DUKE SPECIAL + MAXIMILIAN HECKER am 19.03.2007 im Lido

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ELTON JOHN meets ROBERT SMITH.



Gemütlich sieht es an diesem Abend im Lido aus. Zwei Reihen Kinostühle nebst Tischen stehen im hinteren Bereich des Zuschauerraums. In den Pausen ist das ein gemütlicher Rückzugsort, wer aber während der Konzerte auf einen Sitzplatz beharrt, muss eine Sichtbe- bzw. -verhinderung in Kauf nehmen. Nun ist der Berliner Konzertgänger aber gar nicht dumm und denkt sich: MAXIMILIAN HECKER, da darf man auch sitzen. Also ab in die vorderen Reihen und auf den Boden platziert.
Von dort sieht man einen wie immer sympathischen aber irgendwie auch distanzierten MAXIMILIAN HECKER. Er redet viel, gern auch (wohl wissend) Unsinn, was er damit sagen will, bleibt aber meist offen. Dafür lässt er seine Musik sprechen. Die stammt fast ausschließlich vom neuen Album [i]I’ll Be A Virgin, I’ll Be A Mountain[/i] und ist von gewohnt melancholischer Natur. In Berlin hat er natürlich ein Heimspiel und macht seine Späße mit dem Supportstatus und der nicht ganz wahrheitsgetreuen These, dass niemand hier ihn kenne, beziehungsweise gar wegen ihm da sei. In anderen Städten mochte das gestimmt haben, heute steht es aber etwa 1:1 zwischen seinen Fans und denen von DUKE SPECIAL.

Dieser DUKE SPECIAL ist ein komischer Kauz. Rein vom Optischen spaziert er, geschminkt und mit Dreads, irgendwo zwischen Hippie, Reggae und Gothic. Und was macht er für Musik? Ausgeklügelten Songwriterpop mit allerlei Anleihen, die das gesamte 20. Jahrhundert einschließen. Mal sitzt er dabei am Piano, mal ist er eher dem Akkordeon zugetan. Und das Ganze in einer Perfektion, dass jedes Konzerthaus ihn ohne Bauchschmerzen als Hochkultur buchen könnte.
Live wird aus dem Solo-Projekt von PETER WILSON ein noch bunteres Quartett mit BEN HALES am E-Bass, RÉA CURRAN an Saxophon bzw. Klarinette und Schlagzeuger CHIP, der laut Bio auf einem Flohmarkt aufgegabelt wurde und wie eine Mischung aus Beethoven und Shakespeare aussieht, während er auch gern mal mit einem Schneebesen die Becken und Felle bearbeitet.

Mit VAL ROSINGs ‚Teddy Bear’s Picnic‘ als Intro betreten die vier Iren die Bühne – man kann es kaum sympathischer und harmloser machen. Nach dem noch unveröffentlichten ‚Love Is Connection‘ kommt mit ‚Brixton Leaves‘ gleich eines der Highlights seines bisher einzigen Albums [i]Songs From The Deep Forest[/i]. Das Publikum ist sofort von Darbietung und Ausstrahlung der Herren auf der Bühne gefesselt, keiner sitzt mehr, und vor der Bühne ist es jetzt ziemlich voll.

Die ersten Töne von ‚Last Night I Nearly Died‘ verursachen einen Jubelsturm der Menge, lief dieser Song doch ziemlich häufig im Radio und ist daher so etwas wie sein großer „Hit“. DUKE SPECIAL besticht aber nicht nur mit seinen fantastischen Songs, sondern ist auch ein ganz passabler Entertainer. So erzählt er zum Beispiel über den Besuch des Kaffee Burger am Vorabend, bei dem die Band eine Polonaise vollführt und den DJ mit Reggae-Wünschen bombardiert haben soll.
Mit ‚Salvation Tambourine‘ verabschieden sich die vier in dem Wissen, dass das Publikum sie definitiv noch nicht gehen lässt, von der Bühne. Einiges Getöse Später kommt der DUKE allein zurück, um eine Coverversion des YEAH-YEAH-YEAHS-Songs ‚Maps‘ zum besten zu geben. Nach ‚Drink To Me Only‘ und ‚I Let You Down‘, bei dem Schlagzeuger CHIP wie von der Tarantel gestochen auf der Bühne umher rast und an seinem selbst kreierten Stock mit Waschbrett, Glocken, Schellen etc. wirbelt, beenden DUKE SPECIAL und Band das Konzert mit JIMMIE DAVIS‘ Klassiker ‚You Are My Sunshine‘, für das die Band die Bühne verlässt und mitten im Lido, unplugged und vom Publikum umzingelt ein etwas hippieskes Gruppenerlebnis erzeugt. Jeder ist herzlich willkommen mitzusingen, und das Gros der Besucher folgt der Einladung.

Und dann haben wir sie wieder, die Polonaise. Im Entenmarsch spazieren die vier Musiker unter tosendem Beifall aus dem Saal. Ein fulminanter Abschluss eines beeindruckenden Konzertes.

Übrigens: Wer nicht dabei sein konnte, DUKE SPECIAL aber trotzdem gerne mal live sehen möchte, sollte sich das Konzert im Amsterdamer Paradiso, das neun Tage zuvor aufgezeichnet wurde, auf www.dukespecial.com
www.maximilian-hecker.com
www.lido-berlin.de
www.de.v2music.com

Autor: [EMAIL=alexander.eckstein@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Alexander Eckstein [/EMAIL]

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