DUNKELROT – Berliner Act des Monats Mai 2007


„Wenn man was bei den Hörern auslösen will, muss man auch bereit sein, etwas von sich zu geben, etwas riskieren.“ DUNKELROT im Interview.



DUNKELROT sind KLAUS MERTENS (Gesang, Gitarre), MIKE STRAUSS (Hammond, Klavier), STEPHAN DAHLEM (Bass, Chor) und THOMAS VOELKER (Schlagzeug) und haben just ihr erstes Album Ich brauch mehr Zeit veröffentlicht.

Der musikalische Fokus von DUNKELROT, die sich Anfang 2004 formierten, liegt, nicht zuletzt durch den Orgelspieler MIKE STRAUSS, stark auf den 60er Jahren. Sein satter Hammondsound lässt Erinnerungen an Booker T. & The MG’s, die Small Faces oder auch die Prisoners wach werden. Gepaart mit dem Gesang von KLAUS MERTENS, dessen deutsche Texte nicht vor großen Gefühlen zurückschrecken (‚Wer mehr liebt, muss mehr leiden‘), ergibt sich eine sehr eigene Mischung.

Ich brauch mehr Zeit ist ein überaus gelungenes Debut voller deutschsprachiger Pop-/Rockperlen, geschmackvoll arrangiert und produziert, zeitlos, detailverliebt und unverkrampft zugleich. Anlässlich der Albumveröffentlichung sprachen wir mit KLAUS MERTENS über musikalische Referenzen, deutsche Texte in der Popmusik und die Zukunftspläne von DUNKELROT.

BiB: Glückwunsch zum ersten DUNKELROT-Album! Ich hoffe, das Record Release-Konzert im Bang Bang Club am 21.04.2007 verlief erfolgreich und zu Eurer Zufriedenheit?! Wie lange habt Ihr (die Frage liegt bei diesem Titel nahe) an Ich brauch mehr Zeit insgesamt gearbeitet? Könnt Ihr in diesem Zusammenhang die Bandgeschichte von DUNKELROT für unsere Leser kurz und bündig zusammenfassen?



Ja, das Bang Bang Club Konzert war super. Ist auch auch ein sehr schicker neuer Laden.
Wie lange wir an dem Album gearbeitet haben, ist nicht so leicht zu beantworten. Im Studio waren wir insgesamt 10 Tage, wobei Holger und Marco, die Männer an den Reglern, zum Glück nicht so genau auf die Uhr gesehen haben. Der Albumtitel meint unter anderem eher, dass ich dieses Album schon seit Jahren im Kopf hatte. So gründete sich die Band um den Wunsch Songs, die ich in der Schublade hatte, endlich zu Gehör zu bringen. Es war halt leider nicht so einfach die richtigen Musiker für diese Art Musik zu finden. Besonders Hammondspieler gibt’s nicht wie Sand am Meer. Irgendwann bat ich Mike Korbik eine Musikersuchanzeige in sein Flyer-Zine „Guitars Galore“ zu setzen. Darauf hin meldeten sich Mike und unser erster Schlagzeuger. Das war Anfang 2004. Wir haben dann recht schnell unser erstes Konzert im Zosch gespielt.

BiB: Was bedeutet die Band für Euch? Ist sie mehr als ein intensives Hobby? Strebt Ihr einen Plattendeal an oder ist das alles (noch) weit weg?

Jetzt noch auf eine Musikerkarriere zu hoffen, wäre doch arg naiv. Für mich persönlich war das mal der Plan, aber das ist lange her. Wir haben bürgerliche Berufe und da bleibt nicht immer so viel Zeit zum Musikmachen und Songs schreiben, wie man gerne möchte. Da haben wir übrigens die zweite Bedeutung des Albumtitels! Auch wenn ich selbst aus Spaß den Begriff Hobbyband benutze, sind wir alles andere als das. Unsere Arbeitsweise ist sehr professionell.

BiB: Die gefürchteste Frage eines Journalisten ist wohl, ob Euer Bandname politisch gemeint ist. DUNKELROT wie Waldbeeren, wie der Sonnenuntergang, die Haarfarbe (siehe CD-Cover von Jule Eckhardt) oder einfach nur DUNKELROT?

