ELIKAN DEW – Berliner Act des Monats Februar 2006


Mit neuem Album in den Startlöchern…


Von links nach rechts: Torsten (Git/Voc), Henrik (Voc/Git), Robert (Bass), Chris (Drums)

Die Jungs wissen zu verzücken! Einmal live gesehen, packt einen die längst ad acta gelegte Leidenschaft zum Alternative Rock. Allein in Deutschland versuchen Dutzende von Bands mit eher mäßigem Erfolg so zu klingen wie ihre amerikanischen Vorbilder. Es fehlt dann allzu oft an Können und Persönlichkeit. Zugegeben, mit dieser Stilistik von Musik fällt das Abheben von der Masse nicht leicht, und schon gar nicht leicht ist es, Erfolg damit zu haben. Gelungen ist es den Vieren von ELIKAN DEW – und das zu Zeiten, in denen der Fokus doch eher auf den, nennen wir es mal „England-Stil“, gerichtet ist.

Schonungslos mischen ELIKAN DEW eingängig harte Gitarrenlinien mit ausgefeilten ohrwurmartigen Gesangspassagen, die sich unweigerlich im Kopf verankern. Dazu ein tight gespieltes Schlagzeug – und fertig ist der Mix einer Muse-artig anmutenden, hoch emotionalen Mischung. Und das aus Berlin!

Die jetzige Formation existiert seit nunmehr fünf Jahren. In diesem Zeitraum konnten ELIKAN DEW die Leute erfolgreich von ihren Livequalitäten, die sie zweifelsohne besitzen, überzeugen. Letztlich der erste Platz beim Berliner Emergenza Festival und ein gut gelungenes Debütalbum zeigen, dass diese Gruppe Zukunft haben wird. Dann dürfen wir jetzt ja gespannt auf das neue Album sein, welches im März dem Publikum vorgestellt wird. Mehr zum Album und anderen fabulösen Themen nun im folgenden Interview mit den Jungs.

[B]BiB: Wie wird euer neues Album heißen und wo habt ihr es aufgenommen?[/B]

Chris: Es heißt: Meet on Plateau. Es bedeutet, sich treffen auf einer Ebene, möglichst bezogen auf der zwischen Band und dem Publikum. Aber auch alles andere im menschlichen Leben kann ja zutreffend sein. Aufgenommen haben wir Meet on Plateau in den Berliner K4-Studios, auf dem denkwürdigen Gelände des alten DDR-Rundfunks.

[B]BiB: Gab es Probleme, ein passendes Label zu finden?[/B]

Robert: Es gab richtig Probleme, ein Label zu finden, doch wir wollten diesen Schritt unbedingt nehmen, das hatten wir uns vorgenommen. Uns war es dabei eigentlich fast egal, ob nun groß oder klein. Wir standen irgendwie zwischen Baum und Borke. Für die Major-Labels zu unkommerziell und für die Indie-Labels nicht schräg genug.
Es hat fast 2 Jahre gedauert. Jetzt sind wir zufrieden, bei Ulftone Music releasen zu können, sehen aber auch das durch die lange Suche realistisch…
Man kommt automatisch stark ins Zweifeln an sich, der Band, der Musik und dem Weg. Es ist nicht einfach, wenn du manchmal konkret, manchmal einfach durch Desinteresse gesagt bekommst, dass deine Musik nicht gut sei. Nicht interessant, nicht deutsch, nicht echt, zu glatt, zu kantig, zu monoton, ohne roten Faden, langweilig, zu komplex…
Tausend Aussagen und so gegensätzlich, dass jede an inhaltlichem Wert verliert.
Du fängst an, alles in Frage zu stellen und unzufrieden zu sein, dir geht die Energie verloren…
Wir haben es das erste Jahr geschafft, uns mit vielen Gigs und der Tour abzulenken und zu befriedigen. Dann kam die Zeit, in der man wirklich denkt, verdammt, wir machen einfach was Neues und hauen die alte Platte in den Müll oder bringen sie wirklich wieder selber raus. Das ging aber dann auch nicht so einfach, weil wir einfach denken, dass die Platte richtig gut ist und nicht in der Versenkung verschwinden darf.
Das sind und waren auch schwere Zeiten für die Bandchemie, das steht fest.

[B]BiB: Könnt ihr eure neue Platte kurz beschreiben? Was wird den Hörer erwarten?[/B]

Henrik: Ich finde, das Album ist richtig, richtig gut geworden. Es vereint einfach viele Aspekte, die wir als Band in uns tragen und ich denke, dass das auch der Hörer spürt. Es ist natürlich in erster Linie rockig, hat aber auch sehr emotionale und auch softe Passagen. Ich denke, es ist auch ein ziemlich gesanglich, songlich geprägtes Album. Hört es euch am besten einfach an!!!!

[B]BiB: Ist Songwriting bei euch Bandsache oder gibt es eine treibende Kraft, die leitend ein Händchen über alles hält? Ich kann mir vorstellen, dass Improvisation da eher zweitrangig ist.[/B]

Chris: Also Songwriting ist für uns klar eine Bandsache. Die treibende Kraft ist immer derjenige, der eine brauchbare Grundidee hervorbringt. Und meistens steigen wir alle darauf ein. An genau dieser Stelle wird dann eine Menge improvisiert, überlegt und schließlich abgesegnet. Es gibt also, so wie es bei einer Band sein sollte, niemanden, der den anderen da Vorschriften macht.

