ERDMÖBEL + NIELS FREVERT am 27.01.2006 in der Volksbühne

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Eines der angenehmsten Konzerte des Winters.



Wo kann ein Konzert gemütlicher sein als im großen Saal der Volksbühne? Nirgends, denken sich wohl die ca. fünfzehn Reihen voller Besucher, die in bequemen Theatersesseln die perfekte Sicht und dazu natürlich die schöne Musik genießen.

Es sieht etwas gewöhnungsbedürftig aus, wie mitten auf der riesigen Bühne das technische Equipment wie eine Feuerstelle aufgebaut ist, in deren Mitte NIELS FREVERT den Abend mit dem Titelstück seines letzten Albums [i]Seltsam Öffne Mich[/i] eröffnet. Der ehemalige Sänger der legendären NATIONALGALERIE aus Hamburg geht seit deren Ende seinen Weg solo. Auch bei Konzerten verzichtet er auf die Begleitung einer Band und lässt nur seinen Gesang und die E-Gitarre sprechen.
Schon auf einer Konzertbühne ist es alleine manchmal etwas komisch. Hier in einem Theater, vor aufsteigenden Zuschauerrängen, fühlt er sich nach eigenem Bekunden wie eine Leinwand. Auch eine andere Besonderheit hat dieser Abend: Beim pausenfreien Übergang von einem Lied zum anderen, wie etwa von ‚7‘ zu ‚Glückskeks‘, herrscht im Publikum Stille – schließlich befindet man sich in einem Theater, und wenn vorne gesungen wird, hört man zu.
Neben dem Großteil des letzten Albums und einigen Songs vom 1997er Solodebüt [i]Niels Frevert[/i] gibt er auch die UDO LINDENBERG Coverversionen ‚Körper‘ und ‚Honky Tonky Show‘ zum Besten, was beim offensichtlich amüsierten Publikum für großen Beifall sorgt.
Auch eine Zugabe von zwei Songs ist, nachdem die rückkoppelnde Gitarre eigentlich schon perfekt inszeniert war, noch drin.
Toller Mann, und wie man hört, wird NIELS FREVERTs drittes Album demnächst Gestalt annehmen – innerhalb von zehn Jahren wohlgemerkt.

Bereits in diesem Jahr erschienen ist hingegen ein neues Album von ERDMÖBEL. Die Kölner Labelkollegen von NIELS FREVERT haben mit [i]Für die nicht wissen wie[/i] die beachtliche Hürde ihres 2003 erschienenen Durchbruchs [i]Altes Gasthaus Love[/i] locker übersprungen. Doch bei ihrem heutigen Konzert plagt sie ein arges Problem: Sänger MARKUS BERGES ist heiser, und seine eigentlich fantastische Stimme in den häufig extremen Tonlage der Lieder unkontrollierbar. Dennoch gibt er das gesamte Konzert sein Bestes – und das ist immer noch mehr als manch andere Stimme bei bester Ölung.

Nach einem mehrminütigen psychedelischen Intro geben die Kölner, die live von der Posaunistin GABRIELÀ ROSENBERG unterstützt werden, eine gute Setlist aus alten und neuen Songs zum Besten. So gibt es neben ‚Am Arsch, Welt, kannst du mich kaputtschlagen‘, ‚Au Pair Girl‘ und der nächsten Single ‚Lied über gar nichts‘ auch die Klassiker ‚In den Schuhen von Audrey Hepburn‘, ‚Genau wie ich mir es wünsche‘ und ‚Die Devise der Sterne‘ zu hören. Auch wenn es das Publikum, wie schon bei NIELS FREVERT, nicht wirklich mit der Interaktion hat und das eingeforderte „Jippie“ bei ‚Dreierbahn‘ etwas kleinlaut von den Rängen schallt, ist es zum Applaudieren stets hellwach. Mit zunehmender Dauer wird aber auch die Luft im Saal schlechter – dunkel ist es sowieso – und so sieht man den einen oder anderen mit geschlossenen Augen im Sessel versunken. Da ERDMÖBEL aber wahrlich Musik zum Träumen machen, sei das ruhig mal verziehen.

Mit ‚Der Blau Himmel‘ und einem chaotischen Sampler-Outro im Stile RADIOHEADs werden der Hauptteil des Konzerts beendet und die Weichen für eine Zugabe gestellt. In dieser gibt es noch ‚Nah bei dir‘, die Coverversion des BURT BACHARACH Hits ‚(They long to be) Close to you‘, ‚Das Beste von Osten‘ und, nachdem ein Zuschauer nach dem nicht existierenden Song ‚Hawei‘ rief, auch ‚Dawei, Dawei‘.
Schön war’s.

www.erdmoebel.de
www.nielsfrevert.net
www.volksbuehne-berlin.de
www.tapeterecords.de

Autor: [EMAIL=alexander.eckstein@b-i-b.de?Subject=Kontakt von der Website]Alexander Eckstein [/EMAIL]

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