrem neuen Prog-Pop-Album holten sie sich Produzent Rich Costey (GLASVEGAS, MUSE, INTERPOL u.a.) an die Regler.

Schon beim ersten Durchhören wird klar, dass man sich auf einen Stil festgelegt hat. Die anscheinende Einheit der Tracks wird allmählich durch längere Pausen, Melodien und kurze Intermezzi aufgebrochen. Anders als es der Titel des ersten Stücks nahelegt, begibt sich die Band also nicht auf ‚New Terrain‘, allenfalls in neue ruhigere Klanggefilde. Der herrlich asynchron arrangierte Auftakt stellt Elektronik und die MEW-Vorliebe für Stimmengewirr dar.

Die Single ‚Introducing Palace Players‘ geht locker voran und stellt mit schnurrenden Synthies und Gitarren die eigentümliche Song-Methode von MEW vor: Die Songs scheinen hin und herzukippen, während sich die Mitte mit allerhand Stilelementen füllt. Das kann dann je nach Laune mal post-rockig aneinandergereiht wirken (‚Cartoons And Macramé Wounds‘) oder gar wie Shoegazer oder auch loungig. Plötzliche Riffeinlagen, wie man sie von den Vorgängeralben kennt, sind selten geworden. Weiterhin wird jedoch hauptsächlich in Falsett etwa eine Freundin besungen (‚Repeaterbeater‘) und natürlich in Duetten oder Chören.

Ein Beispiel für den Bombast, den MEW aufzufahren gewohnt sind, ist ‚Sometimes Life Isn’t Easy‘: Synthesizer + Klatschen + Schellen + Drums + Kinderchor + die Avantgarde-Sängerin MARI HELGERLIKOVA mit ihren 88 Jahren. Wer ungerecht werden wollte, könnte sagen, dass die songorientierteren Stücke wie das traumhafte ‚Silas The Magic Car‘ oder ‚Tricks Of The Trade‘ nicht so von Füllsel erdrückt werden. Die Kunst an solch einer Musik besteht wohl darin, Songstopps, Instrumentauswahl und Textpassagen nicht willkürlich erscheinen zu lassen. Das gelingt den Dänen gut.

MEW live in Berlin am 29.10.09 im Lido

MEW
No More Stories
(Sony Music/ Columbia)
VÖ: 21.08.2009

www.mewsite.com
www.myspace.com/mew

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