EGOTRONIC – Berliner Act des Monats Januar 2010


Raven im Akkord.



Raven gegen Deutschland, nicht nur Songtitel, sondern von jeher auch programmatisches Credo des Berliner Trios um Mastermind Torsun, das über das ekstatische Abhotten auf den Tanzfloors hinaus eben auch eine eindeutige politische Positionierung impliziert. Bereits seit Anfang der vergangenen Dekade aktiv, zählt das in der Besetzung Torsun, Endi und Kt&F nunmehr also zur beständigen Kreativ-Einheit verschmolzene Trio seit dem 2007 erschienenen Album Lustprinzip inkl. besagtem ‚Raven gegen Deutschland‘, spätestens aber mit dem nachfolgenden, erneut auf dem Hamburger Label Audiolith veröffentlichten Egotronic zu den besonders lautstarken Protagonisten einer stetig anwachsenden – keineswegs nur hauptstädtischen – Elektrorock-/Partyrave-Szene.

Am kommenden Freitag, den 22.01. laden EGOTRONIC im Rahmen von Popmonitor live zur intimen Clubshow ins Rosi’s (w/ MITTEKILL), bei der sie voraussichtlich auch den ein oder anderen neuen Song im Programm haben werden. Kurz vorher lassen sie im Interview noch das Jahr 2009 Revue passieren, gewähren einen Einblick in die Arbeiten am neuen Album und lassen uns an der Auswahl ihrer Lieblingsalben der 00er-Jahre teilhaben.

popmonitor.berlin: 2009 war für Euch ja ein äußerst erfolgreiches und arbeitsreiches, angesichts von gut 100 Live-Shows sicherlich auch kräftezehrendes Jahr. Was waren denn die Momente 2009 für Euch, und welcher eurer Gigs ist am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben, wenn Ihr das Jahr Revue passieren lasst? Sind die Akkus für 2010 schon wieder vollständig aufgeladen?

Egotronic: Ja, kräftezehrend ist schon ganz richtig, am Schluss war’s dann schon etwas arg anstrengend. Allerdings hatten wir auch verdammt viele Konzerte und Erlebnisse, die einfach großartig waren. Um nur mal drei anzureißen: Vor 7000 Menschen nach so großartigen Bands wie Turbonegro und Muff Potter auf dem Omas Teich zu spielen, wird auf immer unvergesslich bleiben, ebenso das wirre und irre Pferdefest in Bernkastel-Kues und die Audiolithfeste zum Jahreabschluss, auf denen wir mit allen unseren Freunden aus der großen Audiolithfamilie spielen durften. Und was die Akkus angeht, nun ja, eine etwas längere Pause hätte sicherlich keinem von uns geschadet, aber sobald man erstmal wieder regelmäßig unterwegs ist, kommt auch gleich wieder ein „Drive“ rein.

Sicherlich hat ja in den kommenden Monaten die Fertigstellung eures neuen Albums Priorität, wie ist denn diesbezüglich der aktuelle Stand? Gibt es Neuerungen im Egotronic-Soundspektrum, hat sich an der generellen Herangehensweise etwas geändert, werden wieder Gäste auf dem Album vertreten sein?

Das Album ist fast fertig, wir hoffen, zum Zeitpunkt des Rosi’s-Konzerts mit allem durch zu sein. Neuerungen, nun ja, kann man ja immer schlecht selbst bewerten, wir denken, dass es auf jeden Fall das abwechslungsreichste Album bisher ist, es sind sogar ein paar Gitarren drauf… Gäste wird es einige geben, wenn man unterwegs so viele tolle Musiker trifft, bekommt man halt Bock, mit denen was zu machen. Dabei sind u.a. alle von der Frittenbude, Danja Atari, Saalschutz und Captain Capa.

Allzu explizite Kommentare zur derzeitigen Lage der Nation erübrigen sich als „Raver gegen Deutschland“ angesichts eures von jeher nach außen getragenen (extrem) linken politischen Bewusstseins und des Regierungswechsels zu Schwarz-Gelb ja eigentlich, oder wie seht Ihr das?

„Flagge verbrennen (Regierung ertränken)“ (F.S.K.)



Torsun, Du hast ja als Lieblingsplatten immer gerne Andreas Doraus Neu und 90 Minuten Musik Ungeklärter Herkunft angegeben, die Dir den Anstoß gaben, elektronische Musik zu machen. Hat sich an dieser Einschätzung im Lauf der Zeit etwas geändert? Welche Alben haben Dich sonst noch geprägt, insbesondere auch in deiner früheren Punkphase?

Torsun: Nö, an meiner Meinung zu Doraus Gesamtwerk hat sich natürlich nichts geändert. Geprägt haben mich aber sicherlich auch alles von Mikron64 und die Is this real? von den Wipers, welche nach wie vor eine meiner Lieblingsplatten ist.

