
Es war einmal in Berlin. Da erspielte sich in Berliner Clubs gerade eine junge Psychodelic Rockband den Titel eines Underground-Tipps: THE VIRGIN TONGUES. Es war 2008, da setzte das Trio unter anderem für Popmonitor das damals noch existierende NBI in der Kulturbrauerei in Brand. Die Gruppe hatte sich um DUNCAN MCKNIGHT gebildet, einen Singer/Songwriter und Multi-Instrumentalisten aus Kalifornien, der mit 18 in die deutsche Hauptstadt gezogen war. Dann der Schock: 2009 erlitt er einen tragischen Unfall und fiel sogar ins Koma. Familie und Freunde halfen ihm wieder auf die Beine. Mit ihnen erarbeitete er sich in den kommenden Jahren den Weg zurück ins Leben. Inzwischen wohnt er in San Miguel de Allende (Mexiko) und betreibt dort die Band SOFT INVASION. Nun bringt er eine 21 Tracks starke Sammlung von Titeln heraus, die seine Bands und er solo aufgenommen haben.
Wer sodann Tracks wie „Who Cares Right Now“ hört, erahnt was für eine Stimmgewalt Duncan einst besaß, was für ein Potential seine Virgin Tongues. Unter den ausgewählten Titeln befindet sich nicht nur ihr kleiner Hit „Six Feet Underground“, sondern auch instrumentale Hippielieder wie „The Caterpillar“.
Weitaus getragener und düsterer stellen sich die Titel von Soft Invasion dar: Das siebeneinhalb Minuten lange „The Witch“ ist eine Art Meditation über die verräterische Liebe mit tiefer Stimme in einem melodiösem Bad, dazu vereinzelt wieder die 60s-Gitarren. Wer Musik im Stile der Virgin Tongues oder anderer Psychodelic-Bands sucht, höre mal „Abandon Planet“ oder „Trip Guide“. McKnight hat nichts von seiner Kreativität verloren.
Und was macht er in der letzten Zeit solo? „House Of Belle Terrace“ ist ein einfaches Banjo-Stück. „High Hopes“ bedient sich mit Akustik- wie auch E-Gitarre eher am Americana. „Feel Like Dyin'“ ist ein wunderbar trauriges Lied. Und „Walk Into The Fire“ scheint eine Rockvariante von KRAFTWERKs „Computerliebe“ zu sein.
Das ist beeindruckend: Ein halbes Leben erstreckt sich hier, von einem, der nicht aufgegeben hat.
Duncan McKnight
Momentary Leave. A Collection
(Selbstvertrieb)
VÖ: 12.06.26