Drangsal – Zores

Drangsal - Zores - Cover

Zwei Jahre nach dem Debüt Harieschaim erscheint endlich das lang erwartete zweite Album von DRANGSAL. Dessen Titel Zores ist ein pfälzischer Ausdruck für Streit, Ärgernis oder eine asoziale Gruppe von Menschen. Er schafft somit die Erwartung an eine Platte, die von Wut durchzogen ist. Doch wie schon auf dem Erstling erzählen auch die neuen Lieder vorrangig Geschichten von Liebe: zu anderen, zu sich selbst, zu Geschwindigkeit, zur Ferne. Während die erste Platte fast ausschließlich englischsprachige Titel enthielt, ist die zweite eine Ansammlung von überwiegend deutschsprachigen Stücken. Die Post-Punk-Wellen von vor zwei Jahren schimmern noch durch, aber die damit verbundene Nostalgie scheint aufgearbeitet. Die Songs sind auf den ersten Blick eher der Popmusik zuzuschreiben, klingen klarer.

Bezogen sich Vergleiche beim Debüt noch auf THE CURE und DEPECHE MODE, so wurde bereits die erste Singleauskopplung „Der Turmbau zu Babel“ dem frühen FARIN URLAUB gegenübergestellt. Mag diese Parallele zwar nahe liegen, wirkt sie dennoch überholt und träge – Attribute, die auf die Titel auf Zores nicht zutreffen. Darauf macht der Texter und Sänger MAX GRUBER selbst von Anfang an aufmerksam, beginnt doch das Album mit der aktiven Aufforderung „Schaut mich an!“ („Eine Geschichte“) und berichtet von Weiterentwicklung. Gleichzeitigt erweist DRANGSAL Ehre, wem Ehre gebührt. So erinnert der zweite Titel „Jedem das Meine“ an „Cars And Girls“ von PREFAB SPROUT. Ebenso ist er noch immer stark in seiner Heimat verwurzelt: Der Titel „Gerd Riss“, benannt nach dem Motorrad-Weltmeister des Motorsportvereins Herxheim, stellt eine Hommage an die Pfälzer Wurzeln dar. Obwohl die Alben unterschiedlich klingen, kann sich DRANGSAL selbst nicht ganz von Harieschaim lösen. In „Und Du? (Vol. II)“ zitiert sich GRUBER immer und immer wieder selbst. „Love Me Or Leave Me Alone“ aus dem Debüt wird hier zu „Lieb mich oder lass mich in Ruh“, und auch Inhalte aus „Do the Dominance“ und „Wolpertinger“ finden sich in dem Stück wieder.

Grubers Stimme klingt auf dem Album erwachsener und gereifter. Besonders deutlich wird der Fortschritt beim Stück „Magst Du Mich (Oder Magst Du Bloß Noch Dein Altes Bild Von Mir)“. Das Lied stellt die Frage: „Gibt es denn schlimmere -sale als mein Schick- oder die Drang-?“ Die Antwort: „Ich fang am besten noch mal von Anfang an.“ Die Weiterentwicklung der Musik schlägt sich somit direkt im Stück nieder. „Laufen Lernen“ sowie der erste englischsprachige Titel „Arche Gruber“ holen schließlich die gewohnten 80er-Töne wieder zurück. Und am Ende steht der Lärm: Das Album schließt mit „ACME“, einem ebenfalls englischsprachigen Stück. Der Titel leitet sich vom griechischen Wort für Höhepunkt oder Zenit ab und stellt eben jenen dar. Getragen wird das Lied von reduziertem Gesang, lauten Gitarren und schrillen Violinen. Ein gelungener Ausklang, der vor allem über Kopfhörer einen famosen Eindruck hinterlässt und Gänsehaut erzeugt.

Bei allem Lob sei noch gesagt, dass Zores ähnlich wie Harieschaim stellenweise etwas übersteuert klingt. Die zahlreichen Spuren in „Jedem Das Meine“ scheinen sich gegenseitig fast zu überschlagen. Doch ist die Platte eine gelungene Mischung aus bekannten und neuen Tunes: DRANGSAL ist sich treu geblieben und hat sich zugleich weiterentwickelt. Und während „Weiter nicht“ Kritik an aktueller, kommerzieller Musik übt („Die heutige Musik, ein Parasit für die Hirne der Republik / Sie ist nicht mehr das, was sie früher war“), siedelt sich Zores dort ebenfalls an. Letztlich lässt sich eben am besten das an anderen kritisieren, was man selbst kennt und kann.

DRANGSAL
Zores
(Caroline International)
VÖ: 27.04.2018

www.drangs.al

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