Auf eurem selbstbetitelten 2008er Album Egotronic hat Walter Schreifels von der legendären New Yorker Hardcore-Band Gorilla Biscuits auf dem Stück ‚Kotzen‘ Vocals beigesteuert. Wie kam es dazu und wie gestaltete sich die Zusammenarbeit?

Walter Schreifels wurde, ich glaube von Tomte, zu unserem Konzert vor zwei Jahren in den Festsaal Kreuzberg mitgeschleift, und ihm schien es gefallen zu haben, jedenfalls schrieb er uns einige Wochen später an und bot uns an, irgendwann mal was mit uns zu machen. Das war natürlich schon abgefahren, und wir waren da gleich Feuer und Flamme. Angerufen, verabredet, er hat was eingesungen, fertig. Manchmal geht’s ganz einfach. Und für uns war das natürlich eine riesige Ehre, mit jemandem was zu machen, dessen Songs wir unzählige Male zuhause gehört haben.

Da gerade überall gerne die 00er-Jahre bilanziert werden: Was sind eure Lieblingsalben der Dekade, welche Bands/Künstler hatten in dieser Zeit maßgeblich Einfluss auf euer musikalisches Schaffen?

Wieviel Platz gibt’s denn? Ein gutes Jahrzeht für Musik war es auf jeden Fall, jeder von uns hat mal ein paar ausgewählt, ob die einen großen Einfluss auf unsere Musik haben/hatten, wagen wir größtenteils zu bezweifeln:

Torsun:
The Faint – Danse Macabre
The Hives – Veni Vidi Vicious
Digitalism – Idealism
Jeans Team – Ding Dong

Endi:
Atom and his Package – Redefining Music
The Streets – Original Pirate Material
Fischerspooner – Odyssey
Mclusky – Do dallas
Soulwax – As heard on Radio Soulwax Pt.2

Kt&F:
Tocotronic – Kapitulation
Kettcar – Du und wieviel von deinen Freunden
Ada – Blondie
Paul Kalkbrenner – Berlin calling
Blumfeld – Testament der Angst

Ihr seid/wart deutschlandweit häufig mit zahlreichen anderen Audiolith-Acts wie bspw. Frittenbude, Plemo, Juri Gagarin oder Saalschutz unterwegs (Audiolith Fest). Geht ihr euch da inzwischen auch schon mal auf die Nerven, wie ist das Verhältnis generell untereinander? Gibt es Pläne für weitere Kollaborationen im Jahr 2010, live oder im Studio?

Siehe auch Antwort oben, einige von denen sind auf jeden Fall dabei. Nein, auf die Nerven gehen wir uns eigentlich nie. Ganz im Gegenteil. Viele unserer Labelkollegen sind ja im Laufe der Jahre auch sehr gute Freunde geworden, und da ist es natürlich toll, sich im Rahmen der Konzerte zu sehen und zusammen spielen zu können. Das ist dann eher wie ein großes Klassentreffen. Und ist ja auch nicht jeden Tag :).



Gibt es für 2010 auch Pläne, den Egotronic-Rave ins Ausland zu tragen, welche Erfahrungen habt ihr bislang bei Konzerten in anderen Ländern gemacht?

Klar, wir spielen sehr gerne im Ausland, das ist immer eine willkommene Abwechslung zum Touralltag und wir werden 2010 versuchen, noch mehr woanders zu spielen, vor allem auch in Ländern, in denen wir noch nie waren. Das wird aber erst verraten, wenn es spruchreif ist. Wir haben eigentlich überall nur gute Erfahrungen gemacht, wobei unsere Russlandtrips sicher das Highlight bisher waren.

Auf welchem nationalen oder internationalen Festival würdet Ihr gerne mal spielen?

International: Burning Man/Texas, Sziget/Budapest. National: Puh, wir haben ja schon auf einigen gespielt, von denen viele so schön waren, dass wir gerne wieder kommen würden, zum Beispiel Omas Teich oder Dockville. Aber im Rahmen des richtigen Melt-Programms wär’s auch mal gut.

Am 22.01. spielt ihr im relativ intimen Rahmen im Berliner Rosi’s. Was erwartet Ihr euch von der Show, worauf können sich die Fans besonders freuen?

So relativ kleine Clubshows tendieren ja immer dazu, etwas punkiger zu werden. Wenn wir es hinbekommen, werden wir auch den ein oder anderen neuen Song im Programm haben. Daumen drücken!

Vielen Dank für das Interview, wir freuen uns auf Freitag!

EGOTRONIC am Freitag, 22.01.2010 live im Rosi’s (w/ MITTEKILL)

www.myspace.com/egotronics
www.egotronic.net
http://torsun.blogsport.de
www.audiolith.net

Fotos © Egotronic/Audiolith
Autor: [EMAIL=thomas.stern@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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