[B]BiB: Welche Einflüsse und Themen gehen in eure Texte ein? Sind die wichtig, da englischsprachig?[/B]

Henrik: Die Texte sind mir schon wichtig. Auch wenn sie englisch sind und das zunächst nach dem Versuch aussieht, sich nicht ganz der Öffentlichkeit preisgeben zu müssen. Ich kann nur über Sachen singen, die mich selbst bewegen oder die mir selbst passieren. Das sind vor allem die Fragen, „was aus mir wird“ und wo ich mich inmitten der Gesellschaft (irgendwann mal) eingliedere. Außerdem geht es natürlich auch um zwischenmenschliche Liebes- wie auch „Stress-Beziehungen“.

[B]BiB: Was macht euch eurer Meinung nach anders als andere Bands?[/B]

Chris: Aus irgendeinem Grund, so hat man über die Zeit festgestellt, haben wir wohl einen ziemlich langen Atem und lassen uns nicht beirren. Wir planen auch viel, stellen uns auf bestimmte Sachen ein und wägen andauernd ab. Außerdem geschieht alles zum Wohle der Band. Wir bescheißen uns nicht. Gut, das machen andere sicherlich auch…, aber vielleicht nicht so verdammt konsequent! Uns wird es auf jeden Fall noch lange geben!

[B]BiB: Man hört von euch, dass ihr viel Zeit ins Musikerdasein investiert. Wovon lebt ihr, oder macht ihr außerdem noch etwas anderes?[/B]

Torsten: Wir haben einige Jahre ausschließlich für die Band gelebt. Das konnte man nur als Student und durch das überwiegende Wohnen im Elternhaus finanzieren. Kleine Verdienste hier und da: Umzüge, Aushilfen, Ebay etc. Ich habe ein dreiviertel Jahr als Packkraft bei Lidl gearbeitet. Da kann man politisch werden…

[B]BiB: Wo seht ihr euch in ein bis zwei Jahren? Ist es Zeit, über den so genannten Tellerrand zu schauen? Weg aus Berlin oder Deutschland?[/B]

Chris: Klar, wäre es an der Zeit überall zu spielen, überall veröffentlicht und in aller Munde zu sein. Aus Berlin herauskommen kann man ja so auch schon nicht mehr sagen, denn wir waren schon deutschlandweit unterwegs und sind auf sehr, sehr positive Feedbacks gestoßen. Alles weitere ist eigentlich nur eine Frage deiner Partner, die du haben musst, um größere Sachen zu stemmen. Ich denke, wir sind da auf einem eher ruhigen, aber stetig wachsenden Weg der Verbesserung.

[B]BiB: Welche Bands oder Personen zählen zu euren Vorbildern? Stört es euch, wenn ihr mit anderen Bands verglichen werdet?[/B]

Torsten: Das Vergleichen ist eigentlich nicht schlimm. Es kommt nur darauf an, wer es macht und wie er es macht. Vorbilder gibt es eigentlich nur im Sinne von Faszination und Einflüssen, die bei jedem anders sind. Schnittmengen wie z.B. PEARL JAM gibt es aber. Einer meiner persönlichen Lieblinge ist z.B. Jeff Buckley.

[B]BiB: Es ist ja bekanntermaßen schwer für deutsche Bands, mit englischsprachigen Texten und dann in diesem Genre in den amerikanischen, selbst in den deutschen Markt zu kommen. Mann könnte fast sagen, dass in diesem Bereich schon alle Türen geschlossen sind. Was haltet ihr davon oder ist es euch egal?[/B]

Chris: Man ist blöderweise sofort damit konfrontiert, dass es heißt: „amerikanisch,
aber eigentlich deutsch“, so klingt das natürlich doof! Wenn man ein hervorragender, also wirklich hervorragender Lyriker ist, kann man schon auf Deutsch schreiben, denn deutsche Texte (oder allg. Texte in der Landessprache) müssen noch mehr haben.
Wir wollen ja hauptsächlich Gefühle und Themen verarbeitend darstellen und nicht aneinander gereihte Wortwitze reißen. Für uns ist es also absolut natürlicher, dies auf Englisch zu tun! Dass dadurch Türen geschlossen bleiben, mag jetzt gerade so der Fall sein, weil alle auf die Deutschwelle scharf sind. Aber ein Surfer hechtet ja auch nicht seiner Welle hinterher, da er nie schneller sein kann als sie selbst! Insofern ist es uns schon egal. Oder anders gesagt, wo gibt es denn bitte geöffnete Türen?!

Henrik: Das ist natürlich richtig, wenn man mal von Ausnahmen wie den Beatsteaks absieht. Wir singen aber nicht aus Kalkül englisch, sondern weil die Sprache einfach besser zu unserer Musik passt und wir alle mit englischer Musik groß geworden sind. Die Türen scheinen verschlossen, aber irgendeine Band aus Deutschland muss das doch mal schaffen können. Ob das nun wir sind… keine Ahnung. Wir bemühen uns jedenfalls.

[B]BiB: In welche Clubs oder Lokale geht ihr, wenn ihr in Berlin unterwegs seid oder etwas erleben wollt? Macht ihr das überhaupt?[/B]

Torsten: Also sich regelmäßig das Nachtleben zu geben, ist nicht mehr mein Ding und auch nicht finanzierbar. Dennoch: Konzerte besuche ich gern. Ein gemütlicher Treffpunkt ist dann und wann das Geronimo am Ostkreuz.



[B]Ich bedanke mich für das Interview und wünsche euch für eure gemeinsame Zukunft viel Glück. Bleibt nur noch auf die Releaseparty des neuen Albums Meet on Plateau hinzuweisen, welche am 11.03.2006 im Kato in Berlin stattfinden wird.[/B]

[URL“>http://www.elikandew.de
[URL“>http://www.ulftone.com/

Foto © Elikan Dew
Autor: [EMAIL=soeren.knoell@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Sören Knöll[/EMAIL]

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