EAGLE*SEAGULL am 13.04.2010 im Comet Club


Glamour Galore.



Es ist lange Zeit her, seit EAGLE*SEAGULL zuletzt von sich hören ließen. Das war im Jahre 2006, als das Sextett sein gleichnamiges Debütalbum veröffentlichte. Zwar erntete das Erstlingswerk regen Beifall und konnte sich durch Platzierungen in den Best Of The Year-Listen einschlägiger Musikmagazine wie des Rolling Stone und der Spex auszeichnen, doch dann wurde es still um EAGLE*SEAGULL. Der Vogel schien sich verflüchtigt zu haben.

Vier Jahre später jedoch ist es so weit, die Combo aus Lincoln, Nebraska meldet sich zurück: The Year Of How-To Book lautet der Name des Nachfolgers, erschienen am 29. März 2010. Umso erfreulicher, dass es EAGLE*SEAGULL mit neuem Album in der Tasche und frischem Wind unter den Flügeln am 13. April umgehend in den Berliner Comet Club verschlug, um ihr neues Werk zum Besten zu geben.

Unterstützung erfolgt dabei aus Österreich: STEAMING SATELLITES nennt sich die Vorband, bestehend aus vier jungen Salzburgern. Der Club ist halbvoll, als die STEAMING SATELLITES mit Bändern in den Haaren und einem Zucken in den Fingern die Bühne betreten und sodann unbändig zu spielen beginnen. Mit einer Mischung aus psychedelischem und progressivem Rock hauen die Burschen in Mars Volta- und At The Drive-In-Manier in die Instrumente, als gäbe es kein Morgen. Sänger und Gitarrist Max Borchard keift ins Mikrophon, wirft sich zu Boden, die Saiten quietschen, der Schweiß tropft. Über ihren Auftritt kann anschließend im Rauchergarten begeistertes Raunen vernommen werden.

Währenddessen bauen EAGLE*SEAGULL ihre Instrumente auf, ehe sie ihren Auftritt mit ‚I Don’t Know If People Have Hated Me, But I Have Hated People‘ vom neuen Album eröffnen. Der Comet Club ist mittlerweile zu 3/4 gefüllt, die Besucher beobachten gebannt das Geschehen auf der Bühne. Dass sich in vier Jahren sowohl inhaltlich als auch musikalisch sehr viel verändern kann, beweist die Band gleich doppelt: Zunächst fällt auf, dass sich die ursprüngliche Formation von sechs Personen auf ein Quintett reduziert hat, inklusive neuem Schlagzeuger. Der Grund dafür: unüberbrückbare musikalische Differenzen. Ob es am neuen Retro-Stil der Band liegen mag? Im Vergleich zum ersten Album, welches sich im Bereich Folk/Country/Indie bewegt, ist die neue Platte stark durch Synthesizer geprägt. Die 80er lassen grüßen.

In einem Punkt sind sich EAGLE*SEAGULL jedoch treu geblieben: Wie ein roter Faden zieht sich das Thema Melancholie gepaart mit Herz- und Weltschmerzstimmung durch ihre Liedtexte. „Oh, I know, the infection is more tolerable than the cure!“ Voller Pathos gibt Sänger Eli Mardock, komplett in schwarz gehüllt und mit Pfauenfeder im Haar, diese wieder und bedient dabei abwechselnd mit Bandkollegin Carrie Butler, die in ihrem goldenen Glitzerkleidchen wie eine Fee à la Tinker Bell anmutet und nebenbei auch noch die Geige zupft und fiedelt, Klavier und Synthesizer. Mit fragiler Stimme verleiht Eli Mardock seinen Gefühlsausbrüchen Ausdruck, indem er inbrünstig, geradezu theatralisch, seine ganz persönliche Aphrodite zu besingen scheint, indem er charmant „You’re the Reason Why I’m Afraid to Die“ oder „I’m Sorry But I’m Beginning to Hate Your Face“ ins Mikro säuselt.

Man merkt EAGLE*SEAGULL an, dass sie sich darüber freuen, in Berlin zu spielen und ihr neues Album zu präsentieren. Nichtsdestotrotz scheint es so, als bräuchte das Publikum Zeit, sich an den neuen Synthie-Sound zu gewöhnen, der an manchen Stellen für die Ohren durchaus anstregend wird. Erst als die Band Klassiker wie ‚Photograph‘ vom Vorgänger spielt, beginnt das Publikum warm zu werden. Mit dem großartigen ‚Your Beauty Is A Knife I Turn On My Throat‘ ist das Eis dann endgültig gebrochen: In den vordersten Reihen wird getanzt, die mittleren Reihen bewegen sich lässig zum Klavier-Geklimper und sogar im hintersten Abteil wird zumindest mit dem kleinen Zeh im Takt gewippt.

Ehe man sich versieht, stehen für die Zugabe plötzlich zwei weitere Menschen auf der Bühne: Spontan beschließen EAGLE*SEAGULL, zwei alte Freunde mit ins Boot zu holen, die sich unter dem Konzertpublikum tummeln und ihres Zeichens Mitglieder der schwedischen Band Friska Viljor sind. Aus dem Sextett wird ein Quintett wird ein Septett, bevor es EAGLE*SEAGULL auf ihrer Tour mit dem Nordwind weiter nach Hamburg verschlägt.

Setlist:

1. I Don’t Know If People Have Hated Me, But I Have Hated People
2. I’m Sorry But I’m Beginning To Hate Your Face
3. Thanks To All
4. I Don’t Know If This Is Ignorance Or Transcendence
5. Photograph
6. You Can’t Call Yourself A Secret
7. The Boy With A Serpent In His Heart
8. Twenty Thousand Light Years
9. The Year Of The How To-Book
10. Your Beauty Is A Knife I Turn On My Throat
11. You’re The Reason Why I’m Afraid To Die

www.myspace.com/eagleseagull
www.eagleseagull.com

Autor: [EMAIL=veronique.homann@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Veronique Homann[/EMAIL]

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