Eigentlich steckt nicht so viel dahinter. Es sollte ein knackiger deutscher Bandname sein. Nicht zu lang, nicht zu kurz. Da spielt man dann halt so alles mögliche durch. Dunkelrot ist neben Schwarz meine Lieblingsfarbe. Ganz nebenbei spiele ich auch eine dunkelrote Les Paul Standard. Das Politische klingt bei uns bisher nur in ‚Keine Zeit für Träumer‘ an. Schwarz/Gelb hätten wir uns nicht genannt.



BiB: Als musikalische Referenzen von DUNKELROT sind Namen wie Paul Weller, Rolling Stones, Small Faces, The Prisoners, Booker T. & The MG’s zu lesen. Woher kommt diese Vorliebe für den Beat-, Mod- und Soulmusik der Sechziger? Interessanter und schöner Weise kombiniert Ihr das mit deutschen Texten…

Irgendwann bin ich als Teenager über The Jam gestolpert. Ein sehr einschneidendes Erlebnis, durch das ich auch in das ganze Mod Ding reingekommen bin. Stephan war auch in der westdeutschen Modszene unterwegs. Mike kommt aus der Garage Ecke. Wir müssen uns also nicht verbiegen für unsere Musik.
Das Deutschsprachige kommt daher, dass ich immer was wirklich Eigenes machen wollte. Ich wollte auch der Sache auf den Grund gehen, was einen guten Popsongs wirklich ausmacht. Dabei ist der Text erheblich wichtiger, als sich das so Mancher hier zu Lande eingestehen will. Auch bei ‚You Really Got Me‘ und ‚Teenage Kicks‘. Wenn man was bei den Hörern auslösen will, muss man auch bereit sein, etwas von sich zu geben, etwas riskieren. Da macht es für mich als Deutschen nicht so viel Sinn, mich hinter der englischen Sprache zu verstecken.

BiB: Deutschsprachige Popmusik hat in den letzten Jahren durch die enormen kommerziellen Erfolge von Bands wie Wir sind Helden, Juli, Silbermond aber auch Kettcar, Tomte etc. einen regelrechten Boom erfahren. Wie steht Ihr zu dieser Entwicklung?

Das musste irgendwann so kommen. Es ist zwar auch viel Schrott dabei, aber prinzipiell find ich’s gut. Wenn ich daran denke, was das damals mit meiner alten Band „die tanzenden herzen“ Anfang der 90er immer noch für ein Thema war. In Berlin standen wir mit den deutschen Texten ziemlich alleine da.



BiB: Habt Ihr engen Kontakt zu anderen Berliner Musikern/Bands und ein Netzwerk? Gibt es Berliner Bands, die Ihr (musikalisch) mögt und die Ihr uns empfehlen möchtet?

Man kennt schon den Einen oder Anderen, klar. Aber Netzwerk kann man eigentlich nicht sagen. Meine Berliner Lieblingsband ist immer noch Viktoripark, die ja auch vor einiger Zeit ein Album selbst veröffentlicht haben. Wäre schön, wenn die sich doch noch mal zu einem Konzert aufraffen könnten.

BiB: Wie geht es nach der VÖ Eurer Platte weiter? Was sind die Pläne für die kommenden Monate und was wäre das Beste, was DUNKELROT passieren könnte?

Wir werden natürlich weiterhin live auftreten. Für den Herbst planen wir auch mal aus Berlin rauszukommen und in anderen Städten zu spielen. Es wäre super, wenn sich möglichst viele das Album bei uns bestellen, denn es ist gut und will gehört werden. Na ja, es wäre auch nicht schlecht, wenn eines schönen Tages eins unserer Lieder von einer coolen, jungen Band gecovert würde.

Vielen Dank für das Interview!
Wir wünschen Euch viel Erfolg und alles Gute für die Zukunft der Band!

Die CD DUNKELROT Ich brauch mehr Zeit kann man www.dunkelrot.info
www.myspace.com/dunkelrot

Fotos: © DUNKELROT
Autor: [EMAIL=jana.schuricht@bands-in-berlin.com?Subject=Kontakt von der Website]Jana Schuricht[/EMAIL]

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