Eisregen – Satan Liebt Dich EP

Nanu? Ein fescher Herr mit herziger Merkelraute und keine Alliteration im Plattentitel? Das soll eine EP von EISREGEN sein, jener berüchtigten Deutsch-Black Metal-Pioniere? Man hört geradezu, die Metal-Szenepolizei „Ausverkauf!“ schreien. Eisregen spielen seit 1995 und haben offenbar kein Problem damit, sich ein paar Fans zu vergrätzen. Nach ihren, nun ja, Best-of-Alben Krebskollektion (2012) und Der Tod ist ein Meister aus Thüringen (2013) stellen sie sich auch hier einem breiteren Publikum zum Kennenlernen vor.

Geblieben sind der Mann mit der Reibeisenstimme, MICHAEL ROTH, WEST am Bass und Drummer RONNY FIMMEL. Wurden ihre letzten vier Alben seit 2011 von den Fans weniger gefeiert, bemühen sie sich jetzt, diese mit Oldschool-Tracks wie „Fahlmondmörder“ bei der Stange zu halten. Für „Mein Eichensarg“ kommt hier SHIRENC hinzu. Der Titelsong ist dagegen das wohl Freundlichste, was die Band je produziert hat. Statt mit dem üblichen Dark Metal wird hier ein gruseliger NDH-Song mit einem wirklich verführerischem Refrain über ein Kind gespielt, das dem Leibhaftigen anheimfällt.

Wer über die 1990er und 2000er im deutschen Anti-Pop-Bereich schreibt, darf diese fiese Band nun einmal nicht vergessen. DIE ÄRZTE oder WIZO schafften es zu indizierten Songs und machten Deutschpunk damit spannend. Aggro Berlin verpassten deutschem Gangsterrap durch ganze indizierte Alben Fame. Und auch Eisregen sind Türöffner für den deutschsprachigen Metal, worauf sie mit dem Index-Medley „13 russische Krebsschweine“ höhnisch hinweisen. Und ihre gewaltreichen Horrortexte könnten genauso von den Protagonisten des anderen Berliner Raplabels Hirntot Records stammen.

Interessanterweise spricht aus ihren Texten der selbe Konservatismus wie aus diversen HipHop-Alben: Hier sind fast alle Frauen „Nutten“ außer Mama. Die konservative Haltung zeigt sich auf der EP auch in den beiden Songs zu dem berühmten Hannoveraner Serienkiller Fritz Haarmann: „Onkel Fritze“ sowie „Menschenmetzger Fritz“, der für den TRANSILVANIAN BEAT CLUB gedacht war. Der eigene Humor wird unterstrichen („Was haben wir gelacht“), denn er richtet sich gegen die Opfer („Tuntenleberkäse“). Zwar sei Homosexualität „nicht schlimm“, aber Mitleid kann man natürlich nicht erwarten. Zwar hat sich die Band spätestens mit „Heer Der Ratten“ oder „Deutschland In Flammen“ klar vom Rechtsextremismus distanziert, aber der volkstümliche Sexismus ist ihnen geblieben. Eisregen-Songs sind damit nichts anderes als Saw-Filme für die Ohren. Was ihre Hörer erwarten, wissen die Musiker zu genüge („Blut Saufen“, 2014).

 

Eisregen
Satan Liebt Dich EP
(Soulfood Music/Massacre Records)
VÖ: 08.06.18

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