EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN – Perpetuum Mobile


Aufbruch in eine hoffnungsvolle Zukunft…

Vier Jahre nach der letzten regulären Veröffentlichung Silence Is Sexy, diesem etwas orientierungslos und bruchstückhaften Destillat der bis dahin 20-jährigen Bandgeschichte, treten die NEUBAUTEN mit ihrem neuen Werk Perpetuum Mobile den Beweis einer nach wie vor vorhandenen Frische mit dem Willen zu einem weiteren, bewegten Kapitel ihrer Vita an.
In der Besetzung der Urmitglieder BLIXA BARGELD, ALEXANDER HACKE, N.U.UNRUH sowie JOCHEN ARBEIT und RUDI MOSER bewegen sie sich auf dem neuen Album unter Einbeziehung altbekannter NEUBAUTEN-typischer Versatzstücke wie selten zuvor auf einer extrem durchdachten, aber gleichzeitig äußerst relaxten Umlaufbahn in neue Dimensionen.

Musikalisch findet sich auf dem Album das mittlerweile zum Selbstverständnis der Band gehörende Gleichgewicht aus dem spätestens seit dem wundervollen Duett mit MERET BECKER eingeleiteten harmonischen Wohlklang im Song ‚Stella Maris‘ vom 96er Album Ende Neu sowie den ratternden, schwer Bass-lastigen Perkussion-Monolithen, so dass fast im regelmäßigen Wechsel auf die auch immer noch gerne dynamisch-lärmenden stets gefühlvolle, fast balladeske Stücke – im bandeigenen Kontext, versteht sich- folgen. Dabei werden diesmal dem bekannten Instrumentarium gelegentlich für die NEUBAUTEN recht exotische Elemente wie Bläser, Pedal-Steel-Gitarre oder Lockpfeifen hinzugefügt, die dem beständig als Grundlage dienenden Gerüst aus Bass, Gitarre und diversen Schlagwerken eine zusätzlich erfrischende Note verleihen.

Ganz der Autonomie des Küntlers folgend und die Exegese der geneigten Hörerschaft überlassend, sind BLIXAs Texte auch im Jahr 2004 noch immer recht kryptisch und einer gewissen Chiffre verpflichtet, doch zeichnet sich diesbezüglich allmählich eine größere Transparenz ab, die zumindest eine sich fast zwangsläufig aufdrängende Assoziationskette ermöglicht und somit eine gewisse leitmotivische Tendenz – zumindest ansatzweise – vorgibt.
Getreu dem Albumtitel drehen sich die BARGELDschen Textrudimente größtenteils um romantisch-universelle Sichtweisen in Beziehung zum individuellen Selbst. Alles ist im Fluss, alles ist Bewegung und vergänglich. Ob nun im Alltäglichen Autos, Fahrstühle, Flugzeuge, oder aber kosmische Naturgewalten, Sterne und Galaxien, also das Leben an sich. „Irgendwas ist immer„, genau!
Als tröstender Rettungsanker dienen da das stets romantisch konnotierte sehnsüchtige, melancholische Innehalten am Meer oder unterm nächtlichen Sternenhimmel und natürlich… die Liebe.

Diese Stimmungen und Visionen erhalten teilweise gar ihre musikalische Entsprechung, wenn beispielsweise auf das fulminante, knapp 14-minütige Titelstück ‚Ein Leichtes Leises Säuseln‘ oder auf das gegen Ende nicht minder lautstarke ‚Ein Seltener Vogel‘ die Vertonung von ‚Ozean Und Brandung‘ und daran anschließend ‚Paradiesseits‘ folgen, und somit die der Selbstreflexion und einem entspannten Durchatmen dienende Ruhe nach dem Sturm versinnbildlicht wird.

Den EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN ist mit Perpetuum Mobile ein beeindruckendes und jederzeit aufregendes Manifest einer sowohl thematischen als auch musikalischen Homogenität gelungen, das das nächste Kapitel einer hoffentlich noch lange andauernden Bandhistorie infernalisch einläuten sollte.

Wie heißt es doch so optimistisch (und auch ein wenig fatalistisch) in ‚Youme & Meyou‘: „If The Future Isn’t Bright, At Least It’s Colourful…“

EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN
Perpetuum Mobile
(Mute/ Virgin)
VÖ: 09.02.2004

http://www.neubauten.org

Autor: [EMAIL=thomas.stern@popmonitor.de?Subject=Kontakt von der Website]Thomas Stern[/EMAIL